Konflikt in der Maxvorstadt

Ruhestörungen am Josephsplatz: Städtische Plakat-Aktion verärgert Anwohner

Um zu schlichten, hängt ein Plakat am Josephsplatz – das verärgert die Anwohner aber in doppelter Hinsicht
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Um zu schlichten, hängt ein Plakat am Josephsplatz – das verärgert die Anwohner aber in doppelter Hinsicht

Am Josephsplatz hängen Banner, um zwischen Skatern, Nachtschwärmern und Anwohnern zu vermitteln. Warum das die Anwohner verärgert, wie AKIM vor Ort eingreift 

  • Am Josephsplatz vermittelt die Stadt zwischen Anwohnern, Skatern und Nachtschwärmern.
  • Hierfür wurden spezielle Plakate am Platz aufgehängt. 
  • Die bringen die Anwohner aber in doppelter Hinsicht auf die Palme. 

Maxvorstadt - Kaum zu übersehen: „Achte auf deine Lautstärke, nimm deinen Müll mit“ – am Josephsplatz hängt seit Mitte August ein großes Plakat der Stadt, das sich an Nachtschwärmer richtet. Der jüngste Vorstoß des Allparteilichen Konfliktmanagements in München (AKIM) kommt bei den Anwohnern jedoch gar nicht gut an. 

Josephsplatz: Plakat-Aktion von AKIM verärgert Anwohner

„Eine belanglosere Formulierung hätte man nicht finden können“, so Christian S. Auch seine Nachbarn sind enttäuscht und fühlen sich dadurch von der Stadt nicht ernst genommen. Denn Partys, Scherben, Wildpiesler – solche Probleme gebe es bereits seit 2017, seit der Platz damals aufgewertet wurde. „Und Corona hat das alles noch verstärkt“, so S. Er könne die jungen Leute bedingt auch verstehen. „Am Abend. Aber nicht in den Nachtstunden.“ Nachbar Christian K. ergänzt: „Ich muss für die Arbeit jeden Morgen um vier Uhr aufstehen – das geht so nicht.“ 

Christian S. Philine M., Christian und Leon K. (v. li.) ärgern sich über das städtische Plakat am Josephsplatz. 

Wildpiesler, Partys und Müll - auch am Wedekindplatz leiden Anwohner in diesem Jahr besonders. 

AKIM vermittelt zwischen Anwohnern, Skatern und Nachtschwärmern

Philine M. fordert deshalb: „Es muss eine klare Ansage her – wir wollen hier keine Zustände wie am Gärtnerplatz.“ Sie ist gleich doppelt betroffen, denn sie wohnt und arbeitet am Josephsplatz und leidet deshalb auch tagsüber unter Lärm – vor allem durch Skater am Platz, wie sie erzählt. „Man kann sich bei dem Lärm nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren“, klagt sie. AKIM versucht seit vergangenem Jahr auch im Dauerkonflikt zwischen Anwohnern und Skatern zu vermitteln (Hallo berichtete). Deshalb hängt auch am Franziskusbrunnen ein Plakat, das explizit die Skater anspricht – mit den Worten „Skaten ist hier erlaubt“ und einer Einladung zum gemeinsamen Skaten mit einem Profi. „Wo dabei der Schlichtungsgedanke zum Ausdruck kommt, erschließt sich mir nicht“, so S. Für ihn und seine Nachbarn steht fest: „Wir setzen nur noch auf die Polizei. Von der Polizei fühle ich mich ernst genommen – von AKIM nicht.“ 

Auch beim Franziskusbrunnen hängt ein Plakat, das sich explizit an Skater richtet. 

Ärger über Plakat-Aktion: "erinnert an Fehlzündungen"

An der Plakat-Aktion ärgert ihn außerdem noch eine weitere Sache: „Wenn es windet, dann schlägt und knallt das Banner sehr laut durch die Gegend – das erinnert stark an Fehlzündungen von Motorrädern.“ Brigitte Gans, Leiterin von AK IM (siehe unten) entgegnet hierauf: „Wir wissen das und spannen die Plakate deshalb regelmäßig nach.“ Voraussichtlich sollen sie nur noch bis Ende des Monats – je nach Wetterlage vielleicht noch im Oktober – hängen.

So arbeitet AKIM am Josephsplatz

Die Plakate am Josephsplatz sind Teil eines neuen Ansatzes, den sich AKIM speziell für den beliebten Platz in der Maxvorstadt überlegt hat. AKIM-Leiterin Brigitte Gans erläutert: „Wir haben uns eine Form der Ansprache überlegt, die adäquat ist. Es geht darum, in der Nachbarschaft respektvoll miteinander umzugehen.“ Am Platz würden sich überwiegend Anwohner, Leute aus dem Viertel oder auch Minderjährige aufhalten. „Wir haben uns deshalb eine jugendliche Sprache überlegt und bewusst auf Verbote verzichtet – sonst spricht es die jungen Leute gar nicht an.“ 

Brigitte Gans, Leiterin von AKIM

AKIM veranstaltet Veranstaltungen für Skater

Zwei Mal die Woche ist AKIM am Platz unterwegs – auch nachts. Dabei versuchen die städtischen Konfliktmanager immer wieder, mit allen Gruppen ins Gespräch zu kommen. „Aus unserer Sicht kommen die Banner gut bei den jungen Leuten an.“ Bei Befragungen habe es größtenteils positive Resonanz und Verständnis gegeben. Zwei von drei der Veranstaltungen, die auf dem Plakat beworben werden, das sich explizit an Skater wendet, haben bereits stattgefunden. Die AKIM-Leiterin erklärt die Intention dahinter: „Wir versuchen, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Wir haben dafür auch einen Profi vom Skateverein High Five dabei.“ Man treffe sich am Platz und spreche darüber, was Skaten im öffentlichen Raum bedeute – über Lärm und auch Beschädigungen. Nach einem Ortswechsel zeigt der Experte dann Tricks. „Wir haben bislang eher eine jüngere Zielgruppe erreicht“, so Ganz. Dennoch hoffe man dadurch auf eine Sensibilisierung.

Kassandra Fischer

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