„Kultur ist kein unnötiger Luxus“

Gericht statt Bühne: Leiden im Lockdown - so steht’s ums Münchner Hofspielhaus und die Komödie

Das Hofspielhaus in der Münchner Altstadt leuchtet rot.
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Christiane Brammer kämpft um ihr Hofspielhaus und klagt unter dem Motto „Freiheit für die Kunst“ gegen die vom Freistaat Bayern verordnete Theaterschließung.

Mit dem zweiten Lockdown geht es besonders für die Kulturbranche ans Eingemachte - wie die Münchner Kulturbranche aktuell ums Überleben kämpft.

  • Wegen des zweiten Lockdowns haben die Münchner Bühnen derzeit geschlossen.
  • Das Hofspielhaus und die Komödie im Bayerischen Hof kämpfen deshalb um ihr Überleben.
  • Hofspielhaus-Leiterin Christiane Brammer ist dafür sogar vors Gericht gezogen....

München - Christiane Brammer, Leiterin des Hofspielhauses, kämpft wie eine Löwin um den Fortbestand ihrer Bühne. „Während man sich in München derzeit ohne Weiteres sechs Tage die Woche von 9 bis 20 Uhr im Apple Store, im Media-Markt oder bei Saturn ins Gedränge stürzen sowie vom Flughafen nach Fuerteventura, Gran Canaria, Mallorca oder Teneriffa fliegen kann, sind sämtliche Kulturstätten geschlossen,“ echauffiert sich die 55-Jährige, die gerade ein Verfahren gegen den Bayerischen Staat am Laufen hat.

Christiane Brammer ist die Leiterin des Hofspielhauses.

München: Christiane Brammer zieht wegen Lockdown vor Gericht

Und sie ist zuversichtlich, denn ihr Ziel ist es, gegen die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 30. Oktober 2020 für Theater, Opern, Konzerthäuser und Bühnen vorzugehen. Die Theatermacherin und Schauspielerin hofft, dass die für sie zu pauschale Regelung für verfassungswidrig erklärt wird. In vier Monaten wird das Normenkontrollverfahren abgeschlossen sein. Für ihr Theater, das in Normalzeiten 70 Leuten Platz bietet, (bis zum Lockdown-light waren es 25) hat sie allein für Hygienemaßnahmen 15 000 Euro ausgegeben. Außerdem ist es ihr Ziel, „meine Mitarbeiter durchzuziehen“.

„Entlassen wird niemand. Ich hoffe, die Zeit spielt für mich“

Christiane Brammer

Ihr leidenschaftlicher Appell lautet: „Wir sind der Ansicht, dass die pauschale Schließung der Theater unverhältnismäßig und gleichheitswidrig ist. Kunst und Kultur sind kein überflüssiger Luxus, den man einfach lahmlegen kann.“ Außerdem zeige Corona alle Missstände auf, die vorher schon da waren. Brammer hofft auf eine Öffnung im Dezember und ihre Planung reicht bis nächsten August mit Oper, Operette und Open Air. „Ich gebe nicht auf“, sagt sie energisch. Sie hat Aufträge als Schauspielerin, mit den Einnahmen unterstützt sie das Theater. „Entlassen wird niemand. Ich hoffe, die Zeit spielt für mich.“

Die Komödie im Bayerischen Hof lebt von ihren Tourneen

Thomas Pekny, Leiter der Komödie im Bayerischen Hof, sieht die unfreiwillige Theaterschließung so: „Wir haben ja eine dünne Personaldecke. Im Moment arbeiten wir mehr als je zuvor – bei Nullkommanull erfreulichem Effekt“. Sein Theater kommt seit 60 Jahren völlig ohne Subventionen aus, lebt von den Tourneen.

Thomas Pekny, Leiter der Komödie im Bayerischen Hof

„Ohne diese Quereinnahmen würde es uns längst schon nicht mehr geben.“ Doch diese fallen aktuell weg. Für Hygienemaßnahmen hat die Komödie in den vergangenen drei Monaten mehr als 30 000 Euro ausgegeben und dabei teilweise vor nur 50 Leuten gespielt. Normalerweise fasst die Sprechbühne 575 Plätze, vor dem November-Lockdown waren 175 zugelassen. Seit kurzem hat Pekny einen Internet-Spendenaufruf an die Münchner gestartet. Ihm bleibt nur die Hoffnung, dass er seinen Betrieb möglichst bald wieder aufnehmen kann. Und sein Optimismus: „Wir hoffen alle, dass wir es schaffen und durchhalten.“ 

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