Geht so moderner Baumschutz?

Lehel: BA beklagt spärliche Ersatzpflanzung für Sankt-Anna-Gymnasium und bittet Landtag um Hilfe

Wegen Bauarbeiten musste ein großer Baum auf dem Hof des Sankt-Anna-Gymnasiums gefällt werden - der BA fordert jetzt einen Großbaum als Ersatzpflanzung.
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Wegen Bauarbeiten musste ein großer Baum auf dem Hof des Sankt-Anna-Gymnasiums gefällt werden - der BA fordert jetzt einen Großbaum als Ersatzpflanzung.
  • Kassandra Fischer
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Der Bezirksausschuss ist unzufrieden mit der geplanten Ersatzpflanzung für die gefällte Linde am Sankt-Anna-Gymnasium - jetzt soll der Landtag helfen und einen Großbaum pflanzen.

  • Am Sankt-Anna-Gymnasium musste wegen Bauarbeiten ein großer Baum gefällt werden.
  • Die geplante Ersatzpflanzung ist dem örtlichen Bezirksausschuss zu klein - stattdessen soll ein Großbaum her.
  • Dafür bittet das Viertelgremium jetzt den Bayerischen Landtag um Hilfe.

LEHEL - 18 Meter hoch war die dreistämmige Linde auf dem Schulhof des Sankt-Anna-Gymnasiums. Jetzt ist sie städtischen Bauarbeiten an der Schule zum Opfer gefallen. Der Baumriese mit Stammesumfängen von 160, 135 und 112 Zentimetern stand zwar unter Baumschutz, konnte aber nicht gerettet werden. Schlimm genug – doch was stattdessen geplant ist, reicht dem Bezirksausschuss nicht aus. ­Laut städtischer Verordnung müssen Ersatzpflanzungen, die im Rahmen von Bauverfahren nötig sind, nämlich nur einen Durchmesser von 20 bis 25 Zentimetern haben. „Das ist erschreckend“, erklärt BA-Chefin Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne) gegenüber Hallo.

Baumfällung am Sankt-Anna-Gymnasium: BA fordert Großbaum als Ersatzpflanzung

Bei dem gefällten Baum handelte es sich um eine dreistämmige Linde, deren Stämme je einen Umfang von 160, 135 sowie 112 Zentimeter hatten. Insgesamt ragte der Baum 18 Meter in die Höhe - mit einen Kronendurchmesser von 12 Metern.

Dass Ersatzpflanzungen nicht im Verhältnis stehen oder für zahlreiche Bäume gar nicht erst greifen, sei kein Einzelfall im Viertel. Der Grund: die veraltete Baumschutzverordnung aus dem Jahr 2013. Neue Ideen seien inzwischen gefragt: „Es ist einfach Zeit, die Satzung zu überarbeiten.“ Auf grün-rote Initiative fordert das Gremium deshalb die Stadt auf, genau das noch bis Ende des Jahres zu tun (Kasten). Gleiches gelte auch für die sogenannte Frei­flächengestaltungssatzung, die sogar noch aus den 90er-Jahren stammt.

BA-Chefin Andrea Stadler-Bachmaier.

Ersatzpflanzung im Lehel: Jetzt soll der Bayerische Landtag helfen

Aber zurück zum jüngsten Beispiel im Lehel. Hier hat der BA eine ganz konkrete Forderung: ein Großbaum mit einem Umfang von 70 bis 80 Zentimetern. „Das ist ein großer Aufwand – im Transport und der Pflanzung“, weiß Stadler-Bachmaier. Doch die Viertelpolitiker haben sich bereits etwas überlegt: Sie wollen den Bayerischen Landtag bitten, dafür zu sorgen. Und dafür stehen die Chancen gar nicht schlecht: Da für die neue Treppe auf der Praterinsel zehn Bäume gefällt werden mussten, hieß es seitens des Landtags, dass man mehr Ersatzpflanzungen als gesetzlich vorgeschrieben realisieren wolle – auf dem Grundstück oder in näherer Umgebung. Und da die neuen Bäume im Umfeld der Treppe bereits gepflanzt wurden, sehen die BAler jetzt ihre Chance für den Großbaum rund 700 Meter nordwestlich der Praterinsel. Auf Hallo-Nachfrage heißt es vom Landtag, dass man in engem Kontakt mit dem BA stehe, was die zusätzlichen Pflanzungen betrifft, die zugesagt wurden. „Wir sind offen für die Vorschläge des Bezirksausschusses und warten auf das Protokoll der Sitzung“, so die Sprecherin.

BA-Forderungen

Ab einem Stammumfang von 80 Zentimetern in einem Meter Höhe werden Laub- oder Nadelbäume derzeit von der Stadt als schützenswert erachtet. Der BA fordert jetzt aber, Bäume und Sträucher bereits ab einem Umfang von 60 Zentimetern zu schützen. Auch große Obstbäume sollen künftig stärker berücksichtigt werden.

Bei Ersatzpflanzungen finden die Lokalpolitiker, dass sowohl Alter als auch ökologische Wertigkeit der gefällten Bäume eine größere Rolle spielen sollten – sodass bei Bäumen mit einem großen Stammumfang auch wieder entsprechend große Bäume gepflanzt werden. Seien Ersatzpflanzungen nicht möglich, fordert der BA ausführliche Begründungen sowie höhere Ausgleichszahlungen.

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