Parkplätze oder Grünfläche?

München/Lehel: Ein Kampf um jeden Parkplatz - Anwohner gegen Grünfläche - Bezirksausschuss plant Parkraummanagement

Ulrich Karpf sind Parkplätze in der Adelgundenstraße wichtiger als eine Grünfläche.
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Ulrich Karpf sind Parkplätze in der Adelgundenstraße wichtiger als eine Grünfläche.

München/Lehel: Anwohner wollen verhindern, dass in der Adelgundenstraße Parkplätze für eine Grünfläche weichen. Der Bezirksausschuss plant ein Parkraummanagement. 

  • In der Adelgundenstraße könnten bald Parkplätze zugunsten einer Grünfläche wegfallen - das wollen Anwohner jetzt verhindern.
  • Der Bezirksausschuss plant langfristig ein Parkraummanagement für das gesamte Lehel
  • Ehemaliges BA-Mitglied weist Ex-Kollegen auf Parkplatzproblem hin. 

München/Lehel - Die Parkplatznot im Viertel ist groß – dessen sind sich Ulrich Karpf und Günter Thiemann bewusst. Deshalb ist für die beiden Anwohner der Adelgundenstraße auch klar: Es muss um jeden Parkplatz gekämpft werden. Ganz aktuell geht es dabei um sechs Parkplätze an der Ecke Mannhardt-/Adelgundenstraße. Denn in der Nachbarschaft hat sich eine Gruppe formiert, die dort aus den Parkplätzen eine begrünte Aufenthaltsfläche schaffen möchte – inklusive Einbahnregelung und Straßenverengung (Hallo berichtete).

Parkplätze oder Grünfläche - Anwohner der Adelgundenstraße sind sich nicht einig

Bereits im Januar lag dem BA hierfür ein selbst erstelltes Modell der Anwohner vor. Thiemann und Karpf haben nur durch Zufall von diesen Plänen erfahren und sofort eine Unterschriftenaktion in der Nachbarschaft gestartet. Über 100 Anwohner hätten innerhalb kürzester Zeit darauf unterschrieben und wollen wie die beiden die Parkplätze an der Stelle lieber erhalten. „Es war ein erstaunliches Echo dahin, dass das nicht gut geheißen wird“, so Karpf. Anliegende Firmen hätten die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, andere Anwohner würden befürchten, dass dann regelmäßig ein „Remmidemmi“ auf dem Platz entsteht. 

Anwohner der Adelgundenstraße sind sich derzeit uneinig: eine Gruppierung will an der Stelle eine begrünte Aufenthaltsfläche schaffen, eine andere möchte lieber die Parkplätze erhalten. 

Parken im Lehel: neue Tiefgarage am Thomas-Wimmer-Ring keine Alternative für Anwohner

Für Thiemann steht zudem fest: „Ein kleiner Park an der Stelle ist unsinnig, weil es sich um die Einfahrtstraße für den ganzen Viertelbereich handelt.“ Auch Karpf findet: „Eine Einbahnstraße an der Stelle – das passt nicht.“ Eine Notwendigkeit, an dieser Stelle eine begrünte Aufenthaltsfläche zu schaffen, sieht er ebenfalls nicht: „Es gibt Grünflächen beidseitig der Lukaskirche, wenn man dahinter die Straße quert, kommt die Isar.“ Für die Gegenseite steht fest, dass durch die derzeit entstehende Tiefgarage am Thomas-Wimmer-Ring reichlich Ersatzparkplätze geschaffen werden. Das sieht Karpf jedoch als keine realistische Alternative: „Ich habe dort angefragt, ein Stellplatz soll bis zu 250 Euro im Monat kosten.“ 

Bezirksausschuss  Parkraummanagement für das gesamte Lehel

Andrea Stadler-Bachmaier, BA-Vorsitzende, findet es eine „wunderbare Idee“, an dieser Stelle im Viertel einen kleinen Platz zu schaffen. „Ich verstehe aber auch die andere Seite“, so die Grünen-Politikerin. Der Bezirksausschuss will die Zukunft der Adelgundenstraße bald im Rahmen des geplanten Parkraummanagements im gesamten Lehel behandeln. Hierfür wird sich der BA gemeinsam mit der Verwaltung mit dem Thema auseinandersetzen, um ein neues, übergeordnetes, gesamtheitliches Konzept für das Anwohner- und Mischparken im Viertel zu erarbeiten. Dabei soll es auch zu einer Öffentlichkeitsbeteiligung kommen. „Das wird ein langer Prozess und vermutlich ein paar Jahre dauern“, vermutet Stadler-Bachmaier. Karpf findet es zwar richtig, dass man das Problem als Gesamtes angehen wolle, dennoch befürchtet er, dass die Adelgundenstraße als einzelnes Anliegen darin untergeht. 

Parken, Freischankflächen und Corona: „Hier ist kein Mindestabstand möglich“

Peter Pinck, ehemaliges SPD-Mitglied im Bezirksausschuss, machte seine Ex-Kollegen in der jüngsten BA-Sitzung außerdem auf ein Parkplatzproblem der anderen Art aufmerksam. „An der Ecke Christoph-/Seitzstaße kommt es zu einer Engstelle, wo das Einhalten von Mindestabständen nicht möglich ist“, so Pinck. Der Grund an dieser Stelle sei die Koexistenz einer Freischankfläche sowie mehrerer Parkplätze, von wo aus die Autos regelmäßig in den Gehweg hineinragen. 

Peter Pinck war in der Vergangenenheit selbst im BA aktiv. Jetzt macht er seine Ex-Kollegen als Bürger auf ein Problem im Viertel aufmerksam. 

Pinck, der in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt, wollte deshalb eine Überprüfung der Freischankflächen oder eine mögliche Querpark-Regelung an der Stelle erreichen. Wolfgang Püschel (SPD) schlug alternativ vor, das Problem durch städtische Blumenkästen zu lösen, um so das Hereinragen der Fahrzeuge zu verhindern. Ein Vorschlag, den auch Pinck begrüßen würde. Es soll nun einen internen Ortstermin des Bezirksausschusses geben. Mit der Frage, ob an der Stelle eine kurzfristige Maßnahme nötig ist, wird sich dann der Unterausschuss befassen. 

Auch die Grünen in der Maxvorstadt finden, dass zu schmale oder vollgestellte Gehwege das Einhalten des Mindestabstandes in der Stadt erschweren

Kassandra Fischer

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