Reaktor-Abwässer sollen weiterhin in den Fluss geleitet werden

Im Dienste der Wissenschaft: Wird die Isar radioaktiv verseucht? 

Die Technische Universität München (TUM) beantragt, weiterhin radioaktive Abwässer in die Isar einleiten zu dürfen.
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Die Technische Universität München (TUM) beantragt, weiterhin radioaktive Abwässer in die Isar einleiten zu dürfen.

München – Die Technische Universität betreibt seit Jahren intensive Forschung mit radioaktivem Material und leitet die Abwässer in die Isar – Doch jetzt regt sich Widerstand

Seit 20 Jahren leitet die Technische Universität (TU) schwach radioaktive Abwässer in die Isar. Sie stammen aus dem Forschungsreaktor (FRM II) und vom Institut für Radiochemie (RCM) in Garching. 2019 läuft die Genehmigung dafür aus. Die TU hat die Verlängerung für 30 Jahre beim Landratsamt beantragt.

Dagegen regt sich Widerstand. Die Grünen-Landtagsabgeordneten Markus Büchler und Claudia Köhler rufen die Bürger auf, Einwendungen gegen das Genehmigungsverfahren zu erheben. Dafür stellen sie Mustereinwendungen zur Verfügung, die neun Kritikpunkte versammeln. In einer Stellungnahme versucht die TUM, die Vorwürfe zu entkräften: „Es sind keine ungünstigen Einwirkungen auf die Bevölkerung entlang der Isar sowie Flora und Fauna der Isar infolge der schwach radioaktiven Einleitungen sowie der Vorbelastungen zu erwarten“, heißt es darin etwa. Ein Liter des Abwassers weise maximal 4000 Becquerel auf, ein Kilogramm Kunstdünger 6300.

Auch dass den Antragsunterlagen genaue Aufzeichnungen über die Belastung fehlen würden, lassen die Forscher so nicht stehen: Der FRM II und die Radiochemie seien für 0,33 Prozent der Belastung verantwortlich. Die Kernkraftwerke Isar I und II hingegen für 92,81 Prozent. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der FRM II mit hochangereichertem Uran betrieben werde, was Auflagen widerspreche. Die TU verweist auf die intensive Forschung, um ein anderes Brennelement nutzen zu können. Bis heute gebe es jedoch weltweit keinen Brennstoff, der unter den Belastungsbedingungen des Reaktors einsetzbar wäre.

Die Stadt Garching hat einer Verlängerung für 20 Jahre in der letzten Bauausschuss-Sitzung zugestimmt. Die endgültige Entscheidung hängt aber auch vom Landratsamt ab. Noch bis zum 25. Januar können Bürger ihre Bedenken einbringen. „Jeder einzelne Einwand wird rechtlich und fachlich geprüft“, erklärt Landrats­amt-Sprecherin Christina Walzner. Wie lange dies dauert, sei nicht abzusehen. „Eine realistische Prognose kann erst abgegeben werden, wenn klar ist, wie viele es sind.“

Sebastian Obermeir

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