Bald gar keine Innenhöfe mehr?

Neuer Ärger um Hohenzollernkarree: Bezirksausschuss entschieden gegen geplante Nachverdichtung

Im Hohenzollernkarree ist eine Nachverdichtung geplant – der Innenhof soll bebaut werden.
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Im Hohenzollernkarree ist eine Nachverdichtung geplant – der Innenhof soll bebaut werden.
  • Kassandra Fischer
    vonKassandra Fischer
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Immer mehr Innenhöfe werden in Schwabing-West verdichtet – doch nicht ohne Protest. Der BA stellt sich jetzt entschieden gegen die geplante Nachverdichtung im Hohenzollernkarree.

  • Die Max-Emanuel GmbH wollen den Innenhof des Hohenzollernkarrees bebauen - ein Antrag liegt bereits vor.
  • Der Bezirksausschuss lehnt das Bauvorhaben zum wiederholten Mal ab.
  • Es handelt sich nicht um den einzigen Innenhof eines Gebäudes an der Herzogstraße, auf dem gebaut werden soll.

SCHWABING-WEST Unbebaute Flächen gibt es kaum noch im Viertel, immer öfter werden sogar Hinterhöfe verdichtet – so auch der Plan im „Hohenzollernkarree“. Die Max-Emanuel Immobilien GmbH will dort ein Gebäude mit 35 Wohnungen errichten sowie die bestehende Tiefgarage umbauen. Bereits im Mai 2020 wurde ein Bauantrag gestellt, zurückgezogen und noch einmal überarbeitet. Jetzt liegt der Lokalbaukommission erneut ein Antrag vor, bestätigt Ingo Trömer vom städtischen Planungsreferat. Zusätzlich sind Modernisierungsmaßnahmen (siehe Infobox unten) in dem bereits bestehenden Wohnblock an der Clemens-, Erich-Kästner-, Herzog- und Fallmerayerstraße geplant.

Nachverdichtung in Schwabing: BA lehnt Vorhaben im Hohenzollernkarree ab

Der Bezirksausschuss stellt sich jedoch zum wiederholten Mal entschlossen gegen das Vorhaben – und das trotz des großen Bedarfs an Wohnraum in Münchens dichtbesiedeltstem Viertel. Einem entsprechenden Antrag der Linken-Fraktion stimmte das Gremium in seiner jüngsten Sitzung einstimmig zu. Sorge besteht bei den Lokalpolitikern vor allem darin, dass sich durch das Vorhaben die Zusammensetzung im Stadtviertel verändere. „Wir befürchten, dass das Karree dafür sorgt, dass die Mieten steigen“, erklärt BA-Vorsitzende Gesa Tiedemann (Grüne).

Der Innenhof des Gebäudekomplexes an der Clemens-, Erich-Kästner-, Herzog- und Fallmerayerstraße soll künftig bebaut werden - zum Missfallen der Viertelpolitiker.

Bereits jetzt stünden zahlreiche Wohnungen leer oder würden nur noch befristet vermietet. Die große Angst: Es entstehen Luxuswohnungen. Auch Abfindungsprämien, die speziell an alleinerziehende Frauen und Single-Haushalte gerichtet seien, gebe es BA-Informationen zufolge.

Hohenzollernkarree: Hausverwaltung weist Vorwürfe zurück - Genehmigungsverfahren läuft noch

Dem widersprach die Hausverwaltung Adix jedoch auf Hallo-Nachfrage. „Es wurden alle Mieter angeschrieben“, so Adix. Lediglich wegen der Anzahl der Mieter sei das in Abschnitten hintereinander passiert. Man wolle dadurch den Bewohnern „ein attraktives Angebot machen“, da es während der Modernisierungs- und Baumaßnahmen möglicherweise zu Beeinträchtigungen komme.

Fragen zum Leerstand sowie zu künftigen Mietpreisen wollte die Hausverwaltung nicht beantworten. Es sei allerdings nicht geplant, Wohnungen aufzuteilen und einzeln zu verkaufen. Und: „40 Prozent der neuen Wohnungen sind sozial gebunden.“

Wie es weitergeht, hängt nun von der Entscheidung der Lokalbaukommission ab, aktuell läuft das Baugenehmigungsverfahren noch.

Kampf vor Gericht

Schon 2018 stand die Max-Emanuel Immobilien GmbH in der Kritik als sie wegen der Modernisierungen Mieterhöhungen um bis zu 163 Prozent ankündigte. Die Mieter gewannen 2019 eine Musterfeststellungsklage (Hallo berichtete). Der Eigentümer legte aber Revision ein. Der Bundesgerichtshof verhandelt das Revisonsverfahren am Donnerstag, 18. März, um 10.30 Uhr.  

Trotz zahlreicher Protestaktionen: Acht neue Appartements im Innenhof 

Nur ein paar Häuser weiter gibt es einen weiteren Fall der geplanten Nachverdichtung. Nachbarn der Herzogstraße 84 kämpfen bereits seit 2019 gegen die Bebauung des einst gemeinsam genutzten Innenhofes (Hallo berichtete). Jetzt wurde der über 40-jährige Baumbestand gefällt, zahlreiche Protestaktionen für den Erhalt der kleinen Oase blieben ohne Erfolg: Im Innenhof werden acht Appartements entstehen. Eine neue Innenhofgestaltung mit Spielplatz, Sitzmöglichkeiten und Fahrradabstellplätzen soll das Projekt abrunden. Baubeginn ist im Frühjahr 2021 angedacht.

Ein Vorher-Nachher-Vergleich: Wo bislang ein großer Baum stand, wird bald ein Gebäude sein.

Helmut Genswein, Geschäftsführer der WohnbauWürmtal GmbH hat wenig Verständnis für die Proteste. Es werde Ersatzpflanzungen sowie Schutzmaßnahmen für Vögel und Fledermäuse geben, versichert er gegenüber Hallo. Auch der Efeu an der linken Wandseite werde größtenteils erhalten. Der Neubau bekomme zudem ein Grasdach auf dem Stadtbienen ihr neues Zuhause finden werden. Nachbarin Bettina Schopis sieht das Projekt dennoch kritisch – ihre Aussicht geht gen Innenhof. Wo vorher ein riesiger Baum stand, herrscht jetzt gähnende Leere. „Das große Problem ist die Temperatur im Sommer. Die Kühlwirkung der Bäume gibt es nicht mehr. Und das neue Gebäude erhitzt sich zusätzlich.“

BA Schwabing-West: Dann tagt das Viertelgremium zum nächsten Mal

Themen wie diese landen immer wieder auf der Tagesordnung der örtlichen Viertelgremiums. Das nächste Mal trifft sich der BA Schwabing-West am Mittwoch, 10. Februar, als verkleinerter Sonderausschuss in der Aula der Berufsschule am Elisabethplatz 4. Beginn der Sitzung ist um 19.30 Uhr. Es gilt eine Maskenpflicht.

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