Neue Räumlichkeiten gesucht

Traditionsgeschäft vor dem Aus? – das Antiquariat Kitzinger verlässt nach 128 Jahren die Schellingstraße

Bernhard Kitzinger vor der denkmalgeschützten Fassade seines Geschäfts in der Schellingstraße.
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Antiquar Bernhard Kitzinger vor der denkmalgeschützten Fassade seines Geschäfts in der Schellingstraße. Den Familienbetrieb gibt es dort bereits seit 1892.

Kurz vor seinem 130 jährigen Jubiläum muss das Traditionsgeschäft aus der Schellingstraße ausziehen. Wie es nun weitergeht und was Antiquar Bernhard Kitzinger dazu sagt...

  • Das Antiquariat Kitzinger wird bald 130 Jahre alt.
  • Nun muss das Traditionsgeschäft aus der Schellingstraße 25 ausziehen.
  • Das sagt Inhaber Bernhard Kitzinger dazu...

Maxvorstadt – Seit bald 130 Jahren versorgt das Antiquariat Kitzinger seine Stammkunden in der Schellingstraße 25 mit gebrauchten Büchern.

Das Jubiläum des Traditionsgeschäfts, das seit 1892 im Familienbesitz ist, wird Inhaber Bernhard Kitzinger jedoch nicht mehr in dem Gebäude mit der denkmalgeschützten Holzfassade feiern können. Ende 2021 – nur kurz vor dem 130-jährigen Bestehen – muss er seinen Laden verlassen. Wie es danach weitergeht: ungewiss.

Anfang des Jahres bekam Kitzinger ein Schreiben, dass ein Antrag auf Abriss und Neubau genehmigt wurde. Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats bestätigt: „Es gibt einen überwiegend positiven Vorbescheid für den Neubau eines Wohn- und Geschäftsgebäudes mit Tiefgarage, der die Schellingstraße 25, 27 sowie die Türkenstraße 66 umfasst.“ Lediglich die Fassade von Kitzingers Laden müsse als geschütztes Einzeldenkmal erhalten bleiben.

Kein einfacher Schritt für den Antiquar

„Eigentlich wäre mein Mietvertrag noch länger gelaufen. Diesen Sommer gab es allerdings eine Einigung zwischen dem Investor und uns Hausbewohnern“, erklärt Kitzinger seinen verfrühten Abschied. Nach dem Tod des alten Hausherren, mit dem der Vertrag ursprünglich geschlossen wurde, hat die Omega AG das Gebäude 2017 gekauft.

Seither standen Mieterhöhungen im Raum, mögliche Bauarbeiter wurden im Haus einquartiert. Für konkrete Informationen zum Bauprojekt wollte Omega bis Redaktionsschluss kein Statement abgeben.

Details zum Deal darf Kitzinger nicht nennen. Und obwohl er diesem zugestimmt hat, merkt man ihm deutlich an: Der Schritt war kein Einfacher. „Es ist schade, ich bin in der Wohnung im ersten Stock aufgewachsen“, so der 61-Jährige.

Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass ich hier bleiben kann.

Bernhard Kitzinger

Aufhören will er eigentlich noch nicht, denn „er brauche die Arbeit einfach“. Einen Laden in der Nähe zu finden, sei allerdings schwierig. Vor allem die Lage nahe der Uni sei für sein Geschäft wichtig. „Ich hoffe, dass ich hier auch wieder etwas finde“, so der Antiquar.

Künftig nur noch online zu verkaufen, kann er sich nicht vorstellen. „Das ist etwas, was ich nicht machen möchte, aber vielleicht machen muss“, so Kitzinger.

Wenn er leere Ladenflächen in der Stadt sieht, überlege er jedes Mal, ob das etwas für ihn und seine zwei festen Mitarbeiter wäre. Das heimatliche Elternhaus und die prominente Fassade – vor der Touristen auch gerne einmal für ein Selfie pausieren – wird es zwar nicht ersetzen.

Für Kitzinger wäre eine neue Ladenfläche in der Nähe dennoch eine Möglichkeit, Stammkunden, die jedes Jahr extra aus Japan kommen, zu halten oder weiterhin mit dem Radl die Uni und die „Stabi“ zu beliefern. Findet er nichts, stirbt ein Traditionsgeschäft in der Maxvorstadt. 

Kassandra Fischer

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