Stellenabbau, Umsatzeinbrüche und Hoffnung

Wirte in München-Mitte ziehen Bilanz ‒ wegen Corona-Lockdown fehlen bis zu 97 Prozent des Umsatzes!

Die Pforten vom Ratskeller bleiben wegen des verlängerten Lockdowns weiterhin geschlossen.
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Die Pforten vom Ratskeller bleiben wegen des verlängerten Lockdowns weiterhin geschlossen.

Der verlängerte Lockdown ist für die Gastro-Branche fatal, das gesamte Adventsgeschäft fällt flach. Münchner Wirte geben Einblicke, wie sehr das schmerzt.

  • Wirtshäuser, Restaurants und Cafés bleiben weiter zugesperrt – so verlangt es der verlängerte Lockdown.
  • Für die Münchner Gastro-Branche ist das fatal, das gesamte Adventsgeschäft fällt dadurch flach.
  • Die Wirte vom Ratskeller, dem Wintergarten am Elisabethplatz und der Pizzeria „Bei Mario“ ziehen Bilanz.

München-Mitte - Aus dem November-Lockdown wurde mittlerweile ein Dezember-Lockdown. Heißt für Münchner Gastronomen: Das Adventsgeschäft fällt flach. „Für uns ist das normalerweise, wie für die meisten Betriebe, die Rettung in die sicheren schwarzen Zahlen“, erklärt Ratskellerwirt Peter Wieser auf Hallo-Nachfrage.

München: Das Leiden der Wirte - Ratskeller von massivem Stellenabbau betroffen

Das Traditions-Wirtshaus am Münchner Marienplatz hatte vor Corona 182 Beschäftigte. Jetzt sind es nur noch 140 – sprich jeder Vierte ist weg. Manche davon seien automatisch oder freiwillig in den Ruhe- oder Vorruhestand gegangen. Befristete Mitarbeiter habe man „gehen lassen“ müssen. Wieser bedauert das sehr. „Gerade in den vergangenen zwei Jahren konnten wir sehr gute Mitarbeiter gewinnen, die wir gerne behalten hätten.“ Dass es rasch zu entsprechenden Wiederbeschäftigungen kommt, bezweifelt er aktuell. „Erst müssen wir auf unsere Stamm-Mitarbeiter schauen.“

Ratskeller-Wirt Peter Wieser

Pizzeria „Bei Mario“: 12 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Auch das „Bei Mario“ musste bei seinen Angestellten deutlich herunterfahren. Eigentlich gibt es 15 Angestellte in der Pizzeria an der Adalbertstraße, aktuell stemme man das Geschäft zu dritt. Junior-Chefin Marie-Lisa Gargiulo berichtet: „Die anderen zwölf befinden sich in Kurzarbeit.“ Derzeit bietet Gargiulo lediglich einen Straßenverkauf an. Liefern lohne sich für sie nicht. „Das machen gerade so viele.“ Der Radius, damit das Essen noch warm ankommt, müsste außerdem sehr klein gehalten werden. „Ansonsten ist die Qualität nicht mehr dieselbe und das fällt wieder auf uns zurück“, weiß die Wirtin. Und so kommen aktuell die Bewohner aus dem Viertel zum Restaurant und holen ihr bestelltes Essen selbst ab. Die Junior-Chefin zeigt sich dankbar: „Man merkt, dass die Leute unterstützen wollen.“ Und dennoch: Der aktuelle Umsatz beträgt weniger als ein Viertel von dem, was man im Vorjahr hatte. Der Dezember ist für die Pizzeria in der Maxvorstadt normalerweise einer der besten Monate. Gargiulo: „Wir werden monatelang arbeiten müssen, um das wieder reinzuholen.“

Marie-Lisa Gargiulo betreibt das „Bei Mario“ in der Adalbertstraße.

München: Lockdown führt zu Umsatzeinbrüchen - „Verlust von 97 Prozent“

Auch für Wieser bleibt derzeit nur das Mitnahmegeschäft. Am Ratskeller-Eingang an der Dienerstraße gibt es einen Stand mit Suppen to-go. Hierdurch wolle man vor allem die Azubis beschäftigen. „Je nach Wochentag macht das circa ein bis 1,5 Prozent des normalen Adventsumsatzes aus.“ Zusätzlich liefert er Corona-bedingt jetzt auch Wein – was täglich etwa zwei Prozent vom Umsatz ausmache. „Im Großen und Ganzen kann man sagen: ein Umsatzverlust von 97 Prozent.“ Normalerweise bewirtet der Ratskeller in der Adventszeit auch viele Touristen, heuer bangt man um die Stammkunden: „Wir hoffen, dass sich unsere Gäste nicht entfremden und sich an zu Hause gewöhnen“, so Wieser.

Wintergarten im Elisabethplatz: Schwabinger Wirt hat zugesperrt

Angst um seine Stammkunden hat auch Ignaz Schmid, Betreiber des Wintergartens am Elisabethplatz. „Im Winter kommen zu 80 Prozent Stammgäste zu uns“, so der Schwabinger Wirt. Im Gegensatz zum Ratskeller und „Bei Mario“ hat Schmid seinen Betrieb vorerst komplett eingestellt. Zum Mitnehmen bietet er aktuell nichts an, das würde für ihn einfach keinen Sinn machen. Der Wintergarten sei mehr wie ein Wohnzimmer. Die Leute kommen, um sich zu treffen, zu ratschen und etwas zu trinken. „Wir müssen das jetzt aussitzen und warten. Es herrscht ein Stillstand und wir können nicht viel machen.“ Schwierig werde es vor allem dann, wenn die liquiden Mittel eng werden. Aktuell denke man im Wintergarten aber nicht ans Aufgeben. Während Schmid auf die beantragten finanzielle Hilfen wartet, nutzt er die Zeit zum Aufräumen, Streichen, Entrümpeln – und was sonst so anfällt. „Aber natürlich nur in einem kleinen Rahmen, ich kann jetzt keine großen Sprünge machen.“

Hoffnung auf 2021: Münchner Wirte bleiben optimistisch

Dass die Einschränkungen in der Gastronomie über den Advent verlängert wurde, war für die Wirte keine große Überraschung. „Trotz Lockdown ist die Stimmung grundsätzlich gut“, betont Wieser dennoch. Und auch Gargiulo zeigt sich optimistisch: „Wir machen jetzt das Beste daraus.“ Und trotzdem hofft man dort, wie überall sonst auch, „dass es ab Januar oder Februar dann endlich wieder normal losgeht.“

Auch in anderen Vierteln leiden Gastronomen unter dem verlängerten Corona-Lockdown. So geht es Restaurant und Gaststätten in Neuhausen-Nymphenburg, Obermenzing-Untermenzing und im Westen.

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