Pro und Contra: Debatte in Hallo

Corona-Impfungen: Ein Pieks für alle?

Noch fehlt ein Impfstoff gegen Covid-19, heftig darüber diskutiert wird aber schon jetzt.
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Noch fehlt ein Impfstoff gegen Covid-19, heftig darüber diskutiert wird aber schon jetzt.

Einen Gesetzesentwurf gibt es zwar nicht - trotzdem ist eine Corona-Impfung in aller Munde. Was eine Medizin-Ethikerin und Ärzte aus München davon halten...

  • Heftige Diskussionen um eine mögliche Corona-Impfpflicht
  • Deutscher Ethikrat debattiert Immunitätsausweis - mit dabei ist auch TUM-Professorin Alena Buyx
  • Münchner Ärzte haben Pro- und Contra-Argumente zusammengetragen

Ministerpräsident Markus Söder ist sich sicher: „Wenn ein Impfstoff vorliegt: Ich werde mich impfen lassen.“ Offiziell diskutiert wurde eine Corona-Impfpflicht bisher zwar nicht – auch nicht bei der jüngsten Bundestagsdebatte über einen neuen Gesetzesentwurf zum Schutz der Bevölkerung. In aller Munde ist eine Zwangsimpfung in München dennoch.

Expertin Buyx: "Aus ethischer Sicht besser keine Verpflichtung" 

„Aus ethischer Sicht ist es besser, wenn es keine Verpflichtung gibt“, sagt Professor Alena BuyxDirektorin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Technischen Universität München. „Zwang hat den Nachteil, dass er bei manchen zu Trotzreaktionen führen kann und soziale Probleme aufwirft – etwa wenn ein Verstoß Strafen nach sich zieht“, so das Mitglied des Deutschen Ethikrats

Alena Buyx, Direktorin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der TUM, darf als Mitglied des Deutschen Ethikrats mit über das Thema Immunitätsausweis debattieren.

Bisher stelle sich die Frage nach einer Corona-Impfpflicht aber nicht akut, „weil nicht klar ist, wann wir einen Impfstoff bekommen“. Buyx glaubt, dass sich zudem die meisten Menschen freiwillig impfen lassen wollen. 

Dennoch beschäftigt sich der Ethikrat aktuell mit Corona: Das Gesundheitsministerium hat das Gremium um eine Stellungnahme zu Immunitätsausweisen für Genesene gebeten. 

Stellungnahme des Ethikrats zu Immunitätsausweis frühestens im Sommer

Da sich der Ethikrat erst Ende Mai neu konstituiert, wird bisher nur sondiert. „Wir werden uns aber bemühen, jetzt schnell eine Einschätzung zu geben“, verspricht Buyx. „Das ist auch wichtig, weil die Frage nach dem Umgang mit Genesenen natürlich immer wichtiger wird.“ 

Im Normalfall kann es über ein Jahr dauern, bis der Ethikrat ein Urteil fällt.

Münchner Arzt zu Corona-Impfung: Das spricht für eine Pflicht

Dr. Markus Frühwein, Allgemein­-, Reise und Tropenmediziner mit Schwerpunkt Impfungen aus der Münchner Altstadt: 

Dr. Markus Frühwein ist Allgemein- und Reisemediziner aus der Münchner Altstadt und spricht sich für eine selektive Impfpflicht aus.

"Grundvoraussetzung für eine Impfpflicht ist ein sicherer und wirksamer Impfstoff gegen Covid­­­19, der am besten eine Verbreitung unterbindet und einen langanhaltenden Schutz verspricht.

Inzwischen sollte jeder verstanden haben, welches Risiko für den Einzelnen und sein Umfeld von Infektionskrankheiten ausgeht und es nicht nur um Selbstschutz, sondern auch um das Umfeld, Freunde und Familie geht. Ich halte eine Pflichtregelung wie bei der Masern-Impfpflicht für sinnvoll – also eine selektive Impfpflicht

Egal ob Ärzte, medizinische Fachangestellte, Erzieher, Lehrer: Jeder, der in einer Berufsgruppe arbeitet, in der er Verantwortung für andere übernimmt, kann ohne einen sicheren Schutz gegen Covid-19 seinem Beruf nicht nachgehen, ohne andere zu gefährden.

Patienten und Eltern haben ein Recht darauf, dass sie und ihre Kinder bestmöglich vor Covid-19 und anderen Infektionserkrankungen geschützt sind. Dass Vernunft nicht ausreicht, damit sich jeder in den betroffenen Gruppen impfen lässt, zeigen unzureichende Durchimpfungsraten für Influenza bei medizinischem Personal. Ich könnte mir auch hier eine selektive Impfpflicht vorstellen.

Wer andere durch eine Impfung schützt, zeigt Solidarität gegenüber seinen Mitmenschen. Wer sich nicht impfen lässt, verhält sich einfach unsozial."

Münchner Arzt zu Corona-Impfung: Das spricht gegen eine Pflicht

Dr. Martin Hirte, Kinderarzt und Autor mehrerer Impf-Bücher aus der Münchner Altstadt:

Der Münchner Kinderarzt Dr. Martin Hirte hat mehrere Bücher zum Thema Impfungen geschrieben.

"Die offizielle Pandemie-Politik macht die Wiederherstellung der Grundrechte von der Einführung eines SARS-CoV2-Impfstoffs abhängig. Manche Politiker reden sogar von einer Impfpflicht.

Es ist aber nicht sicher, ob es jemals einen SARS-CoV2-Impfstoff geben wird: Es fehlen verlässliche Antikörpertests zur Beurteilung der Wirksamkeit und es gibt Probleme mit der Sicherheit. Viele Impfstoffkandidaten scheiterten an schweren autoimmunen Nebenwirkungen.

Nun wird an riskanten neuartigen Technologien geforscht: Boten-RNA oder „Genfähren“, die in menschliche Zellen eingeschleust werden und diese zu Fabriken von Impf-Eiweiß umfunktionieren.

Das macht große Placebo-Studien mit langfristiger Beobachtung der Probanden unerlässlich. Die Entwicklung und Zulassung an den etablierten Sicherheitsstandards vorbei („fast-track“) ist unverantwortlich, ebenso wie jede Empfehlung zu einer solchen Impfung.

Eine Impfpflicht verbietet sich von vorneherein, weil ein großer Teil der Bevölkerung bereits gegen SARS-CoV2 immun ist. Millionen Menschen würde man völlig unnötig einem Impf-Risiko aussetzen.

Impfzwang bricht zudem das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Vertrauen entsteht nur durch eine freie, selbstbestimmte Impfentscheidung nach bestmöglicher Information. Das Nutzen-­Risiko-Verhältnis muss bei allen Impfstoffen kontinuierlich überprüft und diskutiert werden. 

Bis ein gut geprüfter Impfstoff kommt, ist die Corona-Pandemie Geschichte. Das weitere Aussetzen der Grundrechte bedeutet eine Beschädigung der Demokratie."

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