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Bürgerversammlung Schwabing-West: Angst vor Verdrängung domiert in diesem Jahr

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Von: Kassandra Fischer

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Joachim Fette und Sarah Friedrich sind in S
orge um den eigenen Wohn- und Erholungsraum in verschiedenen Ecken von Schwabing-West.
Joachim Fette und Sarah Friedrich sind in Sorge um den eigenen Wohn- und Erholungsraum in verschiedenen Ecken von Schwabing-West. © Burwitz

Sie wollen bleiben: Bei der Bürgerversammlung für Schwabing-West stand die Angst vor Verdrängung durch Nachverdichtung und hohe Mieten im Fokus.

Schwabing-West - Ob die geplante Nachverdichtung vor der eigenen Haustür oder eine befürchtete Mietkostenexplosion nach Luxussanierungen – die Angst vor Verdrängung ist real. Zahlreiche Schwabinger fürchten derzeit um ihr Zuhause. Das hat vor allem die jüngste Bürgerversammlung gezeigt, bei der emotionale Beiträge zum Thema Wohnen dominierten.

Bürgerversammlung Schwabing-West: Angst vor Nachverdichtung und Mietkostenexplosion

So sprach Christian Michl stellvertretend für die Mietergemeinschaft am Luitpoldpark. Der gut 90 Parteien große Wohnkomplex zwischen Karl-Theodor-, Schleißheimer, Brunner- und Bechsteinstraße wurde jüngst an das Unternehmen „Auer Holding“ verkauft. Nun herrsche in der ganzen Nachbarschaft Angst vor Mieterhöhung und Umwandlung in Eigentum, berichtete Michl. „Wir wollen nicht raus aus dem Viertel oder raus aus der Stadt.“

Besonders dramatisch sei die Situation für Bewohner, die den Großteil ihres Lebens dort verbracht hätten. So lebe unter ihm ein 96-jähriger Nachbar – und das schon seit 66 Jahren. Michls Forderung des Abends: Die Stadt soll sich mehr für den Mieterschutz einsetzen. Zudem brauche es wieder die Möglichkeit des städtischen Vorkaufsrechts. Hierfür muss aber der Bund die Voraussetzungen schaffen.

Christian Michl fordert mehr Mieterschutz von Seiten der Stadt.
Christian Michl fordert mehr Mieterschutz von Seiten der Stadt. © Kassandra Fischer

Nur 800 Meter Luftlinie gen Westen bangen die Mieter der Degenfeldstraße 10 bis 14, Ansprengerstraße 25, Karl-Theodor-Straße 63 bis 69 sowie Unertlstraße 21 bis 23. Dort soll nachverdichtet werden und zwar in Form von zwei sechsgeschossigen Wohngebäuden. Die Folge: Rund 1000 Quadratmeter Grünfläche sowie Erholungs- und Spielflächen sollen versiegelt, über 20 Bäume gefällt und zig Meter Hecke vernichtet werden.

Die Anwohner Joachim Fette und Sarah Friedrich positionierten sich gegen das geplante Vorhaben und für den Schutz der Bäume. Rechtlich scheint das Thema jedoch bereits entschieden. Die Anträge dürften ins Leere laufen, gab Cornelius Mager, Chef der Münchner Lokalbaukommission, bekannt. Der Vorbescheid sei genehmigt, es werde vorhandenes Baurecht ausgeübt. Als er in Erinnerung rief, dass es sich inzwischen um eine abgespeckte Variante handele – ursprünglich war eine Blockrandbebauung sowie ein Baukörper im Inneren des Hofs geplant – spendete das den Betroffenen wenig Trost.

Bürgerversammlung Schwabing-West: Anwohner bangen um Wohn- und Erholungsräume

Ein weiterer Antrag zum Thema: Peter Teichreber forderte, dass die Erhaltungssatzung Hohenzollernstraße, die zum 1. Januar 2023 ausläuft, unbefristet verlängert und in Richtung Westen bis zur Straßenmitte der Schleißheimer, im Norden bis zur Straßenmitte Clemensstraße ausgeweitet wird. Die Hoffnung: dadurch vor Verdrängung geschützt zu werden.

Denn auch ihm und seinen Nachbarn an der Farinellistraße 8 bis 12 sowie Friedrich-Loy-Straße 1 bereiten akute Sanierungen derzeit Zukunftsängste. Allumfassender forderte hingegen ein anderer Schwabinger, gleich das ganze Stadtgebiet durch eine Erhaltungssatzung zu schützen. „Wir müssen uns dafür einsetzen, dass Wohnen Menschenrecht bleibt“, appellierte er.

Auch an der Farinellistraße bangen die Anwohner um Wohn- und Erholungsräume.
Auch an der Farinellistraße bangen die Anwohner um Wohn- und Erholungsräume. © Kassandra Fischer

Ein Antrag zum sogenannten Literatenhaus an der Agnesstraße 48 rief in Erinnerung, dass dort schon längst alle Mieter vertrieben wurden. Die Forderung dazu lautete: Das Gebäude soll schnellstmöglich wieder bewohnbar gemacht werden, die Handlungen des Investors hingegen überprüft werden. Sehr konkret, jedoch deutlich schwieriger in der Umsetzung forderte eine Schwabingerin, einfach alle Mieterhöhungen in der gesamten Stadt für zehn Jahre zu verbieten.

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