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Kita der Berufsoberschule in München von Schließung bedroht ‒ Verzweifelte Suche nach Personal

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Von: Kassandra Fischer

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Die Kita für Schüler der BOS in München ist wegen Personalmangel von der Schließung bedroht.
Die Kita für Schüler der BOS in München ist wegen Personalmangel von Schließung bedroht. © Kassandra Fischer

Sie ist eine Einrichtung mit „enorm wichtigem Auftrag“ in München: Die Kita für Schüler der Berufsoberschule BOS ist wegen Personalmangel von der Schließung bedroht. 

„Wir sind total verzweifelt“, sagt Miri Köbner-Hallmen (36). „Seit Monaten suchen wir Personal, können aber niemanden finden.“ Ihr einjähriger Sohn Levi hat aktuell einen Betreuungsplatz in der „BOS Kindergruppe“ (kurz für städtische Berufsoberschule).

Wenn allerdings nicht schnell Erzieher gefunden werden, droht die Schließung. Besonders drastisch daran: Die Einrichtung verfolgt das Ziel, vor allem Eltern, die sich für einen zweiten Bildungsweg entschieden haben, zu unterstützen und ist deshalb an die BOS an der Brienner Straße angegliedert und auch auf dem Schulgelände ansässig.

BOS-Kita in München wegen Personalmangel von Schließung bedroht

Schüler und Lehrer erhalten bevorzugt einen Platz. „Diese Kita hat einen enorm wichtigen Auftrag. Sie schafft Chancengleichheit und Integration in den Arbeitsmarkt – vor allem für junge Frauen“, betont Köbner-Hallmen.

Levi (1) besucht die „BOS Kindergruppe“ in der Maxvorstadt. Seine Mutter Miri Köbner-Hallmen sorgt sich derzeit um deren Zukunft. Grund ist ein akuter Personalmangel.
Levi (1) besucht die „BOS Kindergruppe“ in der Maxvorstadt. Seine Mutter Miri Köbner-Hallmen sorgt sich derzeit um deren Zukunft. Grund ist ein akuter Personalmangel. © Kassandra Fischer

Die Situation habe sich während der Pandemie zugespitzt. Eine Betreuerin sei wegen eines Burnouts langfristig ausgefallen, eine andere erholte sich lange nicht von ihrer Covid-Infektion und entschied schließlich, den Beruf zu wechseln.

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Derzeit stemmt die langjährige Leiterin Marcela Kral den Großteil der Betreuung der zwölf Kinder. Die 57-Jährige arbeitet seit September 1994 in der Einrichtung, die es inzwischen knapp 35 Jahre gibt.

Eine Werkstudentin unterstützt an 16 Wochenstunden. Die restliche Zeit helfen die Eltern selbst abwechselnd tageweise aus. „Das ist aber keine Lösung“, betont Kral. „Bis Ende des Jahres müssen wir eine Fachkraft finden, sonst erfüllen wir den Betreuungsschlüssel nicht und müssen schließen.“ Das wäre besonders schade, da die neu gebauten Räumlichkeiten mit Garten erst 2021 fertiggestellt wurden.

Schwache Resonanz auf Stellenausschreibungen

Dringend benötigt werde eine Erzieherin in Vollzeit und eine Ergänzungskraft. „Eine Aushilfe wäre toll – würde uns aber nur bis Ende des Jahres helfen.“

Wichtig sei es, dass es zu den Kernzeiten drei Betreuer gebe. Stellenausschreibungen dafür habe man bereits über alle Kanäle versucht, sagt Kral. „Aber die Resonanz war nicht besonders stark“, bedauert sie.

Beinahe alle der Bewerber seien dann auch noch abgesprungen, von einigen hätte sie einfach gar nichts mehr gehört.

Woran das liegt, weiß Kral nicht. Ihre Vermutung: Da überall nach Betreuungspersonal gesucht werde, können sich Bewerber es derzeit aussuchen.

400 Fachkraft-, 100 Ergänzungskraftstellen unbesetzt

Dass der Personalmangel „die zentrale Herausforderung für alle Träger“ sei und sich „die Situation im letzten Jahr noch einmal weiter verschärft“ habe, bestätigt auch Andreas Haas, Sprecher des Referats für Bildung und Sport. „In den Kindertageseinrichtungen des städtischen Trägers, was etwa 450 der 1450 Einrichtungen entspricht, sind aktuell rund 400 Fachkraftstellen sowie knapp 100 Stellen für Ergänzungskräfte unbesetzt.“

Zum aktuellen Hilferuf der BOS Kindergruppe betont er: „Auch uns ist es natürlich ein Anliegen, das Kinder von Schülern der städtischen Berufsoberschule dort Betreuungsplätze finden.“

Eine konkrete Unterstützung sei jedoch schwierig. Er erklärt: „Da das städtisches Erziehungspersonal im Rahmen des Ausfallmanagement uneingeschränkt zur Sicherung des Betriebs für städtische Kindertageseinrichtungen zur Verfügung stehen muss, können alle privaten Träger ausschließlich auf ihr eigenes Ausfallmanagement bauen.“

Für Kral und die betroffenen Eltern der „BOS Kindergruppe“ bedeutet das also erst einmal weiter auf ihre Notlösung zu setzen. Mit Blick auf die ungewisse Zukunft sagt die Leiterin, die derzeit Herzblut investiert: „Ich möchte bei den Kindern bleiben.“

Sich Sorgen um ihre eigene Zukunft zu machen, dazu komme sie gar nicht. „Es ist viel zu turbulent hier.“ Sie sorgt sich vor allem um die Eltern, alle komplett berufstätig und angewiesen auf die Existenz der Gruppe. Ihren Optimismus hat sie noch nicht aufgegeben. Eine neue Bewerberin gebe es derzeit. „Vielleicht klappt das ja“, sagt sie hoffnungsvoll.

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