Experten sprechen in Hallo

Bier ohne heimische Braugerste? – So wirken sich die frühlingshaften Temperaturen auf München aus

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Bewahrheiten sich die Prognosen, könnte vor allem die Braugerste unter der Dürre leiden.

Münchner Bauern spüren den Klimawandel nur allzu deutlich. Durch die trockene Hitze leiden ihre Anbauten extrem.  Experten berichten in Hallo, wie sich die warmen Temperaturen vor allem auch auf die heimische Braugerste auswirken...

München – Brütende Hitze, trockene Dürre und eine extreme Wetterlage – damit muss München heuer rechnen, wie mehrere Medien berichteten, die sich auf Prognosen eines britischen Wetterdienstes berufen. Eine Hiobsbotschaft für die Münchner Bauern. „Ohne Wasser kann etwa Braugerste natürlich gar nicht wachsen“, sagt etwa Johann Welsch, der in Daglfing für heimische Brauereien Gerste anbaut. 

Seit Jahren spürt der Landwirt den Klimawandel nur allzu deutlich: „Seit gut fünf Jahren ist die Sonne so aggressiv, dass die Gerste eine Art Sonnenbrand bekommt“, berichtet er. „Wenn man den Brand auf den Blättern sieht, ist es eigentlich schon zu spät.“ Bislang gab es ein Pflanzenmittel, das die Gerste vor dem Blattbrand schützen konnte. 

Doch seit diesem Jahr ist der Wirkstoff verboten. „Das werden wir natürlich spüren“, sagt Welsch, der etwa die Augustiner-Brauerei beliefert. Anlass zur Sorge ist das zumindest für Biertrinker aber nicht. „Genug Bier kann trotzdem produziert werden“, erklärt der Landwirt. Denn die großen Brauereien sichern sich demnach schon länger ab, indem sie ihre Gerste auch aus anderen Regionen beziehen. Nur enthalte das Münchner Bier dann eben weniger heimische Gerste. 

„Die Tulpen spitzen schon zehn Zentimeter aus der Erde“

„Normal ist das alles nicht“, sagt auch Martin Wiesheu, der einige Kilometer weiter in Oberföhring in dritter Generation Landwirtschaft betreibt. „Die Tulpen spitzen schon zehn Zentimeter aus der Erde, das war früher erst später.“ 

Er baut neben Gerste auch Mais, Getreide und Kartoffeln an. Seine Ernte litt bereits 2018 und 2019 unter der Dürre. „Wenn es im Mai und im Juni nicht regnet, haben wir bis zu 50 Prozent Einbußen“, sagt er. Den Mais, den Wiesheu für seine Biogasanlage benötigt, kann er nicht durch andere Sorten ersetzen. Obwohl Gärtnereien demnach schon daran arbeiten, Sorten zu züchten, die immer widerstandsfähiger gegen Trockenheit werden. 

„Wenn es im Mai und im Juni nicht regnet, haben wir bis zu 50 Prozent Einbußen“, sagt Martin Wiesheu

Die Bogenhauser trifft es nicht mal am schlimmsten. „Wir im Nordosten Münchens haben noch Glück, weil der Grundwasserspiegel bei uns höher ist“, sagt Wiesheu. Im Südosten hingegen, Richtung Haar, mussten laut dem Landwirt einige Bauern die Kartoffel-Äcker schon bewässern – um die Qualität der Ernte zu sichern. 

Dort, im Südosten Münchens, hat das Referat für Gesundheit und Umwelt im vergangenen Dezember den niedrigsten Stand des Grundwasserpegels der gesamten vergangenen 15 Jahre gemessen. Sollte sich das Klima weiter verändern, sei mit weiteren Schwankungen im Grundwasserspiegel zu rechnen. 

Ab 2050 keinen Schnee mehr in München

Nicht nur aufs Grundwasser, auch auf die Pflanzen wirkt sich die ausbleibende Winterfeuchtigkeit aus. „Ungeziefer wie Schnecken oder Blattläuse überleben dann den Winter“, sagt Wiesheu. Die trockenen Pflanzen hingegen seien geschwächt und könnten Schädlinge ohnehin noch schlechter abwehren. Meteorologe Lothar Bock vom Deutschen Wetterdienst warnt vor Langzeitprognosen: „Die stimmen nicht immer und sind nicht seriös“, sagt er skeptisch. 

Fest steht allerdings auch für ihn: „Die Temperaturen steigen eindeutig, die Zahl der Eistage unter null Grad sinkt, die der warmen Tage mit Temperaturen über 25 Grad steigt.“ Und: Hochrechnungen zufolge soll es ab 2050 keinen Schnee mehr in München geben. „Dann schneit’s nur noch in den Bergen“, sagt er.

Hanni Kinadeter

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