"Mein Sechser im Lotto"

Florian Gallenberger

2001 für Furore in Hollywood – mit seinem Kurzfilm „Quiero Ser“. „Dieser Film war mein Sechser im Lotto“, freut sich der gebürtige Münchner. Doch mit dem Oscar kam auch der Erwartungsdruck: 2004 stellte der Absolvent der Münchner Filmhochschule „Schatten der Zeit“ vor – sein erster Spielfilm wurde zwar mehrfach für den Deutschen Filmpreis nominiert, fiel aber an den Kinokassen durch. Für Gallenberger eine schwierge Erfahrung: „Ein Flop nach einem Oscar ist in Deutschland die Einladung zur Schadenfreude“, musste der Regisseur feststellen. Doch dann verliebte er sich erneut in spektakuläres Filmmaterial: die wahre Geschichte des NSDAP-Mitglieds John Rabe, dem „Oskar Schindler Asiens“, der 1937 in der chinesischen Hauptstadt Nanking 250 000 Menschen vor den Angriffen der Japaner gerettet hat. Ulrich Tukur, Daniel Brühl und Steve Buscemi spielen in dem Film mit, der jetzt in München anläuft und Gallenberger endlich auch den kommerziellen Durchbruch bringen soll. Das nächste Projekt für den Oscar-Preisträger? „Jetzt hab ich vier Jahre an John Rabe gearbeitet, diesen Moment will ich genießen und abwarten“, betont Gallenberger. „Das Wort Glück kommt ja etymologisch von Lücke..." Maren Heußler Anfänger... ist man bei jedem Film immer wieder. Bayern: Umso mehr ich weg bin, desto lieber ist mir die Gegend. Das spezielle Grün des Grases löst in mir ein beruhigendes Gefühl aus. China: Faszinierend und verstörend. Ein Land in einer so unglaublichen Wandlung, dass man Angst bekommt, was dabei rauskommen wird, und gleichzeitig fasziniert ist, was entsteht. Diva: Diven sind meistens Leute, die was kompensieren müssen. Das kann ich nur schwer aushalten, da bin ich allergisch. Mit Schauspielern, die wirklich was können und mit Herzblut dabei sind, hat man fast nie ein Diven-Problem. Ehe: Seit ich mit meiner Frau verheiratet bin, gibt es mehr Möglichkeiten, Konflikte zuzulassen und sich mal nicht zu mögen. Flop: Schlimme Erfahrung, als bei „Schatten der Zeit“ jahrelange Arbeit keinen Erfolg hatte. Aber man kann’s nicht erzwingen. Geheimnisse machen das Leben spannend. Man muss immer schauen, von wievielen Geheimnissen man umgeben ist, von wievielen Kulturen und Menschen. Held: Als ich ein kleiner Junge war und Winnetou starb, war das für mich das Ende der Welt. Der Held steht für Werte, das Idol wird wie ein Bild verehrt. John Rabe: Fand seine Geschichte sehr spannend – umso mehr, weil ich noch nie etwas davon gehört hatte. International: Ich erkunde gerne fremde Welten. Durch meine Filme habe ich ein Teil von Indien, Mexiko oder China geschenkt bekommen. Kochen ist mein größtes Hobby. Da kann ich alles andere vergessen und stürze mich in die Zubereitung. Koche jeden Tag. Liebe hat viele Gesichter. Caritative Liebe, Interesse, Demut. Man darf sie nicht auf Liebe zwischen Mann und Frau reduzieren. München: Meine Geburts- und Heimatstadt. Hab das letzte Jahr in der Rambergstraße verbracht – mit Blick aufs Arri-Kino, sehr passend für einen Filmemacher. Niemals würde ich... aufgeben. Oscar: Dadurch wird man kein besserer Filmemacher oder reich oder glücklich, aber als große Ehre kann ich mich immer noch darüber freuen. Prenzlauer Berg: Bin vor acht Jahren nach Berlin gezogen. Das kann man nicht mit München vergleichen, sollte man aber auch nicht. Quiero Ser ist mein Sechser im Lotto. Der Film war mit viel Mühe und Risiko behaftet, aber die Startbahn meiner Karriere. Russisch: Bis ich an der Hochschule genommen wurde, habe ich Psychologie, Philosophie und Russisch studiert. Hat Spaß gemacht. Schindlers Liste zeigt, wie sehr so eine Geschichte Menschen bewegt und fasziniert. Darauf hoffen wir mit John Rabe. Trauer: Wichtige Funktion, die im Leben zu kurz kommt, weil sie halt nicht cool ist. Ulrich Tukur: Eigentlich sollte Ulrich Mühe den John Rabe spielen. Er ist knapp ein halbes Jahr vor Drehbeginn verstorben. Er war gut mit Ulrich Tukur befreundet und meinte: ,Mach das – dann bleibt es in der Familie und der Vorname bleibt. Volljährig: Meinen ersten Film habe ich mit 18 als Deutsch-Facharbeit gedreht. Diese Erfahrung war der Grund, warum ich diesen Beruf ergriffen habe. Wärme: In meinen Filmen hab ich keine Angst vor menschlicher Wärme – oder davor, dass es Tränen gibt. Xylophon: Hab sehr gerne im Kindergarten darauf rumgehackt, bis man mir die Klöppel weggenommen hat, weil man gemerkt hat, wie unmusikalisch ich bin. Yoga: Meine Frau Joanna ist Yoga-Lehrerin. Yoga ist für mich wichtig, gibt mir Ruhe, Kraft und Mut. Zukunft ist eine Phantasie. Man braucht den Mut und das Vertrauen, sich vom Moment erfüllen zu lassen.

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