Ein Security-Dienst für Obdachlose

Kloster St. Bonifaz: Bahnhofsumbau zwingt Obdachlosenhilfe zu scharfen Maßnahmen

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Mit 23 Jahren begann Emmanuel Rotter, die Obdachlosenhilfe des St. Bonifaz mitaufzubauen.

Seit 29 Jahren hilft das Kloster St. Bonifaz Obdachlosen. Jetzt muss die Einrichtung einen Sicherheitsdienst engagieren. Denn: „Anders sind Konflikte nicht mehr zu vermeiden“. Das ganze Ausmaß...

Maxvorstadt – Seit 29 Jahren hilft das Kloster St. Bonifaz Menschen, die auf der Straße leben müssen. Täglich kommen um die 250 Hilfesuchende, um sich zu waschen, verarzten zu lassen oder etwas zu Essen zu bekommen. Nun zwingen Umstände Obdachlose weg vom Hauptbahnhof in die umliegenden Viertel zu wandern. Grund ist der Beginn der Umbaumaßnahmen der Schalterhalle und die Durchsetzung des strikten Alkoholverbotes um den Hauptbahnhof. 

Um dem Zuwachs Herr zu werden, musste erstmals ein Sicherheitsdienst engagieren werden. Frater Emmanuel Rotter der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz hat die Obdachlosenhilfe des Klosters mitaufgebaut. „Es ist mein Baby“, bezeichnet er das Herzensprojekt. Warum es nun einen Sicherheitsdienst braucht?

„Seitdem der Hauptbahnhof in der Umbauphase ist, werden Gruppierungen wie Junkies, Stricher und Prostituierte verdrängt. Die Drogenszene schwappt dadurch über den Alten Botanischen Garten auch zu uns“, sagt Rotter. Obwohl er einen Wachdienst generell nicht haben möchte, sei die Lage anders nicht lösbar. Inzwischen sei schlicht die Präsenz von Security nötig, um Konflikte zu vermeiden. 

Frater Emmanuel Rotter musste kürzlich einen Sicherheitsdienst engagieren: „Durch den Umbau und das Alkoholverbot am Hauptbahnhof wurden dort auch Drogenabhängige verdrängt, die jetzt bei uns landen“, bedauert er.

Bisher trägt das Kloster die Kosten für Sicherheitskräfte, nun beantragen sie Unterstützung vom Bezirksauschuss (BA) der Maxvorstadt. Lokalpolitisch ist man sich der Lage bewusst. Katharina Blepp (SPD) vom BA: „Es gibt einen massiven Anstieg von Obdachlosigkeit in München. Zudem verlagert sich die Trinkerszene des Hauptbahnhofes in die Maxvorstadt.“

Die momentane Lage des St. Bonifaz schafft auch Ärger mit der Nachbarschaft. Außerhalb des Geländes sollen sich auch Gruppierungen sammeln. „Die Anwohner geben uns oft die Schuld, denn wir würden die Leute anlocken. Aber: Wir ziehen die Leute nicht an, die Leute sind schlicht da. Es ist unsere Aufgabe diesen Menschen für ein paar Stunden Perspektive zu geben.“

Franz Herzog ist Mitarbeiter der Teestube des evangelischen Hilfswerkes und leistet ebenfalls Obdachlosenhilfe. Das Hilfswerk veröffentlichte zu Beginn des Jahres alarmierende Zahlen: Seit 2011 hat sich die Zahl der Obdachlosen in München auf 9 000 verdreifacht. 

Herzogs Erklärung: „Das System ist verstopft. Selbst wenn ein Obdachloser in einem Heim mietfähig wird, das heißt eine feste Arbeit findet, soziale Hilfe annimmt, bürokratische Hindernisse überwindet und mögliche Drogenprobleme bezwingt – findet er keine bezahlbare Wohnung und bleibt im Heim stecken. Die, die auf der Straße leben, bekommen keinen Platz in Heimen und die in Heimen bekommen keinen Platz in der Gesellschaft.“

Daniel Schubert

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