Diese Planung: „Gar nicht gesund“

Dreimal so groß und 40 Meter hoch: Neuer Gesundheitshaus-Entwurf entsetzt Anwohner

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An diese Stelle soll ein Hochhaus hin. Anwohner Thomas Wölfer befürchtet, dass der geplante Hochbau in der Dachauer Straße 90 nicht nur seine Wohnung, sondern die aller Anlieger verschattet.

Verlassene Gänge, eine heruntergekommene Fassade. Das alte Gesundheitsamt an der Dachauer Straße wirkt nicht gerade einladend. Doch auch der geplante Neubau spaltet die Gemüter.

Maxvorstadt – Mit 40 Metern Höhe und rund 28 000 Quadratmetern Geschossflächenzahl ist es mehr als dreimal so groß wie ursprünglich: In Kammform, mit einem markanten Hochpunkt zur Dachauer Straße hin – so soll das neue Gesundheitshaus an der Dachauer Straße aussehen. Sprecher Thorsten Vogel vom Planungsreferat bestätigt die Planungen für den Neubau des Referates für Gesundheit und Umwelt (RGU) mit Kindertagesstätte.

In der letzten Sitzung vor der Sommerpause hatte die Vollversammlung des Stadtrats die Variante 2 des Bebauungsplans für das in die Jahre gekommene und bisher nur 9000 Quadratmeter kleine Amt durchgewunken. 

Anwohner fühlen sich übergangen

Das macht Anwohner wie Thomas Wölfer bis heute wütend: „OB Dieter Reiter hat gesagt, es gibt Infoveranstaltungen, Bürgerbeteiligung, Mitspracherecht. Doch der Stadtrat hat sich alleine für einen Planungsentwurf entschieden. Wir Anwohner wurden übergangen!“

Besonders stören er und andere Maxvorstädter sich daran, dass auf bis zu zwölf Stockwerke gebaut werden darf und dass der alte, eingewachsene Innenhof mit seinem Baumbestand den Neubauplänen zum Opfer fällt. 

Wölfer als unmittelbaren Nachbarn träfe ein Hochhaus besonders hart: „Ich wohne zwischen Maßmann- und Schleißheimer Straße, im Hinterhaus mit zwei Etagen und Blick auf den Gesundheitshaus-Bau. Wenn hier ein zwölfstöckiges Haus und drei nahe Bauriegel mit je fünf Stockwerken entstehen, sehe ich nur noch Wand. Balkone, Innenhof und Kinderspielplatz liegen nur im Schatten. Wer will da noch sitzen?“

Anwohner will Klage einlegen

Drei Nachbarschaftsklagen aus den umliegenden, denkmalgeschützten Altbauten der Maßmannstraße gegen den RGU-Neubau liegen dem Verwaltungsgericht schon vor. Auch Wölferl will Klage einlegen: „Der Vorbescheid ist nicht tragbar.“ Das Planungsreferat will jetzt aus diesem vorläufige Entwurf die Grundlage für ein Bauleitverfahren weiter ausarbeiten.

Christian Krimpmann, Vorsitzender des BA Maxvorstadt, beschwichtigt: „Die Irritationen der Bürger kann ich verstehen, aber wir haben einen guten Kontakt zum Planungsreferat. Die Stadt ist sehr bemüht, alle Interessen, Kritik und Anregungen unter einen Hut zu bringen.“ Außerdem sei bis 2025, wenn der Abriss stattfinden soll, noch Zeit für Planänderungen.

Nur den Info-Termin, der den Bürgern die Zwischennutzung bis 2025 (siehe Kasten) näher bringen sollte, kritisiert Krimpmann: „Ferienzeit, Mitte August war ungünstig. Aber es wird nicht der einzige bleiben.“

Marie-Julia Hlawica

Kunst in alten Amtsräumen

Jetzt steht’s fest: Bis 2025 gibt es im ehemaligen Gesundheitshaus in der Dachauer Straße 90 Kunst und Kultur. Ab Frühjahr 2020 beginnt die öffentliche Zwischennutzung durch das MUCA Museumsteam (Hallo berichtete).

Schon 2006 beschloss der Münchner Stadtrat, dass das 1960 erbaute Amt erneuert werden muss, 2009 fiel das Urteil, dass ein Neubau wirtschaftlicher als die Sanierung sei. 

Seit 2016 steht das Gebäude leer, 2017 wurde es zur Zwischennutzung ausgeschrieben. Nun wird das marode Haus vom MUCA für Kunst und Besucher fit gemacht, präsentiert dann Künstler in den alten Amtsräumen.

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