„Viele Inszenierungen in München sind jung genug“

Sie rebellieren gegen verstaubte Theaterkritiken

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Die Theatertanten sind eigentlich noch gar keine Tanten. Der Name war schlicht eine Eingebung: Ivana Koschier, Julia Schleier, Paulina Wawerla, Theresa Spielmann (von links).

Maxvorstadt – Mit frischem Wind gegen hartnäckige Klischees: Diese vier 21-jährige Studentinnen rezensieren Kultur – im Internet, für junge Leute, mit besonderem Dreh

Theater hat bei vielen Jugendlichen eher einen verstaubten Ruf. Der Blog „die Theatertanten“ von vier LMU-Studentinnen will das ändern. Gemeinsam schreiben sie über die Münchner Kulturlandschaft.

Ihr besonderer Dreh drückt gleich einen der Kritikpunkte an vorhandenen Theaterkritiken aus: Die Theater-Tanten verfassen zu jedem Stück gleich vier Kritiken – jede eine. „Letztendlich sehen wir doch alle irgendwie was anderes auf der Bühne und verstehen und empfinden das Geschehen auf unsere eigene Art und Weise! Da ist es doch logisch, dass es viele Meinungen zu einem Stück geben kann, von denen keine richtiger ist als eine andere“, beschreibt Julia Schleier das Konzept. Also auch nicht die eines Theaterkritikers.

Die „Tanten“ sind alle erst 21, studieren Theaterwissenschaften in München – und lieben das Theater. Dass das Theater selbst zu „alt“ oder verstaubt ist, findet Theresa Spielmann gar nicht: „Viele Inszenierungen in München sind ‚jung’ genug, wenn man es so ausdrücken möchte. Für viele der älteren Generation vielleicht sogar zu jung. Die U30-Generation braucht vielleicht nur ein wenig Ermutigung oder einen Ratschlag, was etwas für sie sein könnte.“

Einen Überblick bezüglich Thea­ter aller Altersgruppen haben die Bloggerinnen bereits. Denn sie besuchen neben großen Theaterhäusern wie dem Residenztheater oder den Kammerspielen auch Kinder und Jugendtheater wie die Schauburg. Für jüngere Generationen hat Ivana Koschier Empfehlungen: „In der freien Szene, zum Beispiel im HochX, gibt es oft spannende, experimentelle Stücke von jungen Theaterschaffenden. Auch Münchner Theater-Festivals wie „Spielart“ oder „Rodeo“ zeigen immer wieder tolle Nachwuchskünstler.“

Erst Anfang des Jahres führten die Bloggerinnen die Vorlesefunktion ein. Jetzt können sich Besucher die Kritiken von der jeweiligen Studentin vorlesen lassen. Paulina Wawerla: „Seit Februar haben wir eine neue Kategorie, die wir ‚Gastbeiträge’ nennen. Hier haben auch andere Theaterinteressierte die Möglichkeit, ihren Senf zu den Inszenierungen dazu zu geben. Wir arbeiten aber auch schon wieder an einem neuen Herzensprojekt: einem Theatertanten Podcast. Da sind wir gerade in der Konzeptionsphase. Man kann also gespannt sein, was noch alles passiert.“

Daniel Schubert

Lesen Sie noch vor Veröffentlichung auf dem Theatertanten-Blog am Mittwoch, 27. März, die Rezensionen zu „Genesis“ in den Münchner Kammerspielen und dem Stück „Don Karlos“, aufgeführt im Residenztheater, am Mittwoch, 3. April, unter: https://theatertanten.com/

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