Maxvorstadt – alles in Buddha?

Der Glaube der Maxvorstadt in Farben und Formen: Rote Punkte zeigen christliche, blaue spirituelle Einrichtungen. Fotos: tg/kn

Schüler erstellen Glaubenskarte des Viertels – und bald auch für ganz München

MÜNCHEN Das religiöse Leben der Maxvorstadt ist bunt – genauer gesagt blau, rot und grün. So stellt eine neue Karte (gr. Foto) den Glauben der Viertelbewohner dar: Schüler der Städtischen Berufsschulen für Druck und Mediengestaltung sowie Gartenbau, Floristik und Vermessung haben sich gefragt: Welche religiösen und spirituellen Einrichtungen gibt es in der Maxvorstadt? Und wo? Das Ergebnis ist nun bis Ende März als Ausstellung in der U-Bahn-Galerie im Zwischengeschoss der U-Bahnstation Universität zu sehen. 200 religiöse Einrichtungen gibt es laut der Studie „Religion und Spiritualität“ insgesamt. Besonders erstaunlich: Die Maxvorstadt ist Münchens Buddhisten-Hochburg. 13 Einrichtungen der fernöstlichen Lehre finden sich hier – „ganz außerordentlich“, sagt einer der Studienleiter, Religionslehrer Michael Brinkschröder. In anderen Stadtteilen sei das nicht so. „In Sendling etwa gibt es fast keine.“ Brinkschröder, vermutet, dass der Buddha-Boom vor allem an der Uni liegt – hier sind viele junge Menschen auf der Suche nach einem Sinn, außerdem ist die Maxvorstadt von allen Randgebieten aus gut zu erreichen. „Viele buddhistische Institutionen wie Klöster oder Tempel haben uns gesagt, dass sie möglichst gut erreichbar für Anhänger sein wollen“, sagt Brinkschröder. Die Häufung in der Maxvorstadt – kein Zufall. Die Studie zeigt auch: Die Maxvorstadt ist nicht so katholisch wie man glauben könnte. 46 römisch-katholische Kirchen, Klöster und Einrichtungen gibt es hier, die evangelische Kirche hat 16 Adressen, die Muslime haben drei, die Orthodoxen gar keine. Den Großkirchen stehen aber sehr viele spirituelle Einrichtungen gegenüber: 98 Heilpraktiker wie Akupunkturpraxen oder Ayurvedazentren, zwölf Yoga-Einrichtungen und weitere nicht-religiöse Angebote wie Meditationszentren und Qi Gong-Angebote. Brinkschröder und seine Studien-Partnerin, die Kartographin Margret Prietzsch, wollen jetzt das Projekt Schritt für Schritt auf ganz München ausweiten – für eine stadtweite Karte des Glaubens. Thomas Gautier "Der Buddhismus gilt vielen als friedlich und meditativ" Jens-Uwe Hartmann (58), Professor für Indologie und Buddhismus-Experte an der Ludwig-Maximilians-Universität, über den Buddhismus-Boom in München:  Hallo München: Wie viele Buddhisten gibt es denn in München? Das kann man nicht sagen, es gibt keine offiziellen Zahlen. Außerdem herrscht in den Vereinigungen eine hohe Fluktuation. Viele ziehen auf ihrer Sinnsuche weiter zu anderen Angeboten. Steigt die Zahl der Anhänger? Ich meine ja, aber auf jeden Fall nicht mehr so stark wie noch vor zehn Jahren. Was reizt so viele Menschen am Buddhismus? Er gilt als friedlich und meditativ, hat vor allem durch den beliebten Dalai Lama einen guten Ruf. Außerdem gab es keine Skandale, wie etwa bei den Fällen von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Der Buddhismus wird auch sehr viel positiver bewertet als der Islam, der für viele etwas Militantes hat. Außerdem gibt es hier ein sehr großes Angebot: Zentren, Klöster, Tempel, aber auch Vorträge und Kurse an der Volkshochschule – also gute Gelegenheit zum Kontakt. Ein Punkt ist auch: Da sich heute nicht nur Hippies und junge Menschen für Buddhismus interessieren, sondern Menschen jeden Alters und aller Gesellschaftsschichten, ist die Akzeptanz für viele gestiegen. Es gilt als „seriöse“ Bewegung. Gibt es den typischen Buddhisten? Nein. Die einen sind auf Sinnsuche, die anderen interessieren sich einfach für andere Kulturen und stoßen so mit der Zeit auf den Buddhismus. Das Interview führte Thomas Gautier

Auch interessant:

Meistgelesen

Nach Familienstreit – 79-Jährige bedroht Verwandte mit einem Messer
Nach Familienstreit – 79-Jährige bedroht Verwandte mit einem Messer
Kein Frieden ums Feuerwerk bei den Münchnern
Kein Frieden ums Feuerwerk bei den Münchnern
Stammstrecke: Gestern Chaos, heute Einschränkungen, OB sauer!
Stammstrecke: Gestern Chaos, heute Einschränkungen, OB sauer!
MVG: 10 Wochen Vollsperrung bei U3 und U6!
MVG: 10 Wochen Vollsperrung bei U3 und U6!

Kommentare