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Im Holocaust gestorben ‒ Luisengymnasium in München ehrt 20 jüdische Schülerinnen mit Erinnerungszeichen

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Von: Kristina Beck

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Das Luisengymnasium in München.
Das Luisengymnasium in der Maxvorstadt gedenkt ehemaliger Schülerinnen, die unter anderem in die Lager von Auschwitz, Sobibor und Kaunas deportiert und dort ermordet wurden. © Klaus Haag

Sie wurden getötet, weil sie Jüdinnen waren. Das Luisengymnasium in München ehrt ehemalige Schülerinnen ‒ und arbeitet damit die eigene Vergangenheit auf.

Das Städtische Luisengymnasium in der Maxvorstadt gedenkt zum 200. Jahrestag seiner Gründung 20 ehemaliger Schülerinnen mit Erinnerungszeichen, wie es in einer Mitteilung der Stadt heißt.

Die jüdischen Frauen und Mädchen hatten die Schule zwischen etwa 1908 bis 1938 besucht und wurden in der Shoa ermordet. Zu ihren Ehren findet am Mittwoch, 23. November, 11 Uhr, in der Aula der Schule, Luisenstraße 7, eine Gedenkveranstaltung statt, bei der die 20 Erinnerungszeichen gesetzt werden.

+++ Mit einem Erinnerungszeichen in der Tengstraße 32 in München gedenkt die Stadt München der von Nationalsozialisten in Kaunas ermordeten jüdischen Familie Levi. +++

Teilnehmen werden unter anderem Bürgermeisterin Katrin Habenschaden, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Stadtschulrat Florian Kraus. Michael Felsen, der Neffe der einstigen Schülerin Johanna Felsen (1913–1942), reist mit seiner Familie aus den USA an und erinnert mit einer Ansprache an seine Tante.

Luisengymnasium in München gedenkt Ehrenzeichen ehemaliger jüdischer Schülerinnen

Das heutige Luisengymnasium wurde 1822 als „Schule für höhere Töchter“ gegründet. Bürgerliche jüdische Familien schätzten die Schule wegen ihrer religiösen Toleranz und ihres erstklassigen Rufes. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten mussten die jüdischen Schülerinnen und Schüler vielfältige Demütigungen erleiden.

Nach der Pogromnacht am 9./10. November 1938 mussten die letzten fünf Mädchen die Schule verlassen. Aus den 20 Schülerinnen, derer mit Erinnerungszeichen gedacht wird, waren Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, Ehefrauen und Mütter geworden, sie ergriffen die unterschiedlichsten Berufe und verfolgten verschiedene Lebensentwürfe.

Die Jüngste war bei der Deportation 18 Jahre alt

Den Jüngsten unter ihnen blieben die Chancen eines selbstbestimmten Lebens während des NS-Regimes verwehrt. Die Nationalsozialisten deportierten diese Frauen und Mädchen – teilweise mit ihren Angehörigen oder ihren kleinen Kindern – und ermordeten sie in den Vernichtungslagern Auschwitz und Sobibor, in den Lagern im Distrikt Lublin, in Kaunas und im Ghetto Warschau.

Drei junge Frauen wurden Opfer der „Euthanasie“-Tötungsaktionen. Die Älteste der Frauen war bei ihrem Tod 43 Jahre, die Jüngste erst 18 Jahre alt.

Bürgermeisterin Katrin Habenschaden: „Ich freue mich, dass das Luisengymnasium dieses dunkelste Kapitel seiner 200-jährigen Geschichte ausleuchtet und den ermordeten Schülerinnen einen Platz in der Schulgemeinschaft zurückgibt. Das ist jetzt besonders wichtig, da sich Judenhass wieder ausbreitet. “

Luisengymnasium arbeitet eigene Geschichte auf

Schüler des Luisengymnasiums haben sich mit den Biografien der Frauen beschäftigt und präsentieren diese bei der Gedenkveranstaltung in einer szenischen Lesung.

Unter den Frauen war die Künstlerin Maria Luiko (geboren als Marie Luise Kohn, 1904–1941), nach der gerade eine Straße in Neuhausen benannt wurde. Von vielen ermordeten Frauen wie den Schwestern Ruth (1921–1942) und Margot Pories (1924–1942) oder Josephine Löwy (1912–1942) sind noch nicht einmal Fotos erhalten. Mit den Erinnerungszeichen soll ihrer künftig gedacht werden.

Der Zugang zum Veranstaltungsort ist barrierefrei möglich. Die Haltestelle der Trambahnlinien 20, 21 und 29 „Hauptbahnhof Nord“ liegt 150 Meter entfernt, die Bushaltestelle der Linien 58 und 100 ist 50 Meter entfernt.

Erinnerungszeichen

Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden.

Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie in zwei Ausführungen – als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund.

Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild. Durch die gelochte Oberfläche können die Informationen auch ertastet werden.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Initiative „Erinnerungszeichen“.

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