Dieser Bürger schlägt einen „Shared Space“-Verkehrsversuch vor

Verzicht auf Ampeln und Markierungen: Eine Straße, keine Regeln?

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Die letzte Verkehrsreform in der Kapuzinerstraße: 2013 wurde ein roter Radlstreifen abmarkiert.

Isarvorstadt – Ein Verkehrskonzept, das bloß auf gegenseitiger Rücksichtnahme basiert? Was nach einer verrückten Idee klingt, könnte in München bald Realität werden

„Wir schaffen alle Regeln ab und der Verkehr regelt sich durch Rücksichtnahme aller von selbst“ – was nach einer irrwitzigen Idee klingt, hat in anderen Ländern bereits Hand und Fuß: „Shared Space“, also geteilter Raum, heißt das Konzept. 

Sebastian Ballweg schlägt vor, dass die Straße im Rahmen eines Verkehrsversuchs vollständig zur regelfreien Zone wird.

Die Idee: Auf Verkehrszeichen, Signalanlagen und Fahrbahnmarkierungen wird verzichtet, alle Verkehrsteilnehmer teilen sich gemeinsam eine Straße. „Das könnte auch in München funktionieren“, meint Sebastian Ballweg. Bei der Bürgerversammlung des Stadtbezirks Ludwigsvorstadt­-Isarvorstadt hat er den Vorschlag für einen Verkehrsversuch gemacht. Seine Vision: „In anderen Ländern funktioniert „Shared Space“ bereits wunderbar, wieso nicht auch hier bei uns?“ 

Als Testbereich schlägt er die Kapuzinerstraße vor – gerade im Berufs- und Feierabendverkehr ist die Achse zwischen Isar und Lindwurmstraße ein Stauherd. Anwohner und Anlieger auch in der direkten Umgebung wie beispielsweise am Baldeplatz oder in der Auenstraße klagen regelmäßig über die extreme Abgasbelastung.

Doch: Die Bürgerversammlung hat Ballwegs Antrag nicht angenommen – möglicherweise ist das Misstrauen gegenüber der absoluten Verkehrsanarchie im Viertel noch zu groß. Doch Bezirksausschuss-Chef Alexander Miklosy (Grüne/Rosa Liste) macht Hoffnung: Der Bezirks­ausschuss kenne „Shared Space“ bereits und stünde einem derartigem Verkehrsversuch offen gegenüber. „Die Kapuzinerstraße sei allerdings in der Tat eher weniger geeignet. Sehr gut vorstellen könne man sich das Konzept – zumindest probehalber – in der Reichenbachstraße oder im Tal.

Und wer im Viertel auf weniger Abgasbelastung hofft, kann möglicherweise trotzdem aufatmen. Denn ein weiterer Antrag Ballwegs wurde angenommen: Die Aufforderung an die Stadt, das Dieselfahrverbot bis Ende des ersten Quartals 2019 im Stadtviertel umzusetzen.

Vanessa Hahn

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