Nachrichten aus der Bürgerversammlung Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt

Die Straße, die das Viertel spaltet

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Die Pläne, die Reichenbachstraße zur Fußgängerzone umzuwandeln wurden heftig kritisiert.

Isarvorstadt – Fußgänger statt Autos, eine Flaniermeile im Herzen der Isarvorstadt – eine Idee, die nicht jedem im Viertel zu gefallen scheint. Bei der Bürgerversammlung des 2. Stadtbezirks hagelte es Kritik

Begrünung, Anliegerstraßen zu Sackgassen umwandeln, ein Durchfahrverbot für Autos – im Sommer schlug die von Bürgern ins Leben gerufene Petition, den Gärtnerplatz und umliegende Straßen zur Fußgängerzone umzugestalten, hohe Wellen (Hallo berichtete). Prinzipiell stieß die Vision auf offene Ohren im Stadtviertel. Doch bei der Bürgerversammlung zeigte sich nun: Nicht alle Isarvorstädter sind begeistert von der Idee.

Insbesondere Anwohner der Reichenbachstraße proklamierten ihr Misstrauen gegenüber der Planungen – und forderten per Antrag, die Petition, den Gärtnerplatz zur Fußgängerzone umzuwandeln, abzulehnen.

Insbesondere die Anwohner der Reichenbachstraße forderten eine Ablehnung des Antrags.

Die Sorge der Antragssteller, die alle bereits 20 Jahre oder länger vor Ort leben: Der Bereich zwischen Innenstadt und Isar würde zu einer „gigantischen Feier- und Touristenmeile, ähnlich der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona“. Die Reichenbachstraße sei eigentlich eine ruhige Anliegerstraße – doch nun in ihrem Idyll bedroht. Mit noch mehr Touristen, die in das Viertel strömen, so die Sorge, stünde künftig die „Gentrifizierung total“ bevor. „Wird das Areal zu Fußgängerzone, werden die Bewohner vertrieben, letztendlich wird sich niemand mehr das Leben hier leisten können“, so der Tenor.

„Ideen aktiver Bürger, die Gesundheit, Nachbarschaft und Lebensqualität im Viertel verbessern möchte, halte ich für absolut unterstützenswert“, erklärte BA-Chef Alexander Miklosy (Grüne/Rosa Liste) zum Start der mittlerweile 800 Unterschriften starken Petition gegenüber Hallo München. „Das ,wie‘ wird wohl zu erhöhtem Diskussionsbedarf führen“, sah Miklosy bereits damals voraus. Bei der Bürgerversammlung versuchte der BA-Chef nun zwischen den Parteien zu vermitteln. Denn: „Seitens der Stadt liegen bisher weder konkrete Planungen noch ein Beschluss vor“ betonte er. Bisher prüfe die Verwaltung lediglich den Vorschlag und verschiedene Argumente, dabei würden sowohl Pro- als auch Contra-Standpunkte aufgenommen. Letztendlich habe dann auch der BA noch ein Mitspracherecht.

„Es ist fraglich, wie repräsentativ der Tenor der Bürgerversammlung ist, bei der etwa 200 von 6000 Viertelbewohnern vor Ort sind“, sagt Petitions-Unterstützer Constantin Boes. Allen Kritikpunkten der Petitionsgegner könne er Gegenargumentegegenüberstellen – „und mehr als 800 Unterstützer sprechen für sich“, so der Isarvorstädter, der ebenfalls in der Reichenbachstraße wohnt. Mit dem Anti-­Fußgängerzone-Antrag muss sich die Stadt nun befassen: er wurde von der Versammlung angenommen – mit 52 Pro- und 41 Gegenstimmen.

Vanessa Hahn

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