Kommissar Rex sucht Kollegen

Polizei-Hundeführer Mario Bornkessel (44) von A bis Z

Gemeinsam sorgen sie für Sicherheit: Mario Bornkessel und der Deutsche Schäferhund Finn.
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Gemeinsam sorgen sie für Sicherheit: Mario Bornkessel und der Deutsche Schäferhund Finn.
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Gemeinsam sorgen sie für Sicherheit: Mario Bornkessel und der Deutsche Schäferhund Finn.

Ludwigsvorstadt: Zur Not beschützt er seine Kollegen mit dem Leben. Seit sieben Jahren ist Schäferhund Finn mit Polizist Mrio Bornkessel an den Münchner Bahnhöfen unterwegs.

Er stellt Straftäter, findet Sprengstoff und beschützt sein Herrchen zur Not sogar mit seinem Leben: Seit sieben Jahren geht Kommissar Finn als Partner von Bundespolizist Mario Bornkessel auf Streife. Bornkessel ist einer der Hundeführer, die für die Bundespolizei an den Bahnhöfen in München und im Umland für Sicherheit sorgen. Wie viele solcher Teams es bei der Bundespolizeidienststelle am Hauptbahnhof insgesamt gibt, wird aus einsatztaktischen Gründen nicht verraten. Nur so viel: Derzeit sind noch nicht alle vorgesehenen Stellen besetzt, langfristiges Ziel ist es, die Zahl der Hundeführer massiv zu erhöhen. „Ein Hund hat bei gefährlichen Situationen auf die Leute einfach eine andere Wirkung als eine normale Polizeistreife“, erklärt Bornkessel. Er selbst ist schon seit dem Jahr 2000 als Hundeführer unterwegs. Welche Erfahrungen er dabei gemacht hat, wie ein typischer Einsatz aussieht und was Polizeihunde wie Finn alles können müssen, verrät er im Hallo-Interview von A bis Z.

Claudia Schuri

Ausbildung: Nach einer Eingewöhnungszeit wird der Hund zehn Wochen zum Schutzhund ausgebildet. Danach ist eine Pause, bevor es mit der Sprengstoffausbildung weitergeht, die insgesamt noch mal 14 Wochen dauert.

Bedarf: Wir haben bei unserer Dienststelle den Bedarf an Diensthunden bei weitem nicht gedeckt. Der Pool soll deshalb ausgebaut werden.

Charakter: Polizeihunde brauchen gute Nerven und einen extremen Spiel- und Schutztrieb. Sie müssen bereit sein, für ihr Herrchen das Leben zu opfern. Wir haben zu 90 Prozent Deutsche und Belgische Schäferhunde.

Durchsetzen: Mit einem Hund können wir uns besser durchsetzen, zum Beispiel wenn wir bei großen Schlägereien dazwischen gehen müssen. Oft setzen wir den Hund zur Eigensicherung und zum Schutz der Kollegen ein.

Einordnung: Ein Hundeeinsatz muss immer verhältnismäßig sein. Vom Gesetz her gilt dafür aber eine niedrigere Eingriffsschwelle als für den Einsatz von Pfefferspray.

Freiheit: Als Hundeführer ist man mehr oder weniger sein eigener Chef. Man kommt viel raus und ist viel in der Natur. Das gefällt mir.

Gefahr: Ein Restrisiko, dass der Hund einmal den Falschen angreift, bleibt immer, er ist ja ein Lebewesen. Das erfordert Konzentration und Handling vom Hundeführer. Bei uns ist aber bis jetzt noch nie etwas passiert.

Herrenloses Gepäck gibt es täglich am Bahnhof. Wenn wir eine Meldung bekommen, suchen unsere Hunde es auf einen verdächtigen Inhalt ab.

Intuition: Manchmal bemerken die Hunde eher als die Polizisten, wenn sich Probleme aufschaukeln und die Stimmung kippt. Je mehr Erfahrungen ein Hund macht, desto professioneller wird er.

Jung: Die Behörde kauft Diensthunde, die zwischen ein und drei Jahren alt sind. Polizisten, die privat einen Hund in dem Alter haben, können ihn auf Tauglichkeit überprüfen lassen. Aber die Anforderungen sind sehr hoch.

Kritik bekommen wir häufiger als Lob. Viele Passanten kennen die Hintergründe zu den Einsätzen nicht. Sie kommen erst vorbei, wenn der Hund schon am Bellen ist und ein Polizist jemanden am Boden festhält. Sie sehen aber nicht, was vorher alles war. Wenn man nur die halbe Wahrheit kennt, ist es einfach, die Polizei zu kritisieren.

Leine: Die Hunde sind mit Leine und Maulkorb unterwegs. In einer Gefahrensituation nehmen wir den Maulkorb ab, der Hund muss im Fall der Fälle beißen können.

Motivation: Bei der Sprengstoffausbildung läuft die Motivation über den Spiel- und Beutetrieb. Für den Hund ist das Suchen von Sprengstoff wie das Suchen nach Spielzeug. Für die Schutzhundeausbildung ist der Wehr- und Aggressionstrieb wichtig.

Nervig ist, dass es immer weniger Respekt vor der Polizei gibt. Beim Hund ist das anders. Es ist ein natürlicher Instinkt, dass man das Weite sucht, wenn sich ein bellender Hund nähert, weil bei einem Tier immer eine gewisse Unberechenbarkeit dabei ist.

Orten: Unsere Hunde können die menschliche Fährte aufnehmen, um Flüchtende zu verfolgen, sich versteckende Straftäter zu stellen und Vermisste zu suchen.

Privatleben: Natürlich gibt es tiefe Einschnitte ins Privatleben. Man hat den Hund nicht nur im Dienst, sondern muss sich auch zu Hause 24 Stunden um ihn kümmern.

Qualifikation: Hundeführer kann man frühestens drei Jahre nach der Polizeiausbildung werden. Man soll Ortskenntnisse haben, selbstständig sein und vor allem die Arbeit mit dem Hund mögen.

Rente: Wenn Hunde zu alt für den Einsatz werden, bleiben sie meist beim Hundeführer. Es gibt manchmal Ausnahmen, aber normal will man einen Hund, den man zehn Jahre lang gehalten hat, nicht hergeben.

Streicheln darf man einen Diensthund als Fremder nicht. Immer wieder versuchen Bürger die Hunde anzufassen, ohne zu fragen. In so einer Situation kann es aber sein, dass sich der Hund selbst aktiviert.

Tierschützer beschweren sich, weil der Hund einen Beißkorb trägt, am Bahnhof unterwegs ist und auch gegen Menschen eingesetzt wird. Das sind haltlose Argumente. Der Hund kann seine Triebe ausleben und ist den ganzen Tag bei seinem Rudel. Ich bin mir sicher, dass es meinem Hund gut geht.

Ueberprüfung: Jedes Jahr muss der Hund eine Prüfung bestehen. Dabei muss er Fährten aufspüren, einen Angriff auf den Hundeführer abwehren und Sprengstoff suchen. Bei der Kategorie Unterordnung geht es darum, zu zeigen, dass der Hund noch in der Hand des Hundeführers ist.

Videos werden inzwischen bei jedem Einsatz gemacht. Für uns sind sie einerseits ein gutes Beweismittel, andererseits kann das Filmen aber auch gerade für junge Kollegen eine Belastung sein.

Wichtig ist bei jedem Hundeeinsatz, dass er vom Hundeführer vorher deutlich angedroht wird. Der Hund droht sich auch selbst durch sein Verhalten an, zum Beispiel indem er bellt und versucht, nach vorne zu preschen.

X-mal wird trainiert. Pro Monat gibt es vier Tage Fortbildung.

Youngsters: Es wären schon junge Interessenten da, aber für viele ist es ein Problem, eine bezahlbare Wohnung zu finden, in der sie den Hund halten können.

Züchter: Wir bekommen von Sporthundezüchtern meist die Hunde, die für den Hundesport nicht geeignet sind. Nicht immer gibt es genügend Hunde im Angebot.

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