Am Freitag wäre er 70 geworden – Miklosys Witwer erinnert sich

„Durchs tiefe Tal muss ich alleine“

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Alexander Miklosy (links) und Walter Pretz (rechts) waren über 30 Jahre lang ein Paar. Im Jahr 2005 ließen sie ihre Partnerschaft eintragen.

Isarvorstadt – Mehr als 30 Jahre waren Alexander Miklosy und Walter Pretz ein Paar. In Hallo spricht der Witwer über die schwierige Zeit nach dem Tod seines Ehemanns

Lächelnd steht er in einem Meer von Blumen vor dem Gärtnerplatztheater – mitten in „seinem“ Viertel. Das Foto in dem silbernen Rahmen hängt im Flur der hellen Dachgeschosswohnung in der Baaderstraße. Hier wohnte Viertelchef und LGBT-Vorkämpfer Alexander Miklosy zusammen mit seinem Mann Walter Pretz. Im Dezember verlor Miklosy seinen persönlichen Kampf gegen den Krebs. Diesen Freitag hätte er seinen 70. Geburtstag gefeiert.

Vor drei Jahren ist Miklosy an Darmkrebs erkrankt. Nach einer Operation, sah zunächst alles gut aus, doch dann streute die Krankheit: „Es hat keine Chemotherapie angeschlagen. Wir haben alles versucht“, erinnert sich der 63-Jährige. Seit Anfang letzten Jahres ist Pretz in Rente: „Obwohl es das schlimmste Jahr unseres Lebens war, konnten wir dann so viel Zeit miteinander verbringen wie noch nie. Das war schön.“ 

Ab Mitte November sei Miklosys Zustand aber immer schlechter geworden. Den großen Wunsch zuhause sterben zu können, konnten ihm die Ärzte nicht mehr erfüllen. „Die letzten beiden Wochen war ich Tag und Nacht bei ihm im Krankenhaus. Wir waren zusammen bis zum Schluss.“

Kennengelernt hat sich das Paar Mitte der 80er-Jahre. Die Politik war ständiger Begleiter ihrer Beziehung: „Die politische Arbeit stand für ihn immer vor allem. Man muss teilen können, wenn jemand mit so viel Herzblut an etwas hängt. Alexander war ein Perfektionist.“ 

Das zeigte sich nicht nur in seinem Schaffen als Mitglied der Rosa Liste und als Vorsitzender des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, sondern auch in seinem Einsatz für die LGBT-Community. „Er war sehr sozial eingestellt. Für seine politischen Aussagen stand er gerne im Mittelpunkt. Als Privatmensch wollte er aber lieber Teil der Masse sein.“

Miklosys Tod berührte ganz München (Hallo berichtete). „Er konnte Menschen zusammenbringen und das ist in der heutigen Zeit überhaupt nicht hoch genug anzurechnen“, sagt Pretz. Alle namenhaften Lokalpolitiker sprachen Beileidsbekundungen aus. Auch auf der Beerdigung herrschte ein riesiges mediales Interesse. Das war für Pretz schwierig: „Ich wollte eigentlich eine private Beerdigung – ich wollte meinen Alex beerdigen.“ Dafür habe er einen Brief geschrieben, den eine Freundin des Paares vortrug. „Ich habe sehr gute Freunde. Das weiß ich jetzt. Sie können unterstützen. Durch das tiefe Tal muss ich aber alleine.“

„Unsere Wohnung fühlt sich ohne ihn leer und fremd an – fast wie ein Hotelzimmer.“ Und doch muss Pretz immer an ihn denken: „Alles hier im Viertel erinnert mich an ihn.“ An Miklosys 70. Geburtstag wird er das Grab am Westfriedhof besuchen. Etwas veranstalten werde er nicht. Dazu sei er nicht bereit.

Sophia Oberhuber

BA wählt neuen Vorsitzenden

Der Bezirksausschuss (BA) Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt tagt am Dienstag, 26. Februar um 19 Uhr, in der Gaststätte Zunfthaus, Thalkirchner Straße 76. Dann entscheidet sich, wer Miklosys Nachfolger werden soll. Aus den Reihen der Rosa Liste wurde bereits ein Vorschlag bekannt: Andreas Klose wird kandidieren. Er ist seit fünf Jahren Mitglied im BA.

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