Isarvorstädter wollen Erinnerung festhalten

Das Viehhof Museum kommt!

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Mit dem Bolzenschneider im Einsatz: Hubert Ströhle rettet die alten Eisenketten, bevor die Hallen abgerissen werden.

Isarvorstadt - Der Abriss am Viehhof hat begonnen, doch vergessen werden soll er nicht. Ein Viehhof-Museum soll historische Relikte zeigen

In Reih und Glied stehen die Kühe in der großen Ziegelsteinhalle, angebunden an schwere, eiserne Ketten – So oder so ähnlich muss es auf dem Viehhof ausgesehen haben, bevor im Dezember 2006 der Marktbetrieb endgültig eingestellt wurde. Eines der letzten Relikte aus dieser Zeit: die rostigen Kuhketten, die noch immer in den Stallungsmauern verankert sind. Hubert Ströhle vom Bezirksausschuss Isarvorstadt hat sie nun gerettet. Denn: Anfang des Jahres haben die Abrissarbeiten für den Neubau des Volkstheaters begonnen. „Ein Großteil des Viehhofs wurde ja schon abgerissen“, sagt Ströhle, „nun gilt es zu retten, was noch zu retten ist.“ Hubert Ströhle war im Januar vor Ort, als die Bagger anrollten – eigentlich, um Erinnerungsfotos vom Gelände und den Gebäuden zu machen. Dann entdeckte er in einer der Ziegelbauten die symbolträchtigen Kuhketten.

Die symbolträchtigen Kuhketten

Für sie soll es künftig einen neuen Einsatzzweck geben – gemeinsam mit anderen Relikten sollen sie Teil des Viehhof-Museums werden, das die Geschichtswerkstatt Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt plant. Strippenzieher und Ideengeber: Daniel Hahn, der mit seinem Subkulturprojekt „Bahnwärter Thiel“ für die kommenden fünf Jahre das Areal an den ehemaligen Gleisanlagen am Rande des Viehhofs bespielt. Dort, wo einst am Alten Südbahnhof das Vieh angeliefert wurde, könnte das Museum schon bald Wirklichkeit werden. Denn: Ausstellungsstücke hat Hahn schon jede Menge in seinem Fundus: Wie Hubert Ströhle hat er sie – in Absprache mit der Stadt – vor den Abrissarbeiten aus den einstigen Viehhallen an der Tumblingerstraße gerettet. „Die Atmosphäre dort war unglaublich, als hätte man einfach über Nacht alles stehen und liegen gelassen“, erzählt Hahn. „In der Ecke standen noch die Treibstecken und Mistgabeln der Viehtreiber.“ Auch alte Werkzeuge, Lanzen, Kuhhalsbänder, sogar Fensterrahmen, ein Heugebläse und eine Viehwaage zählen zu den Schätzen, die nun darauf warten, gezeigt zu werden. Mit dem Museum, hofft Hahn, könne man die Geschichte des Viehhofs bewahren. „Das komplette Gelände wird bald völlig anders aussehen“, sagt Hahn. Gerade jüngere Münchner würden den alten Viehhof dann nicht mehr kennen. „Es wäre schade, wenn die Erinnerung verloren geht und irgendwann nichts mehr an die Vergangenheit erinnert.“ vha

Altes Geländer

Das Geländer am Südbahnhof soll bewahrt werden.

Auch für die Rettung des historischen Geländers auf dem Gelände des alten Südbahnhofs hatte sich der BA im vergangenen Jahr stark gemacht – es soll künftig in das neue Stadtteilkulturzentrum integriert werden, das gerade an der Ecke Tumblinger­­­/Ruppertstraße entsteht.

Viehhofbank: Polt plant Haus des Humors

Das Filetstück an der Zenettistraße 17.

Filetstück in direkter Nachbarschaft: Das Hypohaus in der Zenettistraße 17 hat es Gerhard Polt angetan – gemeinsam mit dem Forum für Humor und komische Kunst will der Kabarettist dort ein Haus des Humors mit Ausstellungen und Ateliers einrichten (Hallo berichtete). Nun werden die Pläne konkreter: Wie die tz berichtet, war Polt Anfang der Woche persönlich im Rathaus zu Gast um dort die Werbetrommel für sein Projekt zu rühren.

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