„Kein Ort für Saufgelage“

Alkoholverbot am Hauptbahnhof: Die Bilanz nach einem Jahr

1113 Anzeigen wurden im vergangenen Jahr wegen Verstößen gegen die Alkoholverbotsverordnung erstattet.
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1113 Anzeigen wurden im vergangenen Jahr wegen Verstößen gegen die Alkoholverbotsverordnung erstattet.
Geno Veva (23) aus Moosach: „Es ist schon gut so, dass der Alkoholkonsum am Hauptbahnhof in der Nacht verboten wurde. Ich fühle mich durch das Verbot aber weder sicherer, noch unsicherer.“
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Geno Veva (23) aus Moosach: „Es ist schon gut so, dass der Alkoholkonsum am Hauptbahnhof in der Nacht verboten wurde. Ich fühle mich durch das Verbot aber weder sicherer, noch unsicherer.“
Henry Korzer (20) aus Laim: „Ich finde die Regelung gut. Leider wird sie aber nicht immer wirklich eingehalten. Erst letzte Woche musste ich für einen Betrunkenen am Hauptbahnhof den Notarzt rufen.“
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Henry Korzer (20) aus Laim: „Ich finde die Regelung gut. Leider wird sie aber nicht immer wirklich eingehalten. Erst letzte Woche musste ich für einen Betrunkenen am Hauptbahnhof den Notarzt rufen.“
Tobias Baake (34) aus der Au: „Das Alkoholverbot war definitiv notwendig. Vielleicht verlagern sich die Probleme aber auch nur. Das Gefühl von Sicherheit hat sich für mich nicht verändert.“
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Tobias Baake (34) aus der Au: „Das Alkoholverbot war definitiv notwendig. Vielleicht verlagern sich die Probleme aber auch nur. Das Gefühl von Sicherheit hat sich für mich nicht verändert.“
Francoise Heidenreich (58) aus Tutzing: „Ich befürworte das Verbot. Die Stimmung im Allgemeinen hat sich verbessert. Sicher habe ich mich aber auch schon vor dem Verbot gefühlt.“
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Francoise Heidenreich (58) aus Tutzing: „Ich befürworte das Verbot. Die Stimmung im Allgemeinen hat sich verbessert. Sicher habe ich mich aber auch schon vor dem Verbot gefühlt.“
Ingrid Puffer (75) aus Milbertshofen: „Die Verordnung am Bahnhof ist richtig. Vorher hatte ich schon immer wieder ein komisches Gefühl wegen der alkoholisierten Personen am Hauptbahnhof.“
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Ingrid Puffer (75) aus Milbertshofen: „Die Verordnung am Bahnhof ist richtig. Vorher hatte ich schon immer wieder ein komisches Gefühl wegen der alkoholisierten Personen am Hauptbahnhof.“
Sebastian Grote (36) aus Giesing: „Ich halte das Alkoholverbot am Münchner Hauptbahnhof für sehr positiv. Vor allem abends auf dem Heimweg ist es jetzt wesentlich entspannter und sauberer.“
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Sebastian Grote (36) aus Giesing: „Ich halte das Alkoholverbot am Münchner Hauptbahnhof für sehr positiv. Vor allem abends auf dem Heimweg ist es jetzt wesentlich entspannter und sauberer.“

Ludwigsvorstadt: Seit einem Jahr gilt das Alkoholverbot am Hauptbahnhof – und zeigt seine Wirkung.

Seit einem Jahr gilt das nächtliche Alkoholverbot am Hauptbahnhof. Während die Gegner vor allem auf die Verlagerung der Trinkerszene in andere Teile der Stadt kritisieren, ist die Polizei von der Wirksamkeit des Verbots überzeugt: „Die Kriminalitätsentwicklung im unmittelbaren Bereich des Hauptbahnhofs hat sich verbessert“, sagt Polizeisprecher Werner Kraus. Die Straftaten, insbesondere Körperverletzungs- und Raubdelikte, seien „deutlich zurückgegangen“.

Das Alkoholverbot am Hauptbahnhof gilt in der Zeit von 22 bis 6 Uhr. Zwischen 22. Januar und 31. Dezember wurden 1113 Anzeigen gegen die Alkoholverbotsverordnung erstattet. In 945 Fällen stellte das Kreisverwaltungsreferat Bußgeldbescheide aus. 183 Personen haben mehrfach gegen die Alkoholverbotsverordnung verstoßen. Ein Aufenthalts- und Betretungsverbot sprach das Referat 24 Mal aus.

„Das Verbot hat eine Signalwirkung“, sagt Fritz Wickenhäuser, Leiter der Interessensgruppe Südliches Bahnhofsviertel. „Es zeigt, dass der Bahnhof kein Ort für Saufgelage ist. Touristen, Geschäftstreibende und Anwohner fühlten sich wohler, argumentiert der Hotelier.

Auch bei der Bahn ist man sich der positiven Wirkung des Verbots sicher. Das Sicherheitsgefühl der Reisenden habe sich verbessert und die Sicherheitskräfte hätten eine bessere Handhabe gegen Personen, die sich gezielt zum Verzehr von Alkohol im und um den Bahnhof treffen, wie ein Sprecher der Bahn mitteilt. Doch nicht nur Reisende, sondern auch Geschäftstreibende akzeptieren das Verbot. „Bei einzelnen Betreibern von Kiosken haben wir mittlerweile den Verzicht auf Alkoholverkauf in die Pachtverträge aufgenommen“, so die Bahn.

Ob das Alkoholverbot am Hauptbahnhof die Probleme, die von der Alkohol- und Drogenkonsumentenszene ausgehen, vollständig lösen kann, ist fraglich. Denn die ergriffenen Maßnahmen bedingen auch eine Verdrängung in andere Teile der Stadt – wie etwa die Schützenstraße. „Aber es sind kleinere Gruppen, die weniger präsent erscheinen“, sagt Wickenhäuser. Dem stimmt auch die Polizei zu: Bislang hätten sich „keine objektiv belegbaren neuen Brennpunkte“ abgezeichnet. Man behalte aber die angrenzenden Bereiche des Bahnhofsviertels und den Alten Botanischen Garten im Auge. Nichtsdestotrotz sieht die Polizei keinen Bedarf, das Verbot räumlich auszuweiten. Zwar dürfte sich die Problematik nicht in Luft aufgelöst haben. Doch zumindest am Hauptbahnhof ist sie weniger dick als noch vor einem Jahr.
Sebastian Obermeir

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