Erasmus-Grasser-Preis

Seinen Beruf kannte er erst gar nicht

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Der 20-jährige Yaya Mane ist Lehrling bei den Kunstglas-Werkstätten Gustav van Treeck. Dort schneidet er zum Beispiel kleine Glasstücke aus solchen großen Scheiben heraus.

Yaya Mane macht eine Lehre zum Kunstglaser in einem buchstäblich ausgezeichneten Betrieb.

Den Beruf, den er jetzt lernt, den kennt er erst seit kurzem: Yaya Mane macht eine Ausbildung zum Kunstglaser, und zwar bei den Werkstätten Gustav van Treeck in der Maxvorstadt, einem von fünf Münchner Handwerksbetrieben, die in diesem Jahr den Erasmus-Grasser-Preis erhalten haben (siehe Info).

Dabei ist es nicht so, als wäre Kunstglaser schon immer Manes Traumberuf gewesen. Der 20-Jährige erklärt: „Ich habe den Job erst in Deutschland kennengelernt.“ Mane stammt aus dem afrikanischen Mali. Von dort floh er, weil er keine Perspektive sah – eben die hat er nun im Herzen Münchens gefunden. „Ich habe vor meinem Ausbildungsbeginn im September mehrere Praktika gemacht, das als Kunstglaser fand ich am interessantesten“, erklärt er. „Ich mag es, mit den Händen zu arbeiten, auch wenn man sich die dabei manchmal dreckig macht.“

Diese Haltung hat das Gewerbe dringend nötig. „Denn Betriebe wie uns gibt’s in ganz Deutschland vielleicht noch sieben-, achtmal“, sagt Kunstglaser Fred Mayerhofer, der Yaya Mane mit Rat und Tat zur Seite steht. Mayerhofer meint: „Mit Yaya haben wir einen guten Fang gemacht!“ Und einen wichtigen: Schließlich tragen Handwerker wie er dazu bei, heimische Denkmalschätze auszustatten und zu erhalten.

„Viele der Glasmalereifenster des Münchner Rathauses kommen zum Beispiel aus unseren Werkstätten“, erzählt Mane. „Wir produzieren aber nicht nur, sondern res­taurieren vor allem auch, alte Kirchenfenster beispielsweise.“

Diese Arbeit mache Mane tadellos, lobt Geschäftsführerin Raphaela Knein. Dass er ein Flüchtling sei, übrigens der einzige im Betrieb, spiele keine Rolle. Mane selbst sieht sich ja auch als Angekommenen. „Ich möchte hier bleiben“, sagt er, „und ein guter Kunstglaser werden.“ Kennengelernt hat Mane den Beruf zwar erst kürzlich – begleiten wird er ihn nun wohl ein Leben lang.

Christopher Beschnitt

Der Erasmus-Grasser-Preis

Mit dem Erasmus-Grasser-Preis hat Münchens Bürgermeister Josef Schmid (CSU) fünf Handwerksbetriebe für ihr vorbildliches Engagement in der beruflichen Bildung von Jugendlichen ausgezeichnet. Neben der Gustav van Treek GmbH wurden prämiert: A+B Pertler GmbH (Dachdeckerei), J.7 hair lounge (Friseur), Erwin Köck GmbH (Lackiererei), Würz Heizungsanlagen GmbH. Übrigens: Erasmus Grasser war ein Bildhauer, der 1518 in München gestorben ist.

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