»Klein sein – mein Handicap«

Klein, aber oho: Auch mit 1,56 Zentimetern ist Gerd Lohmeyer ein ganz Großer. Foto: Kowitz

Gerd Lohmeyer erklärt, warum er meist nur komische Rollen spielen darf

„Die Hausmeisterin“, „Weißblaue Geschichten“, „Café Meineid“, „München 7“, „Die Rosenheim-Cops“, „Der Bulle von Tölz“ – kaum eine bayerische Kultserie ohne Gerd Lohmeyer. „Doch meist werde ich wegen meiner Statur für die komischen Rolle besetzt“, erklärt der 66-jährige Schauspieler, der 1,56 Meter misst. Der Isarvorstädter selbst sieht sich auch in anderen Rollen, träumt zum Beispiel davon, auf der Bühne Nathan, den Weisen zu geben. Komisch und starrsinnig darf er beim diesjährigen Kultursommer in Garmisch sein – vom 24. August bis 25. September gibt er in „Die Räuber“ den Papa Mohr. „Ich freue mich schon, den alten Heulgreis vor der traumhaften Bergkulisse zu spielen“, sagt Lohmeyer, der am 30. August mit seiner Frau, der Schauspielerin Monika Manz, auch seine Valentin-Hommage „Valentin im Sturm“ aufführt. „Valentin gehört zu meinen Erziehungsberechtigten“, behauptet Lohmeyer im Hallo-Interview. Maren Kowitz Schauspieler Gerd Lohmeyer (66) von A bis Z Applaus:Sehr gerne – viel und laut. Aber ich freue mich genauso, wenn ich das Gefühl habe, mir ist eine Filmszene auf den Punkt gelungen. Bayerische Theaterakademie:Ich war dort Dozent. Man bleibt bei nichts lebendiger als beim Unterrichten. Man sieht seine eigenen Fehler und Probleme bei den jungen Leuten: Viel zu viel Wille, zu wenig Offenheit. Café Meineid war eine wunderbare Zeit. War sehr stolz, als ich als Archivar ins Stammteam kam, aber dann ist Erich Hallhuber gestorben und die Serie endete. Dahoam is dahoam: Da habe ich eine lustige Gastrolle – einen wohlwollenden Pedanten, der die Leute in den Wahnsinn treibt. Ein bisschen davon steckt in mir. Emil: Meine erste Rolle. Ich bin in der 6. Klasse in den Theaterkurs gegangen, hab’ den Emil bei „Emil und die Detektive“ gespielt. Das war ein Riesenereignis in Schwandorf. Feuerzangenbowle: Einer meiner ersten Filme, reicht nicht an das Rühmann-Original heran, aber es haben viele tolle Kollegen mitgespielt: Walter Giller, Willy Reichert, Nadja Tiller, Uschi Glas und Theo Lingen. Gewitter: Freu mich auf die Freilicht-Vorstellungen von „Die Räuber“ beim Garmischer Kultursommer. Die Leute sitzen in der Talsenke, wir spielen auf dem Hang. Aber ich hab’ Schiss vor Gewitter. Immer wenn es blitzt, fang ich an zu zählen, wann der Donner kommt. Heim: Wir haben uns eine Wohnung an der Dreimühlenstraße gekauft, als 1984 unser erstes Kind unterwegs war. Genießen das Dreimühlenviertel sehr, es ist nicht so laut wie man denkt. Idole: habe ich nicht, aber Ideale. Zum Beispiel Mozart rührt mich auch nach 66 Jahren noch zu Tränen. Auch Kleist, seine Sprache ist sowas von hinreißend. Jonas, Bruno war der Don Quixote zu meinem Sancho Pansa im „Mann von La Mancha“ im Gärtnerplatztheater. Ein großes Vergnügen. Er hat auch Regie geführt. Klein: Meine Statur ist sowohl Markenzeichen als auch Handicap. Meist werde ich als komischer Mensch gesehen. Da könnte ich mir noch andere Rollen vorstellen. Liebe am Arbeitsplatz: Meine Frau, Monika Manz, ist auch Schauspielerin. Es ist nicht einfach, mit der eigenen Frau zu spielen. Man tritt sich auf die Füße und die Emotionen sind nicht frei von anderen Emotionen. Alle zwei Jahre wagen wir’s. Musik spielt in meinem Leben eine große Rolle. Bis ich 14 war, wollte ich Musik studieren, war Dirigent vom Schulorchester. Von 2001 bis 2009 habe ich Violinenunterricht genommen und spiele in diversen Kammermusikensembles. Nebenrolle:Mir geht es nicht darum, wie groß eine Rolle ist. Ich freue mich, wenn die Figur lebendig und gewitzt ist, hasse es, wenn sie klischeehaft ist. Ich mag es nicht, wenn jemand seine Kleinheit so vermarktet, wie zum Beispiel Dirk Bach. Oscar: Ich hab schon zwei Oscars gewonnen – den Rheinpost-Oscar für den Taugenichts und für den Dorfrichter Adam im zerbrochenen Krug. Privat: Ich bin sehr gerne daheim, treffe mich mit Freunden zu Hause. Bin kein Ausgeh- oder Wirtshaustyp, sondern sehr häuslich. Quote ist sehr demokratisch, aber Demokratie hat in der Kunst nichts verloren. Das ist ein Widerspruch. Rentner: Ich bekomme jetzt Geld, weil ich eingezahlt habe, aber mehr merke ich davon nicht. Ich habe in den letzten zwei Jahren mehr zu tun als davor. Schuh des Manitu: Hat jeder gesehen – für mich war es ein netter Nachmittag als Sheriff. Bully ist ein sehr guter Arbeiter, der alles sieht und merkt, nicht so humorig. Toni Netzle:hat meine Frau in „Die Hausmeisterin“ gespielt. Wir mögen uns sehr, aber in ihrem „Alten Simpl“ war ich kaum. Das war die Zeit von Familie, da bin ich relativ wenig ausgegangen. Urlaub: Ziehe mich gerne zurück, aber zum Arbeiten. Sind 2000 in China den Yangtse runtergeschippert, da habe ich meine Inszenierung für die Kammerspiele vorbereitet. Die Seiten, die ich nicht brauchte, habe ich dem Fluss übergeben. Valentin, Karl: gehört zu meinen Erziehungsberechtigten. Ich hab Samstag nachmittag immer „Bei uns dahoam“ geschaut – nur wegen seiner Sketche. W-Fragen:Wann, Warum, Wo, was will ich? – sind die Grundfragen, die sich jeder Schauspieler stellen muss, um die Situation und den Charakter zu erfassen – und der beste Weg, um sich Text zu merken. Xaver, Franz, Bogner: Ich liebe ihn sehr – finde ihn so wunderbar als Autor und Regisseur. Sein Witz ist unvergleichbar. Und mit ihm ist es sehr aufregend am Filmset. Er schreibt Halbsätze dazu, streicht was, wenn es von der Situation nicht so kommt. Y, Herr:Ich habe ein Programm über Mozarts Briefe geschrieben. Die sind so köstlich, da laufen einem die Tränen herunter. Er grüßt alle – das ganze Alphabet entlang, nur beim Y fällt ihm nichts ein. Da grüßt er nur noch den Herrn Y. Zwida: Ich kann verbohrt und hartnäckig sein. Und besonders zwida werde ich, wenn sich Gewalt mit Dummheit paart.

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