WortSchatz erzählt Geschichten

Jetzt hört mal gut zu, liebe Leser...

Astrid Brüggemann war Anfang 20, als sie in ihrem Germanistik-Studium ein Seminar über Märchen belegte.

München - Aufgepasst und Ohren gespitzt! Hier wird ein Schatz an Geschichten gehoben. Zum Weltgeschichtentag hat sich der Verein „WortSchatz“ etwas Besonderes einfallen lassen:

An vier verschiedenen Orten – in der Seidlvilla, im EineWeltHaus, im Harthofer Mehrgenerationenhaus und im Café L’Amar – erzählen Mitglieder Storys über das Glück und das Schicksal.

Die Erzähl- und Kulturbühne vereint Münchens Erzähler auf der Suche nach Raum für ihre Leidenschaft. „In München gibt es so viele tolle Kulturangebote, aber keinen festen Ort für Erzähler und Zuhörer“, bedauert „WortSchatz“-Vorstand Astrid Brüggemann. Dabei sei es das Größte, Geschichten erzählt zu bekommen. „Bilder, die in der eigenen Phantasie entstehen, bleiben viel nachhaltiger hängen“, betont Kollegin Silvia Hein. Gelegenheit für eine Kostprobe erhalten die Münchner bei den Veranstaltungen zum Weltgeschichtentag – und auf unserer Website www.hallo-muenchen.de: Dort geben drei Erzähler jeweils eine ihrer Lieblingsgeschichten exklusiv zum Besten.                  


Er belauscht die Iren - und unterhält auf Partys

Detlef Gr abowski erzählt von einem Ertrinkenden.

Sein Markenzeichen: die irische Tweed-Weste. Seine Strategie: kompakte Stories, die sich in Lachen auflösen. "So kriegt man die Leute." Seine Geschichten wie die von dem Mann, der im Guinness ertrunken ist, oder vom Schwein mit dem Holzbein lauscht sich Detlef Grabowski meistens in Irland ab. Der grünen Insel hat der Sendlinger überhaupt seine Leidenschaft zu verdanken: „Vor über zehn Jahren habe ich dort einen großartigen Erzähler erlebt und wollte es dann auch mal selbst ausprobieren.“ Seitdem ist der 54-Jährige Feuer und Flamme: „Das Beste ist, dass man damit die Leute auf Partys gut unterhalten kann.“ Denn seine neue Berufung brauche keine Laser, keine Bühne und kein Licht, nur einen Mann und seine Stimme: „Auch ein Kinofilm lebt nur von der Geschichte – wenn die schlecht ist, können auch die tollsten Spezialeffekte nichts retten.“ Ein begeistertes Publikum findet er meistens bei Feiern des „Deutsch-Irischen Freundeskreises“: „Die Geschichten sind dann aber meistens nicht kindgerecht“, scherzt er. Das Kosmopolitische gefällt ihm auch am Weltgeschichtentag: „Es ist ein wunderschöner Gedanke, dass in 80 Ländern rund um die Welt gleichzeitig Geschichten erzählt werden.“ 


Hier anhören: Wissen Sie, wie man einen reichen Mann vor dem Ertrinken rettet? Falls nicht, sollten Sie sich unbedingt diese Geschichte anhören.


Sie erzählt am liebsten Gruselgeschichten

Erzählt seit 20 Jahren Geschichten: Astrid Brüggemann.

Astrid Brüggemann war Anfang 20, als sie in ihrem Germanistik-Studium ein Seminar über Märchen belegte: „Da habe ich Blut geleckt und verschiedene Erzählkursebelegt.“ Heute ist sie 42 – und immer noch vom Erzählen begeistert: „Das ist Kopf-Kino feinster Sahne“, schwärmt sie von ihrer – doch recht exotischen – Leidenschaft: „Im Kino und im Fernsehen erleben Märchen zwar einen regelrechten Boom, aber die reine Kunstform des Erzählens findet man ganz selten in München.“ Ihr größtes Ziel: „Ich möchte etwas in den Menschen bewegen, Dinge zum Klingen bringen.“ Das versucht sie bei kreativen Lesungen, zum Beispiel mit Weihnachtsgeschichten im Saunabereich der Therme Erding oder bei einer Nachtwanderung ohne Taschenlampe. Ihr Lieblings-Märchen ist der „Machandlboom“ aus der Sammlung der Gebrüder Grimm. „Ich liebe Gruselgeschichten und Geschichten, die nicht unbedingt gut ausgehen“, so die Münchnerin aus Sendling-Westpark. Aber trauen Sie sich, liebe Leser:


Hier anhören:Für Hallo München erzählt Astrid Brüggemann die Geschichte von der Beutelratte, die sich fledermausen wollte...


Ihre Geschichte ist eine Fabel: Silvia Hein.

Sie erzählt aus Leidenschaft – seit über 30 Jahren. Und sie hat Großes vor, um die „fast vergessene Nische“, wie sie sagt, wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen: Silvia Hein gründete im Juli 2009 die Erzähl- und Kulturbühne „Wortschatz“, denn gemeinsam erreiche man mehr, so die Laimerin: „Es gibt wunderbare Erzähler, aber diese Kunstsparte hat keine Heimat in München.“ Genau das will „Wortschatz“ ändern. „Wir träumen von einer eigenen Erzählbühne – optimalerweise von einer Jurte, einem Nomadenzelt an einem festen Standort in München als bekanntes Forum“, erklärt die 68-Jährige. Sie besucht auch Kindergärten und Schulen: „Es ist aus der Mode gekommen, seinen Kindern Geschichten zu erzählen, ich will Eltern wieder Lust machen.“ Das sei besonders wichtig, denn Geschichten zu hören, stimuliert die rechte Gehirnhälfte, fördert ganzheitliches Erfassen, Kreativität und Phantasie – alles, was laut Hein oft in der Schule vernachlässigt wird. „Dieses Eintauchen in die innere Bilderwelt ist etwas Besonderes in einer Gesellschaft, die von außen mit Bildern zugeschüttet wird“, betont die Heilpraktikerin. Sie selbst erzählt an den verrücktesten Locations, mitten im Trubel des Viktualienmarktes oder beim Kanu-Club an der Isar. „Ich mag besonders das Mystische, Zaubermärchen über Entwicklungswege.“ 


Hier anhören: Ihre Hallo München-Geschichte handelt von einem  Streit zwischen der Schildkröte, der Eintagsfliege und dem Esel – bei uns online zu hören!


Maren Kowitz

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