Die Stadt zeigte vorher null Interesse

Musäums-Chefin Sabine Rinberger im Gespräch mit Hallo München

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München: „Ob mein Verdienst immer dem enormen Aufwand entsprochen hat, steht auf einem anderen Blatt.“ Musäums-Chefin Sabine Rinberger über die vergangenen 13 Jahre, in denen sie das volle finanzielle Risiko des Hauses trug.

Fast 60 Jahre gibt es schon das „Valentin-Karlstadt-Musäum“ am Isartor – bisher unter privater Regie. Warum das beliebte Haus nun städtisch wird, welche Veränderungen das für die rund 60 000 Besucher im Jahr bedeutet und was der alten und neuen Chefin Bauchschmerzen bereitet hat, verrät die 50-Jährige im Interview.
von Marco Litzlbauer

Frau Rinberger, die Stadt übernimmt zum Jahreswechsel die Verantwortlichkeit für das Musäum. Wie leicht fällt Ihnen dieser Schritt nach 13 Jahren in Allein-Regie?

Nicht ganz leicht. Es waren 13 sehr anstrengende, aber auch sehr erfüllende Jahre. Wenn man nur sich selbst gegenüber verantwortlich ist, geht natürlich vieles schneller. Andererseits steht man sowohl finanziell als auch in Sachen Verantwortung für alles alleine gerade. Es ist ein Abschied von dem, wie es bisher war, das schon. Aber es geht ja nicht um meine Person, sondern um die Zukunft des Musäums, das ja auch ohne mich funktionieren soll. Diesen Prozess künftig mitgestalten zu können, ist doch etwas sehr Schönes.

Hört man da einen Abschied auf Raten heraus?

Nein! Ich werde nicht nur auf dem Papier auch in Zukunft all meine Kraft in das Musäum stecken. Die Übernahme ist ein längerer Prozess, der ja auch auf meiner Initiative basiert – zusammen mit einem hochkooperativen Kulturreferenten. Hans-Georg Küppers hat seit seinem Amtsantritt einen großen Sinn für dieses Haus. Seine Vorgänger hatten in dieser Hinsicht null Interesse. Deshalb freut es mich umso mehr, dass Karl Valentin mit einem städtischen Museum nun die Wertschätzung erfährt, die er eigentlich schon vor 50 Jahren hätte erfahren sollen.

Werden die Besucher Veränderungen spüren?

Überhaupt nicht, auch nicht die Stammgäste, die das Haus sehr gut kennen. Das war mir auch in all den vorbereitenden Gesprächen sehr wichtig. Das Haus öffnet quasi am 1. Januar so, wie es am 31. Dezember geschlossen hat.

Ein entscheidender Punkt, der sich ändert, ist das finanzielle Risiko. Dieses trugen bisher Sie alleine. Gab es Jahre, in denen Sie draufgezahlt haben?

Das habe ich zum Glück nie müssen. Ob mein Verdienst allerdings immer dem enormen Aufwand entsprochen hat, steht auf einem ganz anderen Blatt (lacht). Künftig bin ich quasi ganz normaler Arbeitnehmer – inklusive Kranken- und Rentenversicherung. Das ist neu für mich.

Rund 360 000 Euro soll die Stadt künftig pro Jahr für das Musäum in die Hand nehmen. Macht das die Sponsorensuche der Vergangenheit unnötig?

Von dem Geld werden ja auch Miete und Infrastruktur bezahlt. Vor allem aber bedeutet es Planungssicherheit in Sachen Künstler-Verpflichtungen und Ausstellungen – für die ich nicht mehr mit meinem Privatvermögen gerade stehe. Aber unser Förderverein wird uns auch weiterhin unterstützen. Und wir werden weiterhin Drittmittel wie beispielsweise Spenden einsetzen. Das ist künftig vielleicht sogar leichter, da wir dann gemeinnützig sind.

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, lautet ein häufig verwendetes Zitat von Karl Valentin. Ein Satz, den Sie in den vergangenen 13 Jahren – erst recht als Mutter von drei Kindern – sicher voll unterschreiben konnten, oder?

Es hat schon seinen Preis, das stimmt. Es ist der Konflikt, den viele moderne Frauen kennen. Wie vereine ich Beruf und Kinder, wo wendet man welche Zeit auf – da hatte ich schon oft große Bauchschmerzen. Mein kleiner Sohn ist quasi im Musäum auf die Welt gekommen. Ich habe bis zum letzten Tag gearbeitet, war 14 Tage nach der Geburt wieder im Haus, habe ihn hier gestillt. Auf der anderen Seite war und ist dieses Haus auch ein schöner Erlebnisort für die Kinder. Sie haben hier selbst musiziert, Kabarettisten erlebt und Schülerjobs an der Kasse gemacht.

Nehmen Sie diesen kleinen Umbruch denn dann zum Anlass, ein bisschen mehr Zeit für die Familie zu haben?

Schon auch, ja. Es werden jetzt auch zwei neue halbe Stellen geschaffen. Aber es wurde im vergangenen Jahr schon besser, seit ich eine hervorragende Assistentin habe. Auf der anderen Seite: Wenn man so einen Job hat, dann will man ihn auch ausfüllen. Es war und wird nie ein klassischer „Nine-to-five-Job“ sein.

Wie sehr spielt Karl Valentin auch nach dem Feierabend bei Ihnen eine Rolle?

Tatsächlich sehr, schon alleine vom Humor her. Meine Kinder haben schon in der Badewanne Szenen nachgespielt. Und ich wohne in der Au – wenn ich aus dem Fenster schaue, blicke ich auf das Geburtshaus von Karl Valentin.

Zur Person

Wie sie 2004 zum Musäum gekommen ist? „Wie die Jungfrau zum Kind“, erinnert sich Sabine Rinberger heute. Damals war sie im Haus der Bayerischen Geschichte für Ausstellungen zuständig. Von einem Dritten sei sie gefragt worden, ob sie das Musäum übernehmen wolle. „Als ich mich schließlich drauf einließ, wusste ich nicht, was da auf mich zukommt. Ich musste einen Betrieb führen – und alles, was es gab, war eine alte Schreibmaschine und ein Faxgerät“, erinnert sich die 50-Jährige heute. Rinberger, die in München Geschichte studiert hat, lebt in der Au und hat drei Kinder – die Älteste wird heuer volljährig, der Jüngste eingeschult. Seit 2004 ist Rinberger nicht nur Kuratorin, sondern auch Direktorin des Musäums.

Zum Musäum

Das „Valentin-Karlstadt-Musäum“ im Isartor gibt es bereits seit 1959 – damals hieß es noch „Valentin-Musäum“. Schon damals gehörten dazu eine Kneipe und eine Bühne. Dieses Konzept besteht bis heute. Seit 2004 ist Sabine Rinberger Leiterin des Musäums. 2008 eröffneten die frisch sanierten Ausstellungsräume mit einer neu konzipierten Dauerausstellung. 

Die Öffnungszeiten sind vom großen Münchner Humoristen beeinflusst: Montag, Dienstag und Donnerstag von 11.01 bis 17.29 Uhr, Freitag und Samstag von 11.01 bis 17.59 Uhr und am Sonntag von 10.01 bis 17.59 Uhr. Der Eintritt kostet 2,99 Euro. Ab Ende November erwartet die Besucher übrigens eine ganz besondere Sonderausstellung: „Dann legen wir den Fokus auf die schweren Jahre im Leben der Liesl Karlstadt. Jahre, in denen sie auch in der Psychiatrie war und sich von Karl Valentin loslösen wollte“, verrät Rinberger.

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