Gute Argumente gegen Rassismus

Rassismus im Freundeskreis: So kann man reagieren

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Im Hallo-Interview erklärt Katharina Grothe, wie man den Dialog sucht und Präsenz zeigt – ohne sein Gegenüber zu verletzen.

Altstadt – „Ich bin ja nicht rechts, aber...“: Aus einer vermeintlich harmlosen Aussage wird plötzlich ein handfestes rassistischen Vorurteil. Wie man damit umgeht, erklärt Katharina Grothe im Hallo-Interview

Brunch mit den Schwiegereltern, Kaffee mit der Freundin und plötzlich kommt eine Aussage, die einen schwer schlucken lässt. Rassistischen Vorurteilen begegnet man nicht mehr ausschließlich an Stammtischen im Hinterzimmer, sondern auch im Alltag, manchmal sogar bei Menschen, die einem nahestehen. 

Katharina Grothe vom Bildungskollektiv „Die Pastinaken“ hält am 25. Februar im Bellevue di Monaco für Ehrenamtliche des Flüchtlingsrats den Workshop „Argumentationstraining gegen Rechts“. Im Hallo-Interview erklärt sie vorab, wie man den Dialog sucht und Präsenz zeigt – ohne sein Gegenüber zu verletzen.

von Daniel Schubert

Jemand wird in der U-Bahn rassistisch beschimpft. Was kann man tun?
Es geht vor vollem darum, eine Meinung, die in einen sozialen Raum steht, nicht stehen zu lassen – Solidarität zu zeigen. Man muss das auch nicht alleine machen – einfach umschauen, Blickkontakt mit anderen aufbauen und sie ansprechen: „Sag mal findest du das auch gerade daneben, was da passiert?“.

Und wie sieht es denn im privaten Umfeld aus?
Wenn man sich zum Beispiel mit einem Freund zum Kaffeetrinken trifft und der Satz fällt: „Also irgendwie ist es schon unfair, dass die leichter an Kita-Plätze kommen als wir“, ist die Situation eine ganz andere. Man hat der Person vielleicht eine wertschätzende Haltung gegenüber.

Und wie geht man damit um?
Faktenwissen ist immer super, aber oft hat man dieses Wissen nicht. Dann gilt es eher eine Haltung zu diskutieren, wie ist es nicht ein generelles Problem, dass es zu wenig Kita-Plätze gibt? Und sich eher solidarisch zeigen, wie: „Ich finde dieses Problem, was alle angeht, sollte nicht auf den Rücken von Geflohenen ausgetragen werden, die genauso Plätze brauchen wie wir.“. Der andere Ansatz ist über Empathie, denn vielleicht ist es ja gerade für diese Kinder besonders wichtig diesen Kita-Platz zu bekommen. Dadurch findet ein Kontakt mit der Gesellschaft statt – auch für die Eltern. Mit solchen Optionen kann man ein Nachdenken anregen.

Oft wird Rasissmus deutlich, wenn ein Flüchtling ein Verbrechen begangen hat...
Da sollte man hinterfragen, von wie vielen Leuten, die auch kriminelle Taten begangen haben, man bestimmte Fakten nichts weiß und das auch nie zuordnen würde. Zum Beispiel „der Katholik hat schon wieder dieses Kind vergewaltigt“. Bestimmte Identitätsmarker spielen bei manchen Menschen eine Rolle und bei anderen überhaupt nicht. Es ist auch immer der Punkt, worüber wir reden: Sind es diese sehr vielen Personen, die da sind und friedlich leben oder über eine einzelne Person, die auf einmal für die ganze Gruppe stehen soll.

Und wenn man jemand einfach nicht überzeugen kann?
Es geht grundlegend gar nicht darum, jemand von einer anderen Meinung zu überzeugen! Oft liegt einem Vorurteil auch eine Angst zu Grunde und man sollte einer Verschiedenheit von Meinungen auch Raum geben. Natürlich muss jeder für sich entscheiden, ab wann man eine harte Kante zeigt. Aber wenn es regelrecht erschreckt, wenn man etwas rassistisches von jemand hört, der einem etwas bedeutet, sollte man es schlicht verbalisieren: „Mir macht das gerade echt ein wenig Angst das von dir zu hören, es passt überhaupt nicht in das Bild was ich von dir habe.“ Klarstellen, dass es nicht nur um eine politische Debatte geht, sondern auch um die Beziehung die man zu den Leuten hat.

Was steht auf dem Spiel?
Ich hab oft das Gefühl, dass die Leute ergriffen davon waren, dass eine Gesellschaft gespalten wird. Vor allem nachdem bei den Bundes- und Landtagswahlen die AfD gut abgeschnitten hat. Das hat vielen Angst gemacht und sie konnten es fühlen bis in ihre unmittelbare Lebensrealität. Das anzusprechen und Diskussionen zu suchen, das ist ein Bewusstseinsprozess den wir jetzt alle machen müssen.

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