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Ein Jahr „Ehe für alle“: 830 homosexuelle Paare haben in München geheiratet

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Am 5. Juni haben Jürgen Enninger (49, links) und Christian Mutzel (50, rechts) aus Sendling-Westpark sich zum zweiten Mal das Ja-Wort gegeben – diesmal amtlich.
Am 5. Juni haben Jürgen Enninger (49, rechts) und Christian Mutzel (50, links) aus Sendling-Westpark sich zum zweiten Mal das Ja-Wort gegeben – diesmal amtlich. © ul

München – Seit dem 1. Oktober 2017 können Homosexuelle ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln: Hallo hat nachgehakt, welche Veränderungen diese Errungenschaft nach sich gezogen hat

Jahrzehntelang haben Aktivisten dafür gekämpft. Am 1. Oktober 2017 war es so weit: Homosexuelle dürfen in Deutschland heiraten. Viele schwule und lesbische Münchner haben sich seither das Ja-Wort gegeben. So auch Jürgen Enninger (49) und Christian Mutzel (50) aus Sendling-Westpark. „Wir haben am 5. Juni geheiratet. Das war auch gleichzeitig unser 25-Jahre-Jubiläum als Paar“, erzählt Enninger. „Es war ein merkwürdiges Gefühl, nochmal zu heiraten. Seit 2002 waren wir eingetragene Lebenspartner. Damals gab es eine große Feier.“ Ihre Ehe zelebrierten die beiden hingegen im kleinen Kreis.

Umgangssprachlich wurde die eingetragene Lebenspartnerschaft zwar oft „Homo-Ehe“ genannt – eine Ehe war sie trotzdem nicht: Zum einen dürfen Lebenspartner im Gegensatz zu Ehepartnern nicht gemeinsam ein fremdes Kind adoptieren. Es kann lediglich ein Partner das Kind des anderen adoptieren. Zum anderen war es emotional für viele nicht dasselbe. „Wir haben uns sehr gefreut, dass wir mit der ‚Ehe für alle’ nun endlich gleichgestellt sind. Da schwingt keine Diskriminierung mehr mit“, sagt Mutzel.

Was hat sich nun mit der „Ehe für alle“ genau geändert? 

Seit dem 1. Oktober können Homosexuelle ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln. Die Begründung neuer Lebenspartnerschaften ist damit nicht mehr möglich. In München haben bis einschließlich 11. September 597 homosexuelle Paare ihre Lebenspartnerschaft zur Ehe gemacht, so die Zahlen des Standesamts München und des Standesamts München-Pasing. Zudem gab es 233 neue Hochzeiten. Die meisten Umwandlungen gab es bisher in den Monaten Oktober mit 84, November mit 76 und Dezember mit 88. Seither ist die Zahl der Umwandlungen auf durchschnittlich rund 43 pro Monat zurückgegangen. Neue Ehen unter Homosexuellen wurden bisher am meisten im Juli mit 32 geschlossen.

„Bei den Adoptionszahlen bemerken wir keine Unterschiede. Es gibt rund 50 Adoptionen im Jahr, wobei es da immer so ist, dass ein Ehepartner die leibliche Mutter oder der leibliche Vater ist und der andere Ehepartner das Kind adoptiert“, sagt Klaus-Peter Jüngst, Sprecher des Amtsgerichts München.

Bedeutet Ehe nun wirklich Ehe? 

Nicht ganz, einen Wermutstropfen gibt es noch: Wenn in einer heterosexuellen Ehe die Frau ein Kind bekommt, erhält der Mann automatisch auch das Sorgerecht – auch, wenn er nicht der biologische Vater ist. Bekommt in einer lesbischen Ehe eine Frau ein Kind, muss ihre Ehepartnerin das Kind erst adoptieren. Für eine vollständige Gleichstellung bedarf es einer Änderung im Familienrecht. Bleibt abzuwarten, was das zweite Jahr „Ehe für alle“ bringt.

Laura Felbinger

Lesen Sie auch: Ehe für alle? Ein Anfang! – Stephanie Gerlach vom Regenbogenfamilienzentrum von A bis Z

Münchens erstes Lesbenzentrum

Das erste Münchner Lesbenzentrum ist an der Müllerstraße 26 geplant.
Das erste Münchner Lesbenzentrum ist an der Müllerstraße 26 geplant. © fb

Im Zentrum Münchens soll ein neuer Treffpunkt für lesbische Frauen entstehen: Das erste Münchner Lesbenzentrum ist an der Müllerstraße 26 geplant. Das Sozialreferat legt nun ein Konzept vor, das der Stadtrat am Donnerstag, 18. Oktober, beschließen soll. Bis April war in dem Gebäude die Pop-Up-Bar Awi. Inzwischen gehört das Haus der Gewofag Holding GmbH. Diese soll die Gewerbeeinheit im Erdgeschoss inklusive Keller mit 231 Quadratmetern Gesamtfläche nun an den Verein „Lesbentelefon“ vermieten. In den Räumlichkeiten soll ein nicht gewerbliches Café entstehen, eine kleine Bibliothek, Gruppen- und Beratungsräume und ein Büro. Insgesamt belaufen sich die Folgekosten für den Betrieb, also Miete, Personal- und sonstige Kosten, auf rund 482 000 Euro jährlich, wovon die Stadt rund 477 000 Euro bezuschussen soll.

laf

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