Keine Gesundheitswanderungen

München bewegt sich nicht

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Der positive Effekt sogenannter Gesundheitswanderungen auf Herz und Kreislauf ist erwiesen. Doch ausgerechnet Münchner können von diesem noch recht neuen Angebot nicht profitieren. Wir verraten, woran das liegt, sprechen mit einer Expertin und bringen Leser auf Trab.

Rund 1,8 Millionen Deutsche leiden an einer Herzschwäche. Damit handelt es sich um das Volksleiden Nummer Eins. Um diesem Herr zu werden, werden seit 2013 vermehrt sogenannte Gesundheitswanderungen angeboten – allerdings  nicht in München.

Gesundheitswanderungen kombinieren reines Wandern mit physiotherapeutischen Übungen. Eine Studie des Instituts für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung (ILUG) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat ergeben, dass dieses Angebot schon nach kurzer Zeit eine ganze Reihe positiver Effekte haben. So sinkt nicht nur das Körperfett, es konnten auch Auswirkungen auf das Kreislaufsystem, das Wohlbefinden und die Vitalität nachgewiesen werden. Deshalb ist es mittlerweile auch als Primärpräventionsleistung anerkannt und wird von fast allen Kassen zu 80 bis 100 Prozent erstattet. „Vorsorglich sollte man vielleicht vorher bei seiner Kasse kurz nachfragen“, rät Christine Merkel, Gesundheitsreferentin beim Deutschen Wanderverband. Wichtig sei nur, dass ein „zertifizierter Gesundheits-Wanderführer mit bewegungstherapeutischer Grundausbildung“ die Wanderung durchführe.

Das Problem: Weder auf den Seiten des Deutschen Wanderverbands, noch sonst lassen sich aktuell diese anerkannten Gesundheitswanderungen im Ballungsgebiet finden. „Wir bekommen aus dem Raum München öfter Anfragen, haben aber in dieser Region schlicht keine ausgebildeten Bewegungstherapeuthen“, erklärt Merkel. Bisher müssten die Münchner in die Bodenseeregion, in die Schwäbische Alb oder ins Allgäu pendeln. Bei gewöhnlich zehn Terminen je Kurs quasi ein K.O.-Kriterium. Um das zu ändern, suche man derzeit händeringend Therapeuthen und hoffe, dass man ab dem kommenden Sommer auch in der Isarmetropole entsprechende Wanderungen anbieten könne, so Merkel. Bis dahin müssen sich Münchner entweder gedulden, oder mit etwas Glück in der aktuellen Samstags-Ausgabe (vom 9. August) eine exklusive Gesundheitswanderung in München gewinnen!!!

(Marco Litzlbauer)

DAS EXPERTEN-INTERVIEW

Welche Symptome deuten auf eine Herz-Kreislauferkrankung hin? Sind Münchner besonders gefährdet? Diese und weitere Fragen beantwortet Professor Dr. med. Ellen Hoffmann, Chefärztin der Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin im Städtisches Klinikum München-Bogenhausen den Hallo-Lesern.

Woran erkenne ich eine Herz-Kreislauf-Erkrankung? 

Professor Dr. med. Ellen Hoffmann: Es gibt einige Warnsymptome, die auf eine Herzerkrankung hindeuten. Eine Einschränkung der Belastbarkeit oder ein Druckgefühl im Brustbereich bei Belastung sind erste Hinweise. Dieses Druckgefühl kann auch in den linken Arm, den Unterkiefer oder den Oberbauch ausstrahlen. Andere Beschwerden können Schwindel, Ohnmacht oder Herzstolpern sein. Auch geschwollene Knöchel sind unter Umständen ein Hinweis auf eine Herzerkrankung.

Was sind die häufigsten Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Prof. Hoffmann: Einer Herz-Kreislauf-Erkrankung liegt in vielen Fällen eine koronare Herzerkrankung – eine langsame Verengung der Herzkranzgefäße – oder eine Bluthochdruckerkrankung zugrunde.

Sind wir in Städten wie München eventuell durch Stress und Lärm besonders gefährdet? 

Prof. Hoffmann: Der Lebensstil spielt sicherlich eine Rolle für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob dieser auf dem Land prinzipiell besser ist als in der Stadt hängt vom individuellen Menschen ab. Gesunde Ernährung, Verzicht auf Rauchen, körperliche Aktivität und regelmäßiger, moderater Sport sind wichtige Maßnahmen, um einer Herz-Kreislauf-Erkrankung vorzubeugen. 

Kann man im Fall einer Herzerkrankung grundsätzlich eher zu Bewegung oder eher zu Schonung raten?

Prof. Hoffmann: Heute weiß man aus diversen umfangreichen Untersuchungen, dass bei den meisten Herzerkrankungen, wenn sie entdeckt und gut behandelt sind, Bewegung empfohlen werden kann und oft sogar den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflusst.

Welche sportlichen Aktivitäten sollte man meiden?

Prof. Hoffmann: Generell sollten Belastungen bei Patienten mit Herzerkrankungen nicht fortgesetzt werden, wenn Beschwerden auftreten. Auch sollten Sie vorher mit einem Arzt besprechen, welche Aktivitäten und Belastungsintensitäten für Sie besonders gut sind. 

Wirkt sich unterschiedliche Geh- und Laufgeschwindigkeit auf die Verträglichkeit fürs Herz aus?

Prof. Hoffmann: Heute weiß man, dass das Abwechseln von Geh- und Laufgeschwindigkeit bei sportlicher Betätigung besonders gut ist. Wichtig für einen Trainingseffekt ist, dass der Kreislauf gelegentlich auch stärker belastet wird. Allerdings sollte man dabei nicht übertreiben und bei Beschwerden die Belastung sofort drosseln bzw. eine Pause einlegen. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie sofort Hilfe holen und einen Arzt konsultieren. 

Wirkt sich diese Bewegung tatsächlich nachweisbar auf die Lebenserwartung aus?

Prof. Hoffmann: Viele Studien belegen, dass körperliche Aktivität die Lebenserwartung verbessern kann. Dafür muss man jedoch keinen Marathon laufen. Alltagsaktivitäten und moderate Belastungen haben nachweislich ebenfalls einen sehr guten Effekt.

Ist der positive Effekt tatsächlich eher auf die Bewegung, oder auf das Mehr an Sauerstoff an der frischen Luft zurückzuführen?

Prof. Hoffmann: Der positive Effekt kommt von der Bewegung. Sie hat einen Trainingseffekt für den Kreislauf und Stärkt die Muskulatur des Halte- und Bewegungsapparats. Dies ist auch ein wichtiger Punkt für ältere Menschen, die den normalen Abbauprozessen im Alter mit sportlicher Betätigung und körperlicher Aktivität entgegen treten können. 

Wandern Sie persönlich gerne?

Prof. Hoffmann: In der Natur zu wandern ist für mich persönlich immer mit einer kleinen Auszeit vom Alltag verbunden. So tanke ich Energie für die täglichen Anforderungen. Wandern ist außerdem eine Sportart, die man wunderbar mit der Familie machen kann: Es ist nicht zu anstrengend und man kann so den Kindern die Natur näher bringen. 

Was ist dran am Mythos: Ein Glas Rotwein täglich ist gut fürs Herz? 

Prof. Hoffmann: Es gibt einige Untersuchungen, die gezeigt haben, dass nichts gegen ein Gläschen Rotwein spricht. Rotwein ist allerdings eine wahre Kalorienbombe. Wenn Sie also versuchen Ihr Gewicht zu reduzieren, um ihr Risiko für eine Herzerkrankung zu senken, ist Rotwein wenig nützlich.

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