Hallo-Mitarbeiterin Paulina Demmer testet Wasserstoffauto

Heiße Luft statt Smog

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Es herrscht dicke Luft in München: Seit Jahren übersteigt der Stickstoffdioxidwert der Stadt den EU-Grenzwert. Ein Carsharing-Anbieter will nun Abgase komplett vermeiden.

Es herrscht dicke Luft in München: Seit Jahren übersteigt der Stickstoffdioxidwert der Stadt den EU-Grenzwert, Atembeschwerden und Herzrhythmusstörungen können die Folge sein. Während ein aktuelles Bürgerbegehren die Stadt auffordert, die Schadstoffe zu reduzieren, versucht es ein neuer Carsharing-Anbieter auf andere Weise: Bee Zero will Abgase komplett vermeiden – und zwar mit Wasserstoff! Ob das hilft? Ich möchte mir selbst ein Bild machen: Auf dem Tollwood-Gelände darf ich das Wasserstoffauto testen.

„Marie“ steht schon bereit, als ich eintreffe. Ein Hyundai ix35 Fuel Cell, Kosten circa 65 000 Euro. Optisch unterscheidet sich Marie nicht von herkömmlichen Autos. Innen drin arbeitet aber kein Verbrennungsmotor, sondern eine Brennstoffzelle. „Darin reagiert der gasförmige Wasserstoff mit Sauerstoff aus der Umgebung – das erzeugt Elektrizität, die den Elektro-Motor zum Laufen bringt“, erklärt Sandra Scherb, Geschäftsführerin von Bee Zero. Ich bin skeptisch: Wenn ich Wasserstoff höre, sehe ich vor mir nur das „Hochentzündlich“-Zeichen mit der kleinen orangefarbenen Flamme, das ich noch aus dem Chemieunterricht kenne. „Keine Sorge. Der Tank hält einem Druck von 700 bar stand“, sagt Scherb. Zum Vergleich: Das ist der Druck, der circa 7000 Meter unter dem Meeresspiegel herrscht.

Na dann. Ich setze mich in den Testwagen. Anschnallen, den Schalthebel auf Drive stellen, Fuß von der Bremse und los geht’s. Der Wagen rollt an und mein erster Gedanke ist: Wo bleibt das Motorengeräusch? „Das Fahrzeug macht dank des Elektromotors kaum Lärm“, erklärt Scherb. Klingt gut – aber ist auch ein Nachteil, wenn mich Fußgänger nicht kommen hören. Aus dem Auspuff kommt reiner Wasserdampf. Dass die Gewinnung von Wasserstoff einen extrem hohen Energieaufwand erfordert, umgeht das Unternehmen mit der Verwendung von sogenanntem grünen Wasserstoff. Dieser ist das Produkt einer chemischen Reaktion mit Strom aus Windenergie, soll also umweltfreundlich sein.

Ich drehe zwei Runden auf der Teststrecke. Fazit: Das Fahren mit Wasserstoff fühlt sich leichter an und bietet trotzdem viel Power. Da der Kaufpreis des Autos für mich unbezahlbar ist, könnte Carsharing eine umweltfreundliche Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln sein. Das sieht die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ähnlich: Seit November zählt Bee Zero neben anderen Anbietern als Carsharing-Partner der MVG. Paulina Demmer

Elektro vs. Wasserstoff
Seltene Vehikel in der Stadt: Unter den 712 000 zugelassenen Pkws gibt es laut KVR knapp 1600 E-Autos, aber nur eine Handvoll Wasserstofffahrzeuge. Zwar kommen die länger mit einer Tankladung aus: rund 400 Kilometer. In München gibt es aber nur drei Tankstellen. Die Stadt fördert das Wasserstoff-Modell im Gegensatz zu Batterie-Autos nicht – weil der Bund bereits ein Programm entworfen hat.

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