Aus Haidhausen hoch hinaus

MÜNCHEN „Ich

bin kein Bergfex, geh auch nicht gern bergauf und kann es überhaupt nicht nachvollziehen, wie man auf diese Weise sein Leben riskieren kann“, sagt Jule Ronstedt. Dennoch lockte sie der Vilsmaier-Film „Nanga Parbat“, der am 14. Januar in den deutschen Kinos anläuft und die Himalaya-Expedition der Messner-Brüder erzählt. „Als einzige Frau unter Bergsteigern wochenlang auf 8000 Meter Höhe zu sitzen – das ist schon eine spannende Vorstellung“, meint die 38-Jährige, die mit Mann und Tochter in Haidhausen wohnt. Dabei kennt der Star aus „Wer früher stirbt ist länger tot“ das Gefühl, allein unter Männern zu sein, ganz gut. „In meinem Beruf kommt das ja öfter vor“, lacht die Schauspielerin. Und obwohl sie das „auch durchaus genießen“ könne, freue sie sich, wenn sich mal die Gelegenheit ergibt, „mit einer gleichaltrigen Kollegin zu spielen“. Was auch seine Schattenseiten habe: „An den Münchner Kammerspielen war das Konkurrenzgefühl bei den Frauen am stärksten“, erinnert sich Jule Ronstedt. Aber nicht nur deshalb liegt ihr Film mehr als Theater, verrät sie im HALLO München-Gespräch: „Ich bin eben schnell – und ziemlich ungeduldig.“ Maren Kowitz Allein unter Männern ist man in meinem Beruf öfter. Bei Nanga Parbat bin ich die einzige Frau weit und breit. Aber ich kann das auch durchaus genießen. Bayern ist meine Heimat, die ich sehr liebe. Aber ich mag die „Mia san mia“-Mentalität nicht. Chamäleon: Ich passe mich dem Dialekt meines Gegenübers an, ohne es zu merken Durchbruch: Ich nehme die Erfolgswellen wie sie kommen. Ich bin zu alt, um der Mega-Kino-Superstar zu werden. Aber ich habe für mich viel geschafft: Kammerspiele, Kinofilme, TV-Serien. Erziehung lerne ich durch meine Tochter neu kennen. Wichtig ist, Grenzen zu ziehen. Ich bin eher antiautoritär erzogen worden, das hat mir auch nicht geschadet. Franzi: Wir drehen gerade die dritte Staffel für den BR; mag die Bücher und das tolle Ensemble. Aber ich merke auch, dass ich kein Serien-Fan bin. Finde es spannend, wieder was anderes zu machen. Greenpeace: Für die habe ich gerade eine Benefiz-Lesung in Stralsund im Ozeaneum gemacht – unter einem nachgebauten Pottwal. Habe mich gefreut, sie mal aktiver unterstützen zu können. Helene: Meine Tochter ist acht, und ich staune jeden Tag. Sie will Schauspielerin, Springreiterin, Reittherapeutin oder Regisseurin werden. Ich bin wahnsinnig stolz, mein Leben ist durch sie so viel reicher geworden. Intuition ist beim Regieführen mit das Wichtigste. Ich bemühe mich, immer auf meinen Bauch und nicht auf meinen Kopf zu hören. Jugend: Im Theater der Jugend an der Schauburg werde ich 2011 wieder ein Stück inszenieren. Ich freu mich immer, dort was zu machen, eigene Ideen umzusetzen und Themen aufzugreifen, die Kinder, Jugendliche, aber auch die Eltern interessieren. Kammerspiele: War dort von 1996 bis 2001 und habe viel gelernt von Kollegen und Regisseuren. Aber ich habe auch gemerkt, was nicht mein Ding war. Das Proben und Experimentieren war viel spannender als letztlich die Aufführung. Ich bin schnell und ungeduldig – deswegen bin ich beim Film besser aufgehoben. Leopoldstraße: Habe meine Kindheit im Herzen Schwabings verbracht. Meine Eltern hatten den Leopoldmarkt, einen hippen Kleiderladen in den 70ern. Find’s immer noch toll, wenn ich da vorbeifahre. München ist nicht so provinziell und nicht so schick wie alle sagen. Wenn man hier was macht, wird es bemerkt, es geht nicht unter. In Berlin kann man die tollsten Sachen machen, und kein Mensch guckt. Nanga Parbat: Habe ich nie in echt gesehen. Das Basislager aus dem Film haben wir in Osttirol aufgeschlagen. Oscar: Da denke ich an meinen Opa, nicht an den Filmpreis. Ich gehöre nicht nach Hollywood. Will mir nicht den Busen vergrößern lassen und die ganze Zeit Sport machen, damit mich jemand engagiert. Papa: Zu meinem Vater hatte ich schon immer eine sehr enge Beziehung. Er ist nochmal Papa geworden, meine Halbgeschwister sind zwölf und 17. Unser Vater-Tochter-Verhältnis verändert sich, jetzt reden wir über Erziehung der Kinder. Quicki-Ficki-Familien-Plim-Plim: So hieß mein erster Kurzfilm. Da haben am 4. Advent bei den Kammerspielen alle, die keinen Bock auf Weihnachten haben, mitgewirkt. Reinkarnation: In meinem früheren Leben war ich wahrscheinlich mal Sissi. Ich liebe Wien, das Wienerische. Aber als ich den Dialekt mal in einem Film gesprochen hab, sagte der Wiener Regisseur: „Klingt a bissal nach St. Pölten...“ Scheidung: In der Klasse meiner Tochter gibt es nur fünf Eltern, die noch zusammen sind. Scheidung ist ein dringliches Thema, über das ganz wenig gesprochen wird. Es ist aber wichtig, diesen Verlust zu thematisieren, deswegen habe ich das Theater Stück „Du, Du & Ich“ darüber geschrieben. Tolle Regisseure sind Vilsmaier, Rosenmüller, Kroetz oder auch Thomas Stiller. Die wollen was und brennen für ihr Thema. Von der Sorte gibt es nicht mehr viele in der Branche. Urs: Wir sind jetzt zehn Jahre verheiratet und können das kaum glauben. Noch finden wir es spannend und lustig und schön. Wir haben uns bei den Kammerspielen kennengelernt, Urs war dort Beleuchter. Vorsätze: Mein Mann und ich haben den Vorsatz, dass wir uns mehr begleiten, bei Festen, Premieren, um ein bisschen mehr teilzuhaben an den Erfolgen des anderen – und damit ich nicht mehr gefragt werde, ob es zu meinem Kind auch einen Vater gibt. Wer früher stirbt...: Ein Lieblingsfilm in meiner Vita. Der Erfolg und die Energie dieser Arbeit hat bei mir wieder etwas angezündet. Seitdem sprühe ich vor Lust und Kraft und Ideen. Xaver, Franz Kroetz: Er war für mich der wichtigste Regisseur. So anstrengend er ist, von ihm habe ich gelernt, radikal zu denken, Sachen zu verwerfen, von Null anzufangen. Yoga: Ich bin ein Sportmuffel. Aber seit neun Jahren mach ich zweimal die Woche Yoga. Das brauche ich, sonst werde ich unzufrieden. Zickenterror: An den Kammerspielen war das Konkurrenzgefühl bei den Frauen am stärksten. Das hab ich beim Film nie so erlebt. Im Theater sind die Hierarchien viel verkorkster.

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