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Gestatten, Franz Josef Strauß!

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Franz Josef Strauß (32) lebt mit einem berühmten Namen.
Franz Josef Strauß (32) lebt mit einem berühmten Namen. © Loewe

München – Heuer jährt sich der Todestag des bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef-Strauß zum 30. Mal – Doch er lebt weiter:  in Straßennamen, Erinnerungen und in diesem 32-Jährigen

Am 3. Oktober 1988 starb der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß. Doch auch 30 Jahre nach seinem Tod lebt er weiter – in Straßennamen, Erinnerungen und auch in einem 32-Jährigen, der seinen Namen trägt. So mancher stutzt, wenn er den Namen Franz Josef Strauß in seinem Personalausweis liest: „Am Flughafen beim Check-in, bei der Polizeikontrolle im Auto, da werden die Leute schon aufmerksam,“ lacht der junge Ayinger, der tatsächlich heißt wie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß, „nur ohne Bindestrich.“

Wie es zu dem Namens-Duplikat kam? Die Mama heißt Maria, der Papa hieß Josef. „Jetzt brauchen wir nur noch einen Franz dazu“, entschied der Papa bei der Geburt des kleinen Buben 1986.

Am 3. Oktober 1988 starb der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß.
Am 3. Oktober 1988 starb der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß. © picture alliance/dpa/Archiv

Da war der legendäre Ministerpräsident noch im Amt. „Eine Zeitung wurde durch die Geburtsanzeigen auf mich aufmerksam, ein großer Artikel erschien. Den las auch der Ministerpräsident selbst. Er schrieb – und meine Eltern luden ihn zur Taufe ein. Weil er aber beruflich verhindert war, schickte er mir die Franz-­Josef-Strauß-Medaille als Willkommens-Geschenk. Die hebe ich bis heute auf.“ Mittlerweile hat er sogar eine ganze FJS-Sammlung zuhause: „Bücher, Bilder, Artikel, jeder schenkt mir was dazu.“

Getroffen hat er seinen großen Namenspaten nie, aber dessen Tochter, Monika Hohlmeier, ist er 2014 begegnet. „Wir haben zusammen gegessen, uns unterhalten.“

Der berühmte Name hat ihm nicht immer Vorteile gebracht: „In der Grundschule wurde ich deshalb sehr oft drangenommen. An den Namen hat sich der Lehrer immer erinnert.“ Jetzt, erwachsen, sieht er das ganz locker: „Und wenn mich jemand blöd anredet, stehe ich drüber.“ Würde er politische Karriere machen wollen, „würde mir der Name sicher nützen“, glaubt Strauß. „Aber ich bin nicht gern im Mittelpunkt. Ich bin ein echter Bayer, einer, der zuhause bleiben mag.“

Der ‚FJS ohne Bindestrich‘ ist im Landkreis recht bekannt. Nicht nur wegen seines außergewöhnlichen Namens. Schließlich ist er im Schützenverein aktiv, bei der Freiwilligen Feuerwehr, hat eine Höhenretterausbildung – kurz, er kommt viel rum, ganz ohne Politik.

30. Todestag von Franz-Josef Strauß: seine Spuren in und um München

Der Ring an der Staatskanzlei:
Der Abschnitt zwischen Altstadtringtunnel und Karl-Scharnagel-Ring ist seit 1989 dem langjährigen Ministerpräsidenten und Münchner Ehrenbürger Franz-Josef Strauß gewidmet. Unter anderem haben die Bayerische Staatskanzlei und das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr als Adresse den Franz-Josef-Strauß-Ring.

Büste am Flughafen für Namensgeber:
Der Münchner Flughafen wurde am 17. Mai 1992 in Betrieb genommen und erhielt den Beinamen „Franz-Josef Strauß“. Anlässlich des 100. Geburtstags von Franz-Josef Strauß 2015 organisierte der Flughafen eine Karikaturen-Ausstellung und ließ eine Büste von Franz-Josef Strauß, die der bayerischen Bildhauer Hubert Maier fertigte, im Zentralbereich neben dem Airbräu und vor den Mietwagen-Schaltern aufstellen. „Zum 30. Todestag ist allerdings keine Feierlichkeit oder ähnliches geplant“, teilte eine Sprecherin mit.

Berühmtes Double Helmut Schleich:
Der Kabarettist Helmut Schleich schlüpfte 2010 für den Starkbier-Anstich am Nockherberg in die Rolle des Franz-Josef Strauß. Seitdem lässt er das Polit-Urgestein wieder aufleben – auch beim Anzapfen auf der Wiesn im Herzkasperl­zelt. Für Hallo analysiert er die Faszination der Müchner für Franz-Josef Strauß:

Helmut Schleich schlüpfte 2010 für den Starkbier-Anstich am Nockherberg in die Rolle des Franz-Josef Strauß.
Helmut Schleich schlüpfte 2010 für den Starkbier-Anstich am Nockherberg in die Rolle des Franz-Josef Strauß. © kn

Gerade jetzt zur Wiesnzeit passiert es mir wieder täglich: Ich werde von Menschen angesprochen als „Herr Ministerpräsident“ oder „Herr Strauß“. Der einstige bayerische Ersatzkönig FJS scheint also auch abseits von Autobahnschildern mit „Flughafen München Franz- Josef Strauß“ noch beachtliche Spuren hinterlassen zu haben. Womöglich bin ich daran als sein Wiedergänger nicht ganz unschuldig, aber es ist mehr.

Ich spüre bei vielen dieser Menschen eine latente Sehnsucht nach Heimat. Unabhängig davon, wie sie die Politik von Franz-Josef Strauß bewerten, geht es da stark um ein Gefühl der Wärme in einer vergangenen Zeit, in der München noch mehr bei sich war und nicht so komplett aus dem Häuschen wie heutzutage.

Marie-Julie Hlawica

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