Fasching ist unsere Hochsaison

Josef Parzefall

(Foto, li.) und Richard Oehmann sind die Köpfe – und Hände – hinter „Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater“. „Es macht Spaß, und wir haben als Kasperltheater-Intendanten hundert Untergebene, die uns nicht reinreden können“, freut sich Richard Oehmann (41), der im Glockenbachviertel wohnt. Vor 15 Jahren hat er gemeinsam mit dem Giesinger Josef Parzefall (48) das mittlerweile berühmteste Kasperltheater Münchens gegründet. Gemeinsam haben die beiden auch ein Kasperltheater-Stück für echte Schauspieler geschrieben, das im Herbst im Lustspielhaus Premiere feierte, und noch bis April gespielt wird. Und auch wenn die Zukunft ihrer Stammspielstätte ungewiss ist (siehe Kasten), sind sie doch gefragt wie nie: „Fasching ist unsere Hochsaison, da werden wir besonders oft von Schulen und Kindergärten gebucht“, erklärt Oehmann. Die gestiegene Bekanntheit erklärt er sich durch die produzierten Hörspiele: „Seitdem kennt man uns in ganz Bayern“. Bei den Aufnahmen sind dann auch Stars wie Fredl Fesl, Luise Kinseher, Vroni von Quast oder Christoph Well von der Biermösl Blosn mit dabei. Doch live bleiben die beiden ein Duo, so Parzefall: „Das funktioniert toll, solange nur vier Charaktere auf der Bühne sind.“ Maren Heußler Alligator ist bei uns ein Krokodil und heißt Chantal. Sie ist sehr gefräßig und redet viel Französisch. Wenn sie nicht brav ist, drohen wir ihr an, dass sie als Handtasche endet. Beruf: Unsere sind Schauspieler, Autoren, Kasperltheater-Intendanten und Puppenspieler. Wobei Puppenspieler am nettesten klingt. Deswegen habe ich meine Wohnung in Giesing bekommen. Mein Vermieter fand, das muss man unterstützen. Comedy: Machen wir nicht. Da muss man immer versuchen, aktuelle Sachen zu bespaßen. Und zwei Monate später ist es schon nicht mehr lustig. Wir schöpfen die Komödie lieber aus Geschichten, Wirrwarr und Charakteren. Döblinger: Vielleicht ist Dr. Döblinger gerade in Döbling, einem Stadtteil von Wien. Wir glauben, er existiert und findet es gut, was wir machen. Eder: Alfred Pongratz war der bessere Meister Eder. Angenehm unkorrekte Kinderunterhaltung: „Ich brauch’ jetzt an Schnaps.“ Fasching: Sollen die anderen lustig sein, die tagsüber in der Sparkasse arbeiten – wir sind ja schon die ganze Woche lustig... Geschmack: Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater ist eine fadenscheinige Selbstanpreisung, dabei haben wir beide keinen guten Geschmack. Hölle: Der Teufel ist eine Kasperlpuppe, deswegen haben wir auch keine Angst vor der Hölle. Unser Höllen-Bühnenbild ist sehr schön. Isar: Da lernt das Krokodil das Nilpferd Uwe kennen – im Rahmen der Renaturierung gibt’s da jetzt Nilpferde – und verliebt sich. Jugendfrei: Bei uns gibt es keine moralischen Instanzen, Großmutter flucht, aber wir vermitteln: „Freut Euch an kleinen Dingen“ und „Packt’s an!“ Krapfen: Unsere Krapfenpuppe hat Starqualitäten – sie und der Schokoladenpudding sind die geheimen Stars unseres Theaters, das Sahnehäubchen. Lustig ist bunt und hüpft herum. Witzig ist besser. München ist auch ein großes Hinterwieselharing mit mehr reichen Menschen und mehr Milchschaum... Nockherberg: Institution in Bayern. Schauen wir gerne, aber man müsste es noch härter machen. So ist es geduldete Hofnarrerei. Original: Überstrapazierter Begriff, der aber gut auf unsere Puppen anwendbar ist. Unser Xaverl ist eine Original-Parodie mit immer einem lustigen Spruch. uppen: Wir können nur mit unseren Puppen umgehen. Quast: Vroni hat mal in einem unserer Hörspiele eine grantige Krähe gespielt. Jetz haben wir sie als Hexe für unser erstes Schauspiel engagiert: „Kasperl und die wahre Liebe.“ Ribisel: Bei mir im Haus wächst ein Johannisbeerstrauch. Ich ernte immer heimlich – für Marmelade. Sex: Zwischen Pfarrer und Prinzessin ist da annähernd schon mal was vorgefallen. Tri-Tra-Trallala: Altes Kasperllied – heißt weiter nördlich Tri-Tra-Trullala Unterhaltung: Kasperltheater ist Kinderunterhaltung – manchmal auch für Erwachsene. Viktualienmarkt: Da hab ich mal gewohnt. Sehr scherbig am Faschingsdienstag. Wieso? Wenn wir’s nicht machen würden, würd’s jemand anders machen. Und der könnt’s dann vielleicht nicht so gut. Xundheit: Wird bei uns ein Thema, müssen Bühne auf- und abbauen. Dabei hatte Richard heuer 20 Jahre Bandscheibenvorfall. Yuhuu! Großmutter sagt: „Yuhuu!“ und Kasperl sagt: „Ja, schon Yuhuu!, aber..“ Zipfelmütze mit Glöckerl ist leider eine Mode, die noch nicht zurückkehrt. Jeder Schmarrn kommt wieder, aber so was Schönes nicht. Abschied vom "...und so fort" Zum 15-jährigen Jubiläum von „Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater“ gibt es traurige Nachrichten. Das Stammspielhaus, das Theater „...und so fort“ in der Hans-Sachs-Straße verliert seine Räumlichkeiten. „Wir hoffen, das bedeutet nicht das Ende des Theaters, sondern nur eine Adressänderung“, betont Josef Parzefall. Im Februar und März spielen er und Richard Oehmann dort noch jeden Sonntag um 14.30 und 16 Uhr (Reservierungen unter Telefon 23 21 98 77). Die ersten beiden Aprilwochenenden gibt es dann zum Abschied sogar noch besondere „Kasperl-Spieltage“ im Theater „...und so fort“. heu

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