Hallo-Interview

Abo-Abzocke

Ein falscher Klick am Smartphone, und schon sind 28 Euro monatlich weg. Wer dahinter steckt und wie man sich schützt, lesen Sie in Hallo München.

Was ist das denn? „Vielen Dank für Ihre Anmeldung bei M-Strategy zu 6,99 Euro pro Woche im Abonnement. Mehr Infos unter....“ Diese Kurznachricht hat Lena Müller (Namen von der Redaktion geändert) jetzt auf ihrem Smartphone erhalten. Die Maxvorstädterin ist sauer: „Ich kenne M-Strategy nicht und habe auch keinen Vertrag abgeschlossen“, schimpft die 41-Jährige.

Was war passiert? Dahinter können sich Werbung, gefälschte Buttons und versteckte Links verstecken. „Vermutlich hat der Nutzer beispielsweise Werbung weggeklickt, ist verrutscht und dann kann ein etwaiger Drittanbieter – in diesem Fall M-Strategy, der Video-Abos anbietet – Zugriff auf die Daten bekommen und Abos versenden“, erklärt Katharina Grasl, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern.

Aber ist ein Vertrags­abschluss ohne Zustimmung des Verbrauchers rechtens? „Nein, er ist nicht wirksam“, erklärt Grasl. „Bei einem Vertrags­abschluss muss genau ersichtlich sein, welche Kosten auf den Nutzer zukommen.“ Der Verbraucherzentrale Bayern ist die Betrugsmasche bekannt – „es kommen immer Beschwerden“, so Grasl.

Rechtens wäre es folgendermaßen – die Expertin gibt ein Beispiel: Möchte ein Nutzer einen Astro-Service buchen, klickt er sich von Button zu Button. Bis letztendlich ein Button „Kaufen“ auftaucht. Klickt er den, ist der Vertrag wirksam. Viele Smartphone-Nutzer kennen die Abo-Falle: Im Internet gibt es Foren, in denen sich die Geschädigten ärgern. Auch sie haben Nachrichten von M-Strategy erhalten – alle sollen 6,99 Euro zahlen – obwohl sie alle wie auch Lena Müller nichts abgeschlossen haben. „Die Drittanbieter bauen darauf, dass die Nutzer nichts merken, wenn die Kosten via Telefonrechnung abgebucht werden.“

Abo-Abzocke hängt übrigens nicht mit dem Mobilfunkanbieter zusammen: Ob Congstar, O2, Vodaphone, Telekom, E-Plus... – Nutzer jedweder Anbieter sind betroffen. Vielmehr geben die Mobilfunkanbieter im Internet Tipps, wie sich der Verbraucher schützen kann und was zu tun ist. Ines Weinzierl

Wie man aus der Abo-Falleheraus kommt, erklärt die Juristin der Verbraucherzentrale im Hallo München-Interview.

„Drittanbietersperre einrichten lassen“

„Verträge, die unwissentlich abgeschlossen werden – sind unwirksam“, sagt Katharina Grasl, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern. Der Expertin sind die Smartphone-Abo-Fallen bestens bekannt. Wie man sich schützt und wer dahinter steckt, lesen Sie hier.

Katharina Grasl, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern
Wer steckt hinter solchen Abos?
Der Telefonanbieter muss es auf jeden Fall wissen. Weil der Drittanbieter über die Telefongesellschaft abrechnet.
Bekommen viele Münchner solche SMS?
Es kommen immer wieder Fälle rein, die alle recht ähnlich sind.
Wie ist die Erfolgsquote der Drittanbieter, die Abo-Fallen verschicken?
Der Nutzer muss merken, dass monatlich neben der Telefonrechnung weitere Beträge abgebucht werden. Sind es vielleicht nur 3,99 Euro fällt es nicht gleich auf. Deshalb sollte jeder seine Handyrechnung überprüfen. Denn Drittanbieter tauchen samt Kosten und Adresse auf der Rechnung auf. Es scheint sich für die Drittanbieter aber auf jeden Fall zu lohnen.
Im Internet kursieren Gerüchte, dass Telefonanbieter mitverdienen sollen...
Da wir die Abrechnungssysteme nicht im Einzelnen kennen, lässt sich das schwer beurteilen.
Was raten Sie?
Unbedingt eine Drittanbietersperre einrichten lassen – sie kann bei jedem Telefonanbieter kostenlos angefordert werden. Obendrein ist es wichtig, die Telefonrechnung beim Anbieter zu beanstanden, den Betrag zurück zu buchen, gleichzeitig aber die Telefonrechnung zu zahlen sowie dem Drittanbieter und der Telefongesellschaft zu schreiben und mitzuteilen, dass kein Vertrag zustande gekommen ist.
Wenn man eine Drittanbietersperre installieren lässt, kann man dann weiterhin im App-Store Programme runterladen?
Ja, das ist weiterhin möglich.

Weitere Informationen unter www.verbraucherzentrale-bayern.de

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