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Marihuana auf Rezept ab 1.März

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Kiffen gegen Schmerzen? Franz Wolf darf das schon jetzt per Sondergenehmigung. Ein neues Gesetz, das am 1. März in Kraft tritt, ermöglicht auch anderen Patienten den Konsum.

Zur Schmerztherapie gibt es ab 01.März Marihuana in Apotheken zu kaufen - aber nur mit Sondergenehmigung. Eine Münchner Petition fordert noch mehr.

Franz Wolf ist der Extremfall: Seit 30 Jahren kifft er, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen, die er seit einem schweren Verkehrsunfall hat. Der 49-jährige Münchner ist einer von knapp 1000 Bürgern, die per Sondergenehmigung Cannabis auf Rezept in der Apotheke holen können. Nicht chronisch, dafür illegal ist es bei Alexander Müller (Name geändert). Diagnose: Gürtelrose. Manchmal ist es so schlimm, dass er sich vor Schmerzen krümmt. Weil andere Mittel nicht anschlagen, rät ihm ein Mediziner zu Cannabis. „Das ist das einzige, was meine Schmerzen lindert“, erzählt der 41-Jährige. Den Umstand, dass sein Erwerb illegal ist, nimmt er in Kauf.

Wolf und Müller sind nicht die einzigen, die auf die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis schwören. Verbände, Patienten und auch Politiker setzen sich seit Jahren für die Legalisierung des Rauschmittels ein. Jetzt hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das ab 1. März Ärzten erlaubt, Cannabis zu verschreiben, und Krankenkassen verpflichtet, die Kosten zu übernehmen, wenn einem Patienten nichts anderes mehr hilft.

„Das wurde höchste Zeit“, sagt Wenzel Vaclav Cerveny, der den Cannabis-Verband in München leitet. Aber in seinen Augen nicht genug: Er fordert, Konsum und privaten Anbau zu legalisieren. Dafür startet er am heutigen Mittwoch eine Petition. Und noch in diesem Frühjahr will er ein Cannabis-Therapie-Zentrum in Trudering eröffnen (siehe unten).

Was für die einen längst ein heilsames Mittel gegen Schmerz und Krankheit ist, gilt für die anderen noch immer als illegale, berauschende Droge. Relativ gelassen sieht das Allgemeinmedizinier Franjo Grotenhermen: „Die Medizin setzt viele Drogen ein, aber natürlich verschreibt man ein Opiat nicht bei Schnupfen.“ Der Experte, Vorsitzender der „Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“, warnt jedoch: „Einen Freizeitkonsum von Cannabis kann ich nicht befürworten.“ Hier liegt seiner Ansicht nach die Gefahr: „Die Petition, die in Bayern gestartet wird, würde Freizeitkonsum ermöglichen.“

Gegen die Eröffnung eines Therapiezentrums spricht seiner Ansicht nach nichts. „In Frankfurt etwa gibt es schon eine sehr gute Beratungsstelle.“ Die Pflanze habe in der Medizin ohnehin eine lange Tradition. „Cannabis ist erst in den vergangenen Jahrzehnten out geworden.“

Andere Nutzer, wie Miriam Meier (Name geändert), indes fordern: „Die Medizin sollte mehr zu Cannabis forschen.“ Die 53-jährige Juristin hat einen Hirntumor, der Krebs ist nicht das erste Mal aufgetreten. Wenn sie eine Chemotherapie macht, ist ihr oft übel, sie bringt kaum einen Bissen herunter – immer dann greift sie zu Haschisch. „Das steigert meinen Appetit“, erzählt sie. „Es gibt Studien mit Mäusen, die zeigen, dass Cannabis die Zellen empfänglicher für die Chemo macht.“ Die Hoffnung der Krebspatientin: „Ich setze auf die Forschung.“ hki

Cannabis als Medizin? In Trudering ist ein Zentrum geplant, in dem Ärzte beraten und Patienten berichten sollen.

Das erste Cannabis-Therapie-Zentrum soll in München entstehen
Es soll das erste Cannabis-Therapie-Zentrum der Republik werden, das gerade in München geplant wird. Das Konzept: Ein Arzt behandelt, Professoren halten Vorträge und Patienten, die bereits per Sondergenehmigung Cannabis konsumieren, sprechen über ihre Erfahrungen. „Wir wollen einen Raum schaffen, in dem sich die Menschen informieren und beraten lassen können“, sagt Wenzel Vaclav Cerveny, der den Cannabis-Verband leitet. Die Krux: Noch fehlt Geld für das Projekt. Für die Finanzierung geht er Mitte Februar mit einer Crowdfunding-Kampagne an die Öffentlichkeit. Räume für das Zentrum hat er indes bereits gefunden: Etwa 1000 Quadratmeter groß soll das Therapiezentrum in Trudering werden. Die Eröffnung ist für das Frühjahr geplant. 

„Bedarf und Interesse sind da“, sagt Cerveny überzeugt. Er kandidierte einst als Bayernparteiler für den Landtag – allerdings erfolglos. Was aus der Zeit blieb: „Die Menschen haben das Thema an mich herangetragen – vielen Patienten würde Cannabis helfen.“

Doch in den Apotheken seien nur neun der insgesamt mehreren hundert Sorten erhältlich, und Krankenkassen finanzieren den Konsum lediglich bei Schwerstkranken. „Aber wo ist die Grenze zwischen krank und schwer krank?“, fragt Cerveny. In seinen Augen reicht das jüngst verabschiedete Gesetz jedenfalls nicht. hki

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