Vom eigenständigen Dorf zum bedeutenden Stadtbezirk

Eingemeindung vor 130 Jahren: Wie Schwabing am 20. November 1890 zum Münchner Stadtteil wurde

Eine Radierung zeigt den Blick von Norden auf München.
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Eine Radierung zeigt den Blick von Norden auf München.

Am 20. November 1890 wurde die damalige Stadt Schwabing nach München eingemeindet. Hallo hat mit einem Historiker über das geschichtliche Ereignis gesprochen.

  • Die Eingemeindung von Schwabing ist inzwischen 130 Jahre her.
  • Am 20. November 1890 wurde die damalige Stadt zu einem Münchner Stadtteil.
  • Das historische Ereignis wurde damals groß gefeiert.

Schwabing - Ein historisches Datum steht bevor: Am 20. November 1890 – vor 130 Jahren – wurde Schwabing ein Teil von München. Die Geschichte des heutigen Stadtbezirks reicht jedoch weit länger zurück: „Schwabing wurde 782 erstmals urkundlich als Suuapinga erwähnt“, so der ortsansässige Historiker Thomas Jacobi. Damit sei es schon deutlich früher erwähnt worden als München selbst. „Der Name kommt von Swapo und bedeutet Siedlung eines Schwaben.“

München: Am 20. November 1890 wurde die Stadt Schwabing eingemeindet

Lange Zeit war Schwabing eigenständig – zuerst als Dorf, dann als Stadt. Denkt Jacobi an dessen Ursprünge, denkt er an Altschwabing, an St. Sylvester – oder wie es damals noch hieß: Sankt Ursula. „Hier war einmal der Dorfkern“, erklärt er. Von der Geschichte seines Wohnviertels ist der 55-Jährige schon seit seiner Kindheit fasziniert: „Innerhalb kürzester Zeit wurde Schwabing von einem Bauerndorf zu einer eigenen Stadt und schließlich zu einem bedeutenden Stadtteil Münchens.“

Thomas Jacobi, ein Historiker aus Schwabing-West, weiß allerhand über die Eingemeindung des zentralen Stadtteils.

Schwabing: Am 1. Januar 1887 wurde das Dorf zur Stadt erhoben

Eine erste Anfrage von München, ob sich das damalige Dorf eingemeinden will, habe es bereits 1864 gegeben, so Jacobi. Das habe Schwabing damals aber noch mehrheitlich abgelehnt. „Man wollte selbstständig bleiben.“ Stattdessen wurde das Dorf am 1. Januar 1887 zur Stadt erhoben. Im Laufe der Zeit ist Schwabing nämlich immer größer geworden. Jacobi erklärt: „Im 19. Jahrhundert ist die Bevölkerungszahl allgemein gewachsen, eine Landflucht hat eingesetzt, Städte und Vororte haben Zuwachs bekommen.“ Zum Vergleich: 1861 hatte das Dorf noch 1974 Einwohner, 1890 – nur 29 Jahre später bei seiner Eingemeindung – lebten in der Stadt Schwabing 11 589 Menschen auf einer Fläche von 1195 Hektar, so Jacobi.

Ein Plan zeigt die Stadtbezirkseinteilung von 1891.

München: Eingemeindung von Schwabing war großes Ereignis

„Die Eingemeindung war ein großes Ereignis, das gefeiert wurde“, erzählt der Historiker. „Man hat wehmütig auf die eigene Selbstständigkeit zurückgeblickt, aber auch die Chancen gesehen, die man künftig als Teil Münchens hat.“ Schwabing sei damals hoch verschuldet gewesen. „Man hat von der Eingemeindung profitiert.“ Zudem habe das neue Stadtviertel auch Flächen dazugewonnen. „Die Straßen und Gebäude, die direkt anschlossen, wurden dem neuen Stadtteil zugeschlagen und so wurde er bis zur Georgenstraße erweitert.“

Schwabings letzter Bürgermeister

Alois Ansprenger war Schwabings letzter Bürgermeister.

Der letzte Bürgermeister der Stadt Schwabing war der Baumeister Alois Ansprenger. „Er war Schwabings erster liberaler Bürgermeister.“ Nach der Eingemeindung sei er als Magistratsrat in der Stadtverwaltung aktiv geblieben. „Er war unter anderem für das Oktoberfest und die Friedhofsverwaltung zuständig.“ Außerdem stellte das Bauunternehmen Ansprenger – in nur eineinhalb Jahren – die protestantische Erlöserkirche nach den Plänen Theodor Fischers 1901 fertig.

Eine Postkarte zeigt die Erlöserkirche um 1910 mit Trambahn.

Die Geschichte Schwabings hat Reinhard Bauer 2019 im Buch „Schwabing im Wandel der Zeit“ (WIKOMmedia Verlag) aufgearbeitet. Thomas Jacobi hat das Werk mit Beiträgen ergänzt.

In Teil 2 gibt es nächste Woche zu lesen: 

Schwabing nach 1890

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