München & Freising

Erzbistum München-Freising lässt ab Herbst nichtgeweihte Gemeinde-Leiter zu

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Reinhard Kardinal Marx (63) ist der Erzbischof von München und Freising. Foto: dpa

Eine Premiere in den Pfarreien: Ab jetzt werden auch Laien statt Priester als Gemeinde-Leiter eingesetzt.

Da hat der Kardinal seine Meinung gehörig geändert: Als Reinhard Marx vor neun Jahren Erzbischof von München und Freising wurde, hatte er noch gefordert, dass an der Spitze jeder Pfarrei ein Priester stehen müsse. Das soll sich nun ändern: Künftig wird es im Erzbistum auch Pfarreien geben, deren Leitung Teams aus untereinander gleichberechtigten haupt- und ehrenamtlichen Laien übernehmen. Sie sind dann etwa für Verwaltung, Finanzen und Personalführung zuständig oder auch für einen Kindergarten. Eucharistiefeiern bleiben weiter Priestern vorbehalten.

„Auch ein Kardinal lernt immer noch dazu“, kommentiert Marx sein Umdenken und erklärt: „Wir erleben einen großen Umbruch in der Kirche, einen großen Rückgang an Priestern und pastoralen Mitarbeitern – und damit müssen wir arbeiten.“ Die Lösung könne aber nicht sein, die Pfarreien immer größer zu gestalten, um sie der sinkenden Priesterzahl anzupassen. „Denn wir müssen eine Ortskirche bleiben.“

Bis Ende März will die Kirche nun Dekanate auswählen, in denen die Laien-Leitungen als Pilotprojekte starten. In jeder der drei Seelsorgsregionen des Erzbistums – München, Nord und Süd – soll es ein Teilnehmer-Dekanat geben. Welches jeweils auserkoren wird, sollen die Weihbischöfe mit den Katholiken vor Ort bestimmen. Die Voraussetzungen dafür formuliert Kardinal Marx so: „Es sollten Pfarreien sein, die so kräftig und lebendig sind, dass sie so ein Experiment machen können.“ Es dürfe nicht so sein, dass man sage, „für die finden wir eh keinen Pfarrer, die müssen das jetzt so machen“.

Starten sollen die Pilotprojekte dann im Herbst – und „erst mal zwei, drei Jahre laufen, bis wir ein Fazit ziehen“, sagt Klaus Peter Franzl, Leiter des Ressorts Personal beim Erzbistum.

Der aktuelle Schritt sei mitnichten einer, der die Laien als Notlösung für den wachsenden Priestermangel missbrauche, ergänzt Kardinal Marx. „Denn das Zweite Vatikanische Konzil hat vom ,Priestertum aller Gläubigen‘ gesprochen, alle Brüder und Schwestern also bilden die Kirche.“ Auch mit dem Kirchenrecht gehe das Laien-­Projekt konform.

Und noch ein Gesichtspunkt spielt dabei eine wichtige Rolle: „Nicht alle Priester sind willens oder fähig, einen großen Pfarrverband zu leiten“, sagt Marx. „Das Talent eines Priesters kann es stattdessen vor allem sein, sich um die Seelsorge Sterbender zu kümmern.“ Manche Pfarrverbände hätten heute ja die Größe mittelständischer Betriebe, fügt Personal-Chef Franzl hinzu. „Da braucht’s entsprechende Wirtschaftskenntnisse.“ Ein Aspekt, der bei der Auswahl der Laien-Leiter zu bedenken sei. Die detaillierten Anforderungen an die künftigen Laien-­Teams gelte es nun noch auszuarbeiten.
Christopher Beschnitt

So viele Priester gibt es im Erzbistum

569 aktive Priester arbeiten im Erzbistum München-Freising. Monsignore Klaus Peter Franzl, Leiter des Ressorts Personal, schlüsselt diese Zahl auf: „Wir haben 341 Diözesanpriester, 165 Ordenspriester sowie 63 Priester aus anderen Diözesen.“ Trotz des Rückgangs an Priestern werde das Erzbistum auch in 15 Jahren noch genügend aktive Priester haben, um jede Pfarrei mit einem zu versorgen. Indes seien von den 1200 Stellen in der Seelsorge 90 Prozent besetzt – gut die Hälfte mit Priestern, hinzu kämen Diakone sowie Pastoral- und Gemeindereferenten.

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