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»Der Bergdoktor hat mir geschadet«

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Gerhart Lippert

aus dem Zug. „Mit dem Auto nach München zu fahren, ist mir zu stressig“, sagt der 72-Jährige. Noch immer kommt der Volksschauspieler aus seinem Tiroler Heimatdorf am Fuße des Kaisergebirges häufig für Drehtermine in die Bayernmetropole – hier genießt er die städtische Atmosphäre. Wird er auf der Straße erkannt, dann grüßen ihn die Leute meistens mit „Ah, der Herr Bergdoktor!“. Dabei starb Lippert in seiner Rolle als „Dr. Thomas Burgner“ schon vor mehr als zehn Jahren den Lawinentod – und ist überhaupt auf den vermeintlich größten Erfolg seiner Schauspiel-Karriere nicht gut zu sprechen. „Der Bergdoktor hat mir beruflich und familiär geschadet“, sagt Lippert. Denn als Schauspieler sei er danach nur noch in die Unterhaltungs- Schublade gesteckt worden: „Anspruchsvolle Rollen habe ich seitdem leider nicht mehr bekommen.“ Auch seine Töchter würden – egal, ob in der Schule oder im Beruf – das Schreckgespenst Dr. Burgner nicht los. „Da heißt’s dann immer nur ,die Dirndln vom Bergdoktor‘, das nervt sie natürlich“, meint der Tiroler. Lieber denkt Lippert deshalb an die Zeit beim Komödienstadel im Bayerischen Fernsehen zurück: Auf Initiative des großen Volksschauspielers Gustl Bayrhammer machte der damals 20-Jährige schon in den 60er-Jahren bei der renommierten Volkstheater-Sendung mit, die heuer 50. Jubiläum feiert, und gehörte so als einer der ersten zum Ensemble. In insgesamt zwölf Stadel-Stücken trat Gerhart Lippert auf – meistens als jugendlicher Liebhaber. Aus heutiger Sicht mache dieses Engagement zwar „nur mehr einen Miniprozentsatz“ seines Berufs aus. Die Zeit möchte Lippert trotzdem nicht missen: „Gute Volksschauspieler sind schließlich Leute, mit denen sich das Publikum identifiziert“, sagt er. Katharina Kraus Alter: Ja, das kann man sagen zu mir. Mein Alter ist schon sehr weit fortgeschritten. Bergdoktor: Diese Rolle hat mir im Nachhinein beruflich und familiär geschadet. Das Team aber war super, außerdem war ich nicht weit weg von daheim und viel im Freien unterwegs. Charme: Ein Glücksfall, wenn man ihn mitbekommen hat. Dialekt: Ich bin verschrien als Dialekt-Chamäleon. Meine Frau sagt, sie weiß immer genau in welcher Region ich beim Drehen war – ich nehme die Dialekte sehr schnell an. Engagement: Immer schon. Hauptsächlich kümmere ich mich um Kinder, zum Beispiel bei der Kinderkrebshilfe Tirol. Aber auch früher, im Internat, habe ich mich um die Jüngeren gesorgt. Fitness: Früher hab ich Leichtathletik als Hochleistungssport gemacht. Aber ich gehöre nicht zu denen, die meinen, im Alter noch Bäume ausreißen zu müssen. Ich gehe Rad fahren oder schwimmen. Glaube: Nicht innerhalb einer bestimmten Konfession. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es etwas gibt, das uns schützt und führt. Hausmann: Gerne, vor allem in der Küche: Von Spaghetti oder Asiatischem bis Lammkeule oder Kaiserschmarrn mache ich alles. Ideale: Die werden durch die Gesellschaft um uns herum zerbröselt. Vor allem was die Kinder betrifft – die sollten sich eigentlich in den Familien entwickeln, aber dafür bleibt meistens zu wenig Zeit. Joghurt: Den machen wir auch selber, und ich verwende ihn oft zum Kochen. Komödienstadel: Den Anstoß dafür hat Gustl Bayrhammer gegeben, wohl aufgrund meines Dialekts. Und ich dachte mir, warum nicht, wenn die Partner stimmen. Lieblingsplatzl: Seit Kindheit an sind die Berge mein Ruhepol, aber auch im Haus oder Garten gibt es viele Ecken, in denen ich richtig gut entspannen kann – in der Hängematte zum Beispiel. Musical: Ja, sowieso! Als Darsteller und Regisseur. Meine Lieblingsrolle war Don Quichote in „Der Mann von La Mancha“. Neugierig: Das liegt wohl in der Natur des Berufs: Ich habe alle Ecken abgeklappert, bin zum Beispiel aus Serien ausgestiegen, wenn sich da nichts mehr weiterentwickelt hat. Ich bin neugierig auf alles, teste, wie weit ich gehen kann. Ordnung: Für mich muss das Haus sauber und gepflegt sein, aber noch so persönlich, dass man sieht, dass darin auch gelebt wird. Einen Ordnungsfimmel hab ich nicht. Pferde: Haben wir. Bin verrückt nach Pferden – und trotzdem nach einem Sturz vom Pferd während Dreharbeiten sieben Jahre lang auf keines mehr gestiegen. Qual: Das ist für mich meine Unzufriedenheit mit mir und meiner Arbeit. Regie führen: Ich weiß um die Nöte der Schauspieler und kann, glaube ich, viel Einfühlungsvermögen für Andere aufbringen. Schauspielerei: Das Schönste ist, wenn Gesang dazukommt – das Musical „Kiss me Kate“ ist das beste Beispiel. Töchter: Haben wir drei – und alle wollen oder sind in der Tourismus-Branche tätig. Urlaub: Ich wohne ja in einer Gegend, wo andere viel Geld bezahlen, um dort Urlaub machen zu können. Mal ans Meer oder nach Südtirol, das machen wir aber natürlich schon. Vergangenheit: Die sollte man nicht mitziehen. Ich lebe im Jetzt. Nachtarocken macht das Leben nur schwer. Weihnachten: Das Fest verbringen wir schön ruhig: Vor der Bescherung fahren wir ans Grab meiner Eltern, stellen einen kleinen Christbaum auf, zünden Kerzen an und singen. Meistens sind wir dabei ganz alleine, da rückt der Trubel um Geschenke schnell in den Hintergrund. Xylophon: Schön, wenn man es toll spielen könnte. Yoga: Habe diese Geschichte schon öfters ausprobiert. Versuche das auch im Wasser zu machen, das ist gut für meinen Rücken. Zuhause: Ist bei uns der Mittelpunkt des Lebens.

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