Bürgerversammlung

Hitzige Debatte in Eiseskälte

+
Nicht nur Axel Markwardt (mit Brille) fror über drei Stunden lang bei der Schwabinger Bürgerversammlung in der Kreuzkirche. Der Kommunalreferent war gekommen, um die neuen Pläne für den Elisabethmarkt vor den zahlreichen Kritikern zu verteidigen.

Zwei Themen beherrschen Bürgerversammlung: Die Temperatur vor Ort und der Elisabethmarkt.

Den wichtigsten Antrag stellte die Bürgerversammlungsleiterin, Stadträtin Dr. Evelyn Menges, ganz zum Schluss. „Ich beantrage, dass die Verwaltung künftig Bürgerversammlungen in Kirchen im Sommer abhält oder für eine Heizung sorgt.“ Bis zu diesem Zeitpunkt hatten aber nur etwa 50 der ursprünglich gekommenen 350 Bürger ausgeharrt. Die anderen waren vor der Kälte in der ungeheizten Kreuzkirche geflüchtet.

Dementsprechend konnten auch nur die ganz unempfindlichen über die Anträge abstimmen, die sich in diesem Jahr hauptsächlich um den Elisabethmarkt drehten. 16 Anträge und Anfragen von elf Bürgern richteten sich gegen den geplanten Abriss und Neubau des Marktes und forderten ein Alternativ-Konzept der behutsamen Sanierung.

Dabei wurde immer wieder ein Vorwurf laut, den beispielsweise Dr. Hermann Niemeyer vorbrachte: „Hygiene und Feuerschutz sind nur vorgeschobene Gründe.“ In Wirklichkeit ginge es der Stadt darum, das Bauprojekt der Stadtsparkasse zu ermöglichen, die auf dem gegenüberliegenden Grundstück 200 Wohnungen errichten will. Deswegen brauche man Platz auf dem Elisabethplatz für eine Feuerwehrzufahrt und die geplante Tiefgarageneinfahrt. „Jeder Bauherr muss auf seinem eigenen Grundstück eine Feuerwehrzufahrt nachweisen – wieso wird für die Stadtsparkasse eine Ausnahme gemacht“, fragte Ursula Hotopp-Stadler.

Vertreter der Stadtsparkasse veröffentlichten zu den Vorwürfen im Nachgang der Bürgerversammlung eine eigene Stellungnahme (siehe Info unten). Direkt vor Ort war Münchens Kommunalreferent, Axel Markwardt, der die Pläne verteidigte und deutlich warnte: „Wenn wir die Marktkonstruktion so beließen, müssten neun Händler den Elisabethplatz verlassen.“ Der Neubau ermögliche es allen zu bleiben und niemand müsse mehr – wie bisher – aus der zweiten Reihe verkaufen. Außerdem beinhalte das neue Konzept mehr Platz für Grün und eine neue öffentliche Toilettenanlage. Der Sorge der Bürger, der Charakter und Charme ihrer Wohlfühloase gehe verloren, setzte er entgegen: „Man wird dafür sorgen, dass Farbe und Material des Neubaus möglichst gleich bleiben.“

Die Kritiker waren damit nicht versöhnt. Alle Anträge gegen einen Totalabriss wurden verabschiedet. Markwardt versprach eine Info- und Diskussions-Veranstaltung – dann im Warmen.
Maren Kowitz

Das sagt die SSPK

Zu den Vorwürfen auf der Bürgerversammlung gab die Stadtsparkasse (SSPK) München ein Statement ab. Hier die wichtigsten Auszüge:

– Wichtig ist uns, dass wir hier keine Luxuswohnungen errichten, sondern Mietwohnungen, die wir auf Basis des Münchner Mietspiegels vergeben.

– Würde man die Feuerwehrzufahrt in den Innenhof der Wohnbebauung führen, könnten die dort vorgesehenen zwei Kindertagesstätten sowie ein Teil der Mietwohnungen wahrscheinlich nicht realisiert werden.

– Für die erforderlichen Stellplätze unseres Anwesen schaffen wir Platz in unserer eigenen Tiefgarage, die ausschließlich auf unserem Grund liegen wird. Auf Bitten des Bezirksausschusses sollen jedoch weitere 50 Anwohnerstellplätze geschaffen werden. Ob in unserer Tiefgarage oder unter dem Markt wird noch untersucht. – Die Zufahrt für die Tiefgarage und Lagerflächen des Marktes soll über die Tiefgarage der Stadtsparkasse erfolgen, damit am Markt keine Flächen für eine Tiefgaragenrampe verloren gehen.

Auch interessant:

Meistgelesen

Der Senfladen am Viktualienmarkt sagt Adieu – zwei weitere Standl frei
München Mitte
Der Senfladen am Viktualienmarkt sagt Adieu – zwei weitere Standl frei
Der Senfladen am Viktualienmarkt sagt Adieu – zwei weitere Standl frei
Nur zwei Prozent der Familien wollen Knecht Ruprecht neben Nikolaus sehen
München Mitte
Nur zwei Prozent der Familien wollen Knecht Ruprecht neben Nikolaus sehen
Nur zwei Prozent der Familien wollen Knecht Ruprecht neben Nikolaus sehen
Geschenkter Ärger
München Mitte
Geschenkter Ärger
Geschenkter Ärger
Alkoholkontrolle zuhause!
München Mitte
Alkoholkontrolle zuhause!
Alkoholkontrolle zuhause!

Kommentare