Sie machen Oper für den Frieden

+
Ein gutes Team: Cornelia Lanz, Walaa Kanaieh aus Syrien, Regisseur Dominik Franz und Kursleiterin Dana Pflüger (v.l.).

Studenten und Flüchtlinge führen das Stück „Zaide. Eine Flucht“ in einer Münchner Fassung auf.

Es gibt Momente, bei denen plötzlich alle Unterschiede verschwinden. Momente wie sie Cornelia Lanz aus Deutschland und Walaa Kanaieh aus Syrien vor kurzem bei einem Konzert erlebt haben. Ganz am Ende sangen alle miteinander „Guten Abend, gute Nacht“ – und alle mussten weinen. Flüchtlinge, Einheimische, Künstler. Die Musik verband alle. „Da merkt man dann, dass wir eigentlich nicht so weit voneinander entfernt sind“, sagt Cornelia Lanz. Die Mezzosopranistin ist sich sicher: „Völkerverständigung geht sehr gut mit Musik.“ Deshalb rief sie vergangenes Jahr gemeinsam mit Mitstreitern das Musikprojekt „Zaide. Eine Flucht“ ins Leben. Jetzt hat Albert Ginthör, Geiger am Gärtnerplatztheater, die Aktion nach München geholt. Über 110 Leute wirken dabei mit, darunter 40 Studenten der kunstwissenschaftlichen Fakultät der LMU sowie viele Asylbewerber.

Eine davon ist Walaa Kanaieh (23). Sie kommt aus Syrien und ist seit März in Deutschland. Seit einem Monat lebt sie in München. „Aber viele Deutsche habe ich lange nicht kennengelernt“, bedauert sie. Bis sie bei einem Welcome-Café von Zaide erfuhr. Sofort war sie von der Idee begeistert. „Ich mag Kunst und Musik“, erzählt sie. „In Syrien war ich in einer Theatergruppe.“ Jetzt macht sie bei Zaide im Sprechchor mit – und kann dort nicht nur ihre Kreativität ausleben, sondern findet auch neue Freunde.

Die Oper Zaide stammt von Mozart und ist unvollendet. „Das gab uns viel Spielraum, eigene Texte dazu zu schreiben“, erklärt Cornelia Lanz. So ist eine ganz eigene Münchner Fassung entstanden. Die Darsteller kommen aus vielen verschiedenen Ländern, die meisten sind Flüchtlinge. Das macht die Planungen nicht immer leicht. Einer der Hauptdarsteller stammt aus Afghanistan. „Er kämpft permanent mit der Abschiebung“, sagt Lanz. Eigentlich soll er am 9. Dezember Deutschland verlassen, sein Fall ist gerade bei der Härtefallkommission. Ob er bei der Aufführung noch in Deutschland sein wird weiß er nicht. Eines aber ist sicher: In Gedanken wird er mit all den anderen verbunden sein. cla

Die Oper „Zaide. Eine Flucht“ wird am Mittwoch, 11., Freitag, 13., und Samstag, 14. Januar, um 19 Uhr in der alten Kongresshalle, Theresienhöhe 15, aufgeführt. Der Vorverkauf für die Oper läuft, Karten gibt es bei München Ticket.

Auch interessant:

Meistgelesen

Corona-Ticker München: Drei Todesfälle - aktuelle Fallzahlen steigen weiter an - Virus-Krise bedroht Traditionshäuser
Corona-Ticker München: Drei Todesfälle - aktuelle Fallzahlen steigen weiter an - Virus-Krise bedroht Traditionshäuser
Eisverkäufer an der Isar und im E-Garten: Bleibt er der einzige seiner Art?
Eisverkäufer an der Isar und im E-Garten: Bleibt er der einzige seiner Art?
Getrübte Aussichten: Deutscher Wetterdienst zieht Personal von Zugspitze ab
Getrübte Aussichten: Deutscher Wetterdienst zieht Personal von Zugspitze ab
München: Ein einklappbares Homeoffice - 142 neue Eigentumswohnungen entstehen an der Infanteriestraße
München: Ein einklappbares Homeoffice - 142 neue Eigentumswohnungen entstehen an der Infanteriestraße

Kommentare