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Armut in der Stadt sichtbar machen: Essensausgabe an der Münchner Freiheit

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Von: Kassandra Fischer

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Eine lange Schlange an der Münchner Freiheit: Derzeit kommen wöchentlich bis zu 300 Menschen, die auf die Spendenausgabe angewiesen sind.
Eine lange Schlange an der Münchner Freiheit: Derzeit kommen wöchentlich bis zu 300 Menschen, die auf die Spendenausgabe angewiesen sind. © IGePS

Der Verein IGePS verteilt an der Münchner Freiheit Lebensmittel und Hygieneartikel an Bedürftige und will den Blick auf Missstände in München lenken.

Schwabing - Es gibt Lebensmittel, Mineralwasser aber auch Shampoo, Seife oder Tampons. Jeden Sonntag von 12 bis 13.30 Uhr stehen derzeit Freiwillige des Vereins IGePS (kurz für Interessen Fairtretung Gesundheit, Pflege und Soziales) an der Münchner Freiheit und verteilen Spenden an Bedürftige und Obdachlose. Zu Beginn der Pandemie kamen 20 Personen, inzwischen stehen bis zu 300 Menschen Schlange. „Und die Situation wird nicht besser“, befürchtet Vorstand Robert Gruber. „In einem Jahr sind wir bei 500“, schätzt er mit Blick auf den Ukraine-Krieg und die explodierenden Lebenshaltungskosten.

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Hilfe für Bedürftige: Verein verteilt Lebensmittel und Hygieneartikel an der Münchner Freiheit

Tafeln seien oftmals in Hinterhöfen oder Gebäuden versteckt. Sein Verein habe sich bewusst für einen Platz in der Öffentlichkeit entschieden – auch, um auf die Armut aufmerksam zu machen. „Wir werden oft angesprochen, Passanten sind schockiert“, sagt Gruber. „Manchmal gibt es dann Spontan-Spender, die uns einen 50-er in die Hand drücken.“

Das Angebot sei niedrigschwellig. „Viele kennen wir inzwischen auch. Sie kommen bei jedem Wetter.“ Manche würden bereits ab 6 Uhr morgens warten – so hätten es Anwohner berichtet. Darunter seien Menschen jeder Altersschicht, aktuell auch viele junge ukrainische Mütter. Und die Dankbarkeit sei bei den meisten deutlich spürbar. Ein Großteil der Spenden kommt vom „Verein für Lebensmittelrettung und gegen Ressourcenverschwendung“ aus Unterhaching. Zusätzlich kaufe IGePS für jede Ausgabe noch Produkte im Wert von 800 bis 1000 Euro ein.

Jeden Sonntag von 12 bis 13.30 Uhr betreiben derzeit Freiwillige des Vereins IGePS die Essensausgabe an der Münchner Freiheit.
Jeden Sonntag von 12 bis 13.30 Uhr betreiben derzeit Freiwillige des Vereins IGePS die Essensausgabe an der Münchner Freiheit. © IGePS

Der Verein selbst hat bloß 15 Mitglieder, insgesamt 33 Personen befinden sich allerdings in einer Helfer-Whatsapp-Gruppe. „Es sind Leute der gehobenen Mittelschicht, ehemalige Obdachlose aber auch Jugendliche dabei“, sagt Gruber. „Das geht quer durch alle Schichten.“

Direkte Hilfe für Obdachlose: Tour durch die Innenstadt

Immer dienstagabends fährt Robert Gruber (kleines Foto) zusätzlich durch die Innenstadt und verteilt Lebensmittel-Tüten an Obdachlose. Laut Sozialreferat waren zum Stand Mai 2022 insgesamt 7565 Menschen in München wohnungslos. „Dieses Niveau registrierten wir erstmals 2017, seitdem ist die Zahl relativ konstant geblieben“, sagt Sprecher Frank Boos. „Vor zehn Jahren lag die Zahl der akut wohnungslosen Menschen bei knapp 4000.“ Gruber startet um 18 Uhr an der Münchner Freiheit. Von dort geht es über die Leopoldstraße, in den Hofgarten, dann über die Sonnenstraße zum Sendlinger Tor. Weitere Stopps sind der Herzog-Wilhelm-Park, die Mensa an der Arcisstraße, St. Bonifaz an der Karlstraße – und wenn dann noch etwas übrig ist auch das Tal. Bei der mobilen Aktion brauche es besonders viel Feingefühl, sagt Gruber. Vertrauen müsse erst aufgebaut werden, oftmals brauche es drei, vier Besuche, bis die Menschen überhaupt etwas annehmen.

Weitere Infos zum Verein, seinen Unterstützungsangeboten und dazu, wie man selbst helfen kann, gibt es unter www.igeps.info.

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