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Der Anwalt der Bären

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München

Wenn Dr. Arpad von Gaál (Foto) seine Kanzlei in der Ottostraße verlässt, ist seine Arbeit noch lange nicht getan. Denn dann kümmert sich der Münchner Anwalt um Mandanten, die seine Hilfe am dringendsten brauchen – Bären, mit denen in Osteuropa Handel getrieben wird. „Es ist erschreckend, was die Tiere alles erleiden müssen“, sagt der 47-Jährige. So wie Franzi: Von Gaál hat die Braunbärin aus Kroatien geholt – eingepfercht in einem vier Quadratmeter großen Käfig, vegetierte sie 25 Jahre lang an einer Steilhanganlage vor sich hin. Der private Halter habe Spenden für Franzi gesammelt – das Geld sei aber nicht dem Tier zugute gekommen, sondern in die Tasche des Besitzers geflossen, meint von Gaál. Die Leidensgeschichten der Bären sind nur bruchstückhaft bekannt. „Schließlich gibt ja keiner zu, dass er Tiere quält“, erklärt von Gaál. Dem Anwalt bleiben lediglich die Papiere – „aber oft sind die falsch“ – und der Zustand der Bären: „Anhand der Tatzen kann man erkennen, dass Goliath ein Tanzbär war“ – dressiert, nach der Pfeife seines Halters zu tanzen. Goliath, ein russischer Braunbär, lebt heute zusammen mit Bärin Suse auf dem Gnadenhof, den der Münchner vor einem Jahr im niederbayerischen Bad Füssing eröffnet hat. Insgesamt drei Bären fanden dort schon eine neue Heimat. „Wir sind auf Problembären ausgerichtet und versöhnen sie hier wieder mit der Natur.“ Daniela Schmitt Anfänge: Dr.Andreas Grasmüller hat 1993 die „Gewerkschaft für Tiere“ gegründet. Er wollte den Tieren ohne große bürokratische Umwege helfen. Als er starb, haben wir seine Idee vom Gnadenhof umgesetzt. Bärenhunger: Manche fressen tagelang nichts, weil sie Essstörungen haben. Aber ein gesunder Braunbär kann am Tag bis zu vier Tragen Obst verdrücken. Charakteristisch... für unsere Bären ist, dass sie psychisch und physisch gestört sind. Wir peppeln sie auf dem Gnadenhof langsam wieder auf. Dreiergespann: Franzi, Suse und Goliath sind unsere drei Bären auf dem Gnadenhof. Suse ist die jüngste und als letzte dazu gekommen – bisher wird sie von den anderen beiden noch etwas skeptisch beäugt. Engagement: Ist sicherlich gestiegen, seit ich den Gnadenhof leite. Es ist eine ehrenamtliche Tätigkeit, daneben habe ich ja noch meine Mandanten, um Geld zu verdienen. Franzi: War der erste Bär auf dem Gnadenhof und hat riesige Fortschritte gemacht, seit sie hier ist. Gnadenhof: Ist in seiner Art der einzige Hof für geschändete Bären. Auf einem elf Hektar großen ehemaligen Bundeswehrgelände in Niederbayern werden die Bären an die Natur gewöhnt. Hospitalismus: Franzi ist anfangs immer nur im Kreis gelaufen – als Folge der jahrelangen Gefangenschaft. Sie war 25 Jahre lang eingesperrt. Investition: Wir haben 1,5 Millionen Euro in den Gnadenhof investiert. Jurist: Als Jurist verhandle ich mit den Besitzern der Bären im Ausland. Ich setze mich für ihre Rechte ein. Normalerweise bin ich auf mehreren Rechtsgebieten tätig, zum Beispiel Erbrecht oder Mietrecht. Kroatien: Von dort stammen viele gequälte Bären. Sie müssen ihr ganzes Leben hinter Gittern in nur wenige Quadratmeter großen Käfigen verbringen. Leckereien: Bären lieben Trauben und Hühnchen. München: Ich habe hier studiert, komme aber ursprünglich aus Chicago. Meine Lieblingsplätze sind der Hofgarten und der Englische Garten. Niederbayern: Wurde bewusst als Standort für den Gnadenhof ausgewählt. Der Hof ist weitläufig, auf dem Gelände gibt es Bunker – das sind ideale Rückzugsmöglichkeiten für unsere Bären. Ohren: Die Ohren von Suse sind typische Teddyohren, ganz weich. Problembären: Darauf sind wir eingerichtet – hier gibt es auch große Einzelgehege. Qualen: Alle unsere Bären haben welche erleiden müssen. Sie verbrachten ihr ganzes Leben in elenden Verhältnissen auf winzigstem Raum. Rumänien: El Dorado für Bärenjäger. Ein Drittel der Baunbären in Europa lebt dort – über 6000. Spenden: Wir sind auf Spenden und Zuwendungen angewiesen, da sich unser Verein ausschließlich durch sie finanziert. Tierpark: Wir sind kein Showbetrieb, weshalb der Hof auch in völliger Abgeschiedenheit liegt. Wir überlegen aber, an zwei Nachmittagen kleine Führungen zu machen. Ungarn: Von dort stammen meine Vorfahren. Ich spreche ungarisch – ein großer Vorteil bei Verhandlungen. Vision: Ich möchte das Projekt irgendwann auf europäische Ebene heben und vielleicht mal wissenschaftliche Studien durchführen. Aber in erster Linie sollen so viele Bären wie möglich eine gute Heimat bekommen. Winterschlaf: In Gefangenschaft finden die Bären diese Ruhe nicht. Wir müssen sie mit viel Einfühlungsvermögen daran gewöhnen. XXL: Wenn Goliath steht, misst er etwa 2,10 Meter. Yes, I can! Meine ganze Kraft schöpfe ich daraus, wenn’s den Tieren wieder besser geht – da ist kein Aufwand zu groß. Zuwachs: Marco kommt voraussichtlich in der ersten Augustwoche aus Kroatien zu uns. Er ist fast so weiß wie ein Eisbär und wiegt 300 Kilo! Dann kommen im Herbst noch zwei weitere Bären. Ein vierter ist in der Wartschleife.

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