Dieser Kurs hilft Helfenden beim Helfen

„Es baut moralisch wieder auf“

+
Die Mappe mit den Kursunterlagen hat Gretl Theuerkorn für den Notfall immer parat.

Pullach – Der Kurs „Hilfe beim Helfen“ bietet Angehörigen von Menschen mit Demenz eine Anlaufstelle – Hallo hat mit der Geschäftsführerin und Betroffenen gesprochen

Mit geduldiger Stimme weckt Gretl Theuerkorn ihren Mann aus seinem Mittagsschlaf: „Heute ist Freitag, der 11. Januar.“ Ein blauer Pfeil markiert das richtige Datum auf dem Wandkalender. Ernst Theuerkorn leidet an vaskulärer Demenz. Um welchen Tag es sich handelt, kann er ohne Hilfe nicht mehr sagen. Die 84-Jährige pflegt ihn zuhause. Unterstützung fand sie beim Kurs „Hilfe beim Helfen“ der Volkshochschule Pullach.

Franziska Lachner, Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Landkreis München.

„Wir haben festgestellt, dass ein sehr großer Beratungsbedarf bei Angehörigen von Menschen mit Demenz besteht“, erklärt Franziska Lachner, Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Landkreis München. Fast zwei Drittel aller Demenzkranken werden von ihren Familien zuhause gepflegt. „Betroffene haben immer wieder die gleichen Fragen.“ Deshalb wurde vor zwei Jahren der kostenlose Workshop ins Leben gerufen, den die Alzheimer Gesellschaft zusammen mit den Kommunen durchführt. Die achtteilige Schulungsreihe kombiniert Beratung mit der unterstützenden Atmosphäre einer Selbsthilfegruppe. „Man merkt dort, dass man mit den Problemen nicht alleine ist. Es baut moralisch wieder auf“, sagt Theuerkorn. 

Spontane Wutausbrüche, Trotzverhalten, Windeln: Vor vier Jahren wurde alles anders. Ihr Ehemann erlitt einen Schlaganfall. Teile des Gehirns wurden nachhaltig beschädigt. Ein halbes Jahr lag er im Krankenhaus. Es folgten Reha und Pflegeheim. Doch im Heim wollte Theuerkorn ihren Mann nicht dauerhaft unterbringen: „Die gehen dort nicht so sehr auf ihn ein. Daheim wird er halt verwöhnt.“ Im Frühjahr 2018 nahm sie dann an „Hilfe beim Helfen“ teil. „Es gibt so viele Sachen, die man nicht weiß, wie zum Beispiel der Anspruch auf ein einmaliges Pflegegeld.“

„Das Programm erfasst alle relevanten Themen von Informationen zur Krankheit über rechtliche Fragen bis hin zum richtigen Umgang mit den Patienten“, erläutert Lachner. Auch Entlastungsmöglichkeiten für die pflegenden Angehörigen spielen eine wichtige Rolle im Workshop. Das war für Theuerkorn besonders schwierig: „Man muss sich selber auch retten und lernen, einmal ‚Nein‘ zu sagen.“

Sophia Oberhuber

Hilfe beim Helfen

Der nächste Kurs „Hilfe beim Helfen“ findet ab Montag, 18. März, jeweils wöchentlich von 9 bis 11 Uhr im Schulungsraum der Volkshochschule Pullach, Jaiserstraße 13, statt. Das Kursangebot ist kostenlos und erstreckt sich über insgesamt acht Termine. Die Anmeldung ist ab Mittwoch, 16. Januar, möglich und erfolgt entweder online unter www.vhs-pullach.de, telefonisch unter 74 48 700 oder persönlich in den Büros der Volkshochschule Pullach. 

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare