Auf Krankenbesuch im Krisengebiet

Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit – drei Münchner berichten über ihre Reise zu einem Hospital in Haiti

Pullach Wer in die Dominikanische Republik fliegt, kennt meist nur ein Ziel: die Strände der Karibikinsel. Die Münchner Arnulf Mallach, Günter Heim und der TU-Mitarbeiter Dr. Joseph Ndogmo aber verschwendeten bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen der Hauptstadt Santo Domingo am 4. Juni keinen Gedanken daran – ihre Reise führte sie nicht zum Meer, sondern in den unwegsamen Norden des Nachbarstaats Haiti. Die Helfer besuchten das Krankenhaus Alma Mater in der Stadt Gros Morne.  Das Haus ist seit 30 Jahren Partnergemeinde der Pullacher Pfarrgemeinde Heilig Geist. „Ein bisschen mulmig war uns vor der Reise schon“, sagt Günter Heim. Die drei wussten nicht, welche Spuren das Erdbeben im rund 150 Kilometer von Port-au-Prince entfernten Ort hinterlassen hatte. Port-au-Prince war das Epizentrum des Erdbebens, das am 12. Januar die Insel heimsuchte. Doch auch ohne Beben kämpfen die 25 000 Einwohner von Gros Mornes seit Jahren ums Überleben. „Die Leute haben keine Arbeit. Die Kinder hungern. Und ein riesiges Problem ist die Abholzung der Wälder“, sagt Arnulf Mallach. Als Haiti-Beauftragter in der Pfarrei befasst er sich seit langem mit den Problemen des Karibikstaats. Im Quartal sammelt die Pfarrgemeinde rund 11 000 Euro, um das Krankenhaus Mater Alma finanziell zu unterstützen. „Von den Geldern werden neue Geräte angeschafft, einfache Operationen sind möglich“, so Mallach. Trotzdem sei der Standard nicht mit deutschen Krankenhäusern zu vergleichen. „35 Patienten liegen in einem Raum. Sie werden nur medizinisch versorgt. Essen, Kleidung und Bettdecken werden von Angehörigen gebracht“, sagt Heim. Stark angestiegen sei die Zahl an Tuberkulose-Erkrankten, eine Folge der hohen Aidsrate: „Fast jeder zehnte ist HIV-positiv“, sagt Mallach. Auch wenn es aussichtslos scheint – die Helfer haben sich eines versprochen: „Kontakt zu den Leuten zu halten, die wir kennengelernt haben“, sagt Joseph Ndogmo. Und das sei wiederum relativ leicht: „Fast jeder hat ein Handy oder Internet.“ D. Schmitt Am Mittwoch, 14. Juli, berichtet das Team von seiner Reise. Der Vortrag „Zwischen Verzweiflung und Aufbruch“ findet im Pfarrsaal von Heilig Geist (Parkstraße 11) um 20 Uhr statt.

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