"Ich gebe meine Familie auf"

Pfarrer Josef Schranner verlässt nach 16 Jahren die Gemeinde Peter und Paul in Grünwald

Grünwald Der Abschied fällt ihm nicht leicht, schon gar nicht, weil der Gemeinde Peter und Paul kein Pfarrer mehr zugeteilt wird. Dabei will Josef Schranner doch das Beste für seine 2400 Schäfchen, die ihm in 16 Jahren so ans Herz gewachsen sind: „Ich gebe nicht nur meine Heimat auf, sondern auch meine Familie – die Pfarrei ist meine Familie“, seufzt der 65-Jährige, der am 31. August seine Stelle in Grünwald verlässt. Doch der gebürtige Holledauer will gehen, solange er noch die Kraft dazu hat. Sein gesundheitlicher Zustand lässt ihm keine Wahl. In Kirchseeon will er einen Neuanfang im Ruhestand wagen. Aber er ist ein Bestandteil von Grünwald geworden, ist in den Vereinen beheimatet – bei den Schützen, den Trachtlern, den Freunden Grünwalds. „Ich wollte die Leute immer da abholen, wo sie stehen“, erklärt Schranner, der im Juli 40 Jahre als Priester feierte, die er in Giesing, Fürstenried, Haidhausen, Englschalking und eben Grünwald verbrachte. Für die Menschen in seiner Pfarrei nahm er sich stets viel Zeit – besonders bei Beerdigungen, bei Sterbegesprächen und den Trauerfeiern. „Ich trage keine Uhr seit über 30 Jahren – ich habe Zeit und höre zu“, erklärt der Pfarrer. Das könne man sich in dieser kleinen Pfarrei noch leisten. In Giesing, wo Schranner seine ersten drei Jahre als Kaplan verbrachte, hatte er bis zu 18 Beerdigungen im Monat. Doch mit seinem Weggang werden andere Zeiten einkehren müssen. Sein Kollege von Maria Königin, Pater Anton Lötscher, wird künftig die Pfarrei Peter und Paul mitbetreuen. „Es ist eine Übergangslösung – noch kein Pfarrverband“, erklärt Schranner, „im Oktober kommt Roland Neuner als Diakon, aber der wird nicht vor Ort wohnen.“ Dementsprechend müssen Gottesdienste gestrichen und umgeplant werden (siehe Kasten). Aber auch in anderen Bereichen gilt es, den Pfarrer zu ersetzen: Ministrantenarbeit, Kirchenverwaltung, Pfarrgemeinderat und Immobilienverwaltung. St.Peter und Paul betreut ein großes Jugendheim, das Pfarrheim ist komplett an Grünwalder Gruppen vermietet: Die Burgspatzen, eine Mädchen-Tanzgruppe, eine Gospel-Jugend und der Kirchenchor haben dort ihre Heimat gefunden. Schließlich liegt dem Pfarrer schon immer die Musik besonders am Herzen. Außerdem fallen die Grünwalder Burg, das Rathaus und der Maibaum in den Zuständigkeitsbereich von Peter und Paul. Was den Verlust noch schmerzlicher macht: Seine Pfarrhausfrau Marita Großmann begleitet Schranner nach Kirchseeon. „Sie war eine echte Stütze der Gemeinde, die hat teilweise mich, die Messnerin, die Sekretärin und auch die Hausmeisterin vertreten“, betont Schranner. Da verlassen gleich zwei gute Geister Grünwald. Maren Kowitz Neue Gottesdienstordnung Montag und Dienstag entfallen künftig die Gottesdienste in St.Peter und Paul, der Pfarrgottesdienst am Sonntag findet jetzt nur noch um 11 Uhr statt, in Maria Königin nur noch um 9.30 Uhr.

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