Der Gauner aus Grünwald

Millionen mit Motoren: Münchner Kripo fasst einen mutmaßlichen Betrüger

GRÜNWALD Ein Motor, der von alleine läuft. Ohne Benzin, ohne Strom, angetrieben allein durch das Magnetfeld der Erde. Der Mann, der so eine wundersame Maschine erfindet, ist entweder ein Genie – oder ein Betrüger. Viele Deutsche hielten Mike B. (60) tatsächlich für einen genialen Erfinder. Der Südafrikaner vertrieb seit 2008 seine Magnet-Motoren über die Grünwalder Firma „Perendev Power“. Von der Südlichen Münchner Straße aus suchte er Käufer für seine Maschinen. Die Modelle kosteten zwischen 20 000 und 40 000 Euro, bei jeder Bestellung wurde die Hälfte des Kaufpreises fällig. 61 Deutsche, laut Polizei „Personen mit alternativ-technischem Interesse“, griffen zu – und Mike B. raffte eine Million Euro zusammen. Die Motoren sahen die Käufer aber nie. Als Mike B. dann noch eine Präsentation in einem großen Münchner Hotel ohne Grund sausen ließ, ging den Investoren langsam ein Kontrolllämpchen auf – und sie merkten: Da läuft etwas ganz und gar nicht rund. Ab da, einen genauen Zeitpunkt nennt die Polizei nicht, ermittelte das Wirtschaftsdezernat der Münchner Kripo. „Einer der Kunden muss sich bei uns gemeldet haben“, sagt Pressesprecher Stefan Sonntag. Irgendwann tauchte Mike B. ab. Seine Firma in Grünwald meldete Insolvenz an, der bärtige Betrüger mit dem Goldkettchen um den Hals zog in die Schweiz – um gleich eine neue Firma in Wollerau (Kanton Schwyz) zu gründen. Zugleich legte sich Mike B. am Südufer des Zürichsees ein schönes Haus zu, in seiner Garage standen Luxusautos wie ein Maserati und mehrere Range Rovers. Die Kripo ist sicher: Die Nobelschlitten kaufte er mit dem ergaunerten Geld seiner deutschen Kunden. Die Staatsanwaltschaft München I war Mike B. aber noch immer auf der Spur – sie stellte Haftbefehl wegen des Verdachts des Betrugs aus und sandte einen Auslieferungsantrag an die Schweizer Justiz. Ende März nahmen Beamte Motoren-Mike fest – er sitzt jetzt in Stadelheim in U-Haft. Schwer zu sagen, wer Mike James B. wirklich ist. Er wurde wohl 1949 in Südafrika geboren. Nach eigenen Angaben machte er eine Ausbildung im Informatikbereich. Andere Quellen behaupten, er sei mal Polizeioffizier gewesen, habe an Autorennen teilgenommen und besitze angeblich einen Fluglizenz. Später soll der Gauner aus Grünwald Helikopter, Stromerzeuger und Flüssigstickstoff-Antriebe erfunden haben. Auf seiner Homepage schreibt Mike James B., er habe 1969 seine erste Version des Magnet-Motors aus Holz gebaut. Die Firma „Perendev Power“ betreibt er mit einem Anwalt namens Hans B. auf. Nach eigenen Angaben ist ihre Firma sieben Jahre alt – mit Niederlassungen in Russland, Holland, Spanien und Südafrika. Trotz allem hat noch niemand gesehen, dass einer der Magnet-Motoren läuft – vielleicht liegt es einfach daran, dass sie nicht funktionieren. Und das wäre dann wirklich keine geniale Erfindung. T. Gautier

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bund-Länder-Konferenz zur Corona-Krise ‒ Beratung zu längerem Lockdown mit weiteren Kontaktbeschränkungen
Bund-Länder-Konferenz zur Corona-Krise ‒ Beratung zu längerem Lockdown mit weiteren Kontaktbeschränkungen
Gericht statt Bühne: Leiden im Lockdown - so steht’s ums Münchner Hofspielhaus und die Komödie
Gericht statt Bühne: Leiden im Lockdown - so steht’s ums Münchner Hofspielhaus und die Komödie
Das Spiel der Könige: Gewinnen Sie den Schachcomputer „Chess­Genius Exclusive“ ‒ handgefertigt und aus Holz
Das Spiel der Könige: Gewinnen Sie den Schachcomputer „Chess­Genius Exclusive“ ‒ handgefertigt und aus Holz
Wanderlibelle ist Libelle des Jahres
Wanderlibelle ist Libelle des Jahres

Kommentare