Ein wichtiger Teil der Gesellschaft

Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung in Höhenkirchen eröffnet

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Die 23-jährige Sarah Jäkel (oben, links) hat ihre neues Zuhause in Höhenkirchen bereits bezogen. Mutter Olivet Jäkel ist sehr stolz auf ihre Tochter. Der Präsident des Bezirkstags von Oberbayern Josef Mederer und Landrat Christoph Göbel beglückwünschten das Inklusions-Projekt bei der Eröffnungsfeier.

Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wurde vergangene Woche die Wohngemeinschaft des Vereins „Zukunft trotz Handicap“ in Höhenkirchen eröffnet.

„Ich kam rein und habe nur strahlende Gesichter gesehen“, sagte Josef Mederer, Präsident des Bezirkstags von Oberbayern, bei der Eröffnung der Wohngemeinschaft des Vereins „Zukunft trotz Handicap“ am vergangenen Freitag. Sein Rückschluss: „Das muss etwas Besonderes sein!“ Und etwas Besonderes ist das Haus an der Konzeller Straße 1 tatsächlich. „Es ist ein Pilotprojekt“, berichtete Andrea Hanisch, Vorsitzende des Vereins „Zukunft trotz Handicap“, Geschäftsführerin der ZTH Wohnheim gGmbH & Co. KG, die das Wohnheim für den Verein errichtet hat und Höhenkirchner Gemeinderätin. In der elternfinanzierten Wohngemeinschaft soll Inklusion Praxis werden.

Elternfinanziert heißt: „Die Eltern der Bewohner mit Handicap haben jeweils 100.000 Euro in die KG eingezahlt“, erklärte Hans-Jürgen Gerhardt, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Die Gesellschaft habe dann das Wohnheim gebaut, in dem jeder der 26 Bewohner ein eigenes kleines Apartment mit Bad hat. „Diese Apartments haben die Eltern sozusagen gekauft“, so Gerhardt weiter. Der Rest werde durch einen Kredit sowie die Beteiligung der Manfred-Halbauer-Stiftung finanziert. Durch ihren Eigenanteil sind die Familien jeweils an der gemeinnützigen GmbH & Co. KG — der Eigentümerin des Hauses — beteiligt, die wiederum mit dem Heilpädagogischen Centrum Augustinum (HPCA) einen Mietvertrag über zunächst zehn Jahre geschlossen hat. Die Miete wird allerdings durch den Bezirk Oberbayern finanziert. Durch die Mieteinnahmen sollen sich die Investitionen der Familien langfristig refinanzieren. Die Bewohner hätten in dem Haus so lange Wohnrecht, solange es jenes in dieser Form gebe, ergänzte Robert Limmer, Bereichsleiter des HPCA. „Die Bewohner sollen in dieser WG alt werden können“, so Limmer weiter. Falls doch mal ein Bewohner ausziehen sollte, können die Eltern das Apartment weiterverkaufen. „Natürlich nur an Eltern, deren Kind auch hier reinpasst, also eine geistige Behinderung hat.“

Zeil sei es, gehobenes Wohnen für Menschen mit Behinderung bieten zu können. „Wir wollen mehr als Minimalsozialniveau“, sagte Matthias Heidler, Geschäftsführer der HPCA. Ein ähnliches Wohnprojekt gebe es bereits seit zehn Jahren in Oberschleißheim. „Dort fühlen sich die Bewohner wohl, wir haben so gut wie keine Fluktuation“, berichtete Limmer. Genauso solle es in Höhenkirchen auch werden. „Wohnen, Freizeit und Arbeiten gemeinsam zu leben — das ist unser Ziel!“ Dennoch sollen die Bewohner so autonom wie möglich leben können. „Wir wollen einen perfekten Grat zwischen Selbstständigkeit und Betreuung finden“, so Limmer. Auch die Eltern würden natürlich eingebunden.

5,4 Millionen Euro wurden in das Haus an der Konzeller Straße investiert. Finanzielle Unterstützung gab‘s vom Bezirk. 26 Plätze gibt es, 24 wurden innerhalb von drei Monaten bereits verkauft. „Und das ganz ohne Werbung“, freute sich Gerhard. Das Konzept scheint anzukommen.

Vor drei Wochen wurde in Höhenkirchen der Betrieb aufgenommen. Die 24 Bewohner sind bereits eingezogen und haben ihre Apartments individuell gestaltet. „Unsere Bewohner sind zwischen 20 und 30 Jahren“, erklärte Limmer. Unter ihnen: die 23-jährige Sarah Jäkel. Schon wochenlang habe sich die junge Frau auf ihren Einzug gefreut, berichtete ihre Mutter Olivet Jäkel. „Ich fand es so toll, mein eigenes Zimmer einzurichten“, bestätigte auch Sarah. Zudem kannte sie schon viele der anderen Bewohner aus ihrer Jugendgruppe. „Das ist toll“, sagt Sarah. Auch ihrer großen Leidenschaft, der Musik, kann die junge Frau in der WG nachgehen. „Ich spiele Gitarre, Leier und Keyboard“, sagte sie. „Die anderen hören mir gerne zu.“ Auch ihre Mutter ist von dem Konzept überzeugt: „Ich finde es toll, dass die Eltern hier alle die gleichen Ziele verfolgen, an einem Strang ziehen“, sagt sie. Zudem gefalle ihr, dass die Kinder viel gemeinsam machen können. „Auch fahren sie zusammen in den Urlaub oder auf Jugendfreizeiten“, so Jäkel.

Besonders freut sich auch Höhenkirchens Bürgermeisterin Ursula Mayer über die neue Einrichtung. „Das führt unser Konzept einer sozialen Gemeinde fort“, so die Rathaus- chefin. Die Jugendlichen würden so in einer Wohnsiedlung mitten in der Gemeinde, „mit uns“ leben. Ihr stimmte Mederer zu: „Es wurden die passenden Rahmenbedingungen geschaffen, dass Menschen mit Handicap nicht am Rande der Gesellschaft stehen, sondern ein sehr wichtiger Teil der Gesellschaft sind!“ Tanja Buchka

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