Talent auf zwei Brettern und mitten im Leben

Tobias Schmidt aus Neubiberg sorgt im Ski-Rennsport für Aufsehen

Tobias zeigt im Steilhang klare Kante, die langen Ski folgen dem hochbegabten Renntalent in steter Parallelität auch über schwierigste Kuppen und Kanten. Am Ende hat Tobias Schmidt auch diesen engen, durch viele Stangen bewehrten Korridor wieder erstklassig bewältigt. Der junge Neubiberger ist in der Szene längst kein Unbekannter mehr. Bei den großen FIS-Rennen, dem Unterbau der Weltcup-Bewerbe, ließ der 18-Jährige in seinen Sahne-Disziplinen Slalom und Riesenslalom wiederholt aufhorchen. Diverse Top-Ten-Resultate konnte der ausgewiesene Technik-Spezialist bei den vornehmlich in Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz gefahrenen Rennen sammeln. Der Sprung in die deutsche CIT-Nationalmannschaft war der Lohn – trotz Verletzungspechs.

Seit drei Jahren besucht Tobias das renommierte HIB Skigymnasium Saalfelden im Salzburger Land. In dieser Wiege hochveranlagter Alpin-Skisportler haben schon diverse Branchengrößen die eng verzahnte Dual-Ausbildung aus Ski und Schule durchlaufen. Sicher kein schlechtes Omen markiert der Umstand, dass im Garmischer Thomas Dreßen eines von Tobias sportlichen Vorbildern die gleiche Schule besucht hatte. Dreßen hatte mit seinem sportlichen Durchbruch in dieser Saison für Aufsehen gesorgt – als er neben der Weltcup-Abfahrt in Kvitfjell und vielen Topplatzierungen die legendäre „Streif“ am Kitzbüheler Hahnenkamm gewinnen konnte.

Ganz so weit ist Tobias noch nicht. Aber die Erfolge des Slalom-Artisten sprechen ebenfalls für sich. „Es war schon eine tolle Sache, den begehrten Schulplatz nach schwieriger und vor allem sportlich umkämpfter Aufnahmeprüfung zu bekommen“, sind Tobias und seine Mutter Maria Schmidt im Chor stolz. Dabei zählte bei weitem nicht nur der leistungssportliche Aspekt. „Ich musste erst einmal den Lernstoff von zwei Jahren Französisch kurzfristig nachlernen“, verweist der junge Mann zu Recht auch auf starke Qualitäten abseits der Piste. Die kann er selbst bald pädagogisch einsetzen. Denn eine Ausbildung zum lizensierten Skilehrer hat er bereits absolviert und wird sein Wissen auf diesem Wege künftig weitergeben. Wenn ihm überhaupt noch Zeit bleibt. Denn die Tage mit vormittags Schule, Training am Nachmittag und Lernstunden abends verlangen vollen Einsatz.

„Mein Traum ist es, während der kommenden Jahre in den A-Kader des DSV zu kommen“, formuliert Tobias klare Wünsche. Einer wie Thomas Dreßen habe schließlich vorgelebt, dass Weltcup, WM oder Olympia kein Traum bleiben müssen, sondern erlebbar sind. „Das kann man schaffen“, weiß der junge Mann. Die Hürden sind aber auch abseits der sportlichen Qualifikationskriterien hoch. Neben der zeitlichen Mehrfachbelastung kommt auch der finanzielle Aspekt zum Tragen. „Reisen, Material – das kostet“, weiß Mutter Maria Schmitt. Neben den Eltern erhält der Hoffnungsträger derzeit Unterstützung von den Firmen Fischer Ski und Sport Gürteler sowie des FC Unterbiberg als seinem Heimatverein. Der FC Unterbiberg ist zwar „nur“ im Fußballbereich aktiv. Doch auch beim Kicken hat Tobias sein Talent längst nachdrücklich bewiesen. „Wenn es meine Zeit erlaubt, spiele ich weiterhin für den FCU“, erklärt Tobias seine Verbindung zum heimischen Sportpark. Lange schien auch ein leistungssportlicher Weg in den Fußball möglich. 2010 und 2011 war Tobias Mitglied des Leistungskaders Fußball am DFB-Stützpunkt Oberhaching und kickte im Nachwuchs des TSV 1860. Bei den „Blauen“ fiel die Entscheidung aber bald für die Ski-Abteilung. Die Basis für die rennsportliche Entwicklung war gelegt. Klare Kante für den Steilhang.

Harald Hettich

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